Die letzte Woche hat mich richtig ausgepowert. 8-10 Stunden Arbeit am Tage und das letzte bisschen frei vom Tag verbrachte ich bei meiner “Gastfamilie” den Shannons, weil Pedro, mein Mitbewohner und ich bei ihnen immer Abendbrot essen und sich das dann meistens hinauszieht. So ist es, wenn wir nach Hause kommen, gegen 23 Uhr und wir fallen regelmässig ins Bett.
Ich habe mir nun vorgestellt, ausser diesem Rhythmus noch mit 3-5 jungen Leuten zusammen zu leben, denen ich ja auch möglichst viel auf den Weg mitgeben will, noch besser wenn es lebensbezogen ist. D.h. wenn z. B. jemandem eine schwierige Situation während des Tages passiert, was ich mitbekam, dieses z.B. Abends aufzugreifen, anzusprechen, Perspektive zu geben und ihn zum nachdenken oder handeln aufzufordern. Wenn ich meinen freien Tag habe und ausgeglichen bin, ist das auch kein Problem, oder ebend, wenn mein momentaner Arbeitsschwerpunkt darauf liegt und ich ganz auf den anderen ausgerichtet bin, z.B. im Teeniekreis. Auch werden mir im Zusammenleben mit Pedro immer mal Punkte wichtig, die ich beobachtet habe und ihm gerne weitergeben will. Oft vergehen Tage, bis sich der richtige Zeitpunkt ergibt, meist beim Essen, aber dann reden wir darüber. Wenn alles halbwegs entspannt ist geht das gut, aber sonst? Und sobald der Fokus ein anderer ist, z.B. die Kinderarbeit auf der Insel, bei der die Kinder im Zentrum der Konzentration liegen, verliere ich den Fokus der Analyse und Möglichkeiten die sich bei nebenbei geschehenden, scheinbar nebensächlichen Unterhaltungen mit meinem Gesprächspartner, in dem Falle dieser Woche, dem französischen Praktikanten Nicolas, ergeben.
Ich unterhalte mich zwar, aber dient es mehr einem Plausch unter Gleichen, ohne Fokus, oder bestimmtes Ziel. Dies ist schade, denn jedes Gespräch und Situation ist kostbar und einzigartig.
Mir wird bewusst, dass ich in der Alltagsfülle nur weitergeben kann, was schon „natürlich“ in mir ist und „natürlich“ in jeder Lebenssituation herauskommt. Dies ist manchmal Ermutigung, andermal Blödsinn oder Witze. Reicht das aus? Und was mache ich, wenn ich am Punkt angelange wo ich nur noch alleine sein will? Diese Möglichkeit gibt es jetzt schon fast nicht,von einer Situation, wenn ich eigene Familie habe, mit Kindern ganz zu schweigen. Was bleibt da noch an Kraft und Raum für die „Jüngerschaft“ anderer übrig?
Die einzige mir logische Schlussfolgerung ist, mehr Raum und Zeit für das scheinbare „nebensächliche Gespräch“ zu erübrigen, bzw. dieses Begleiten der jungen Menschen als einen festen Arbeits(zeit)bestandteil zu sehen und zu behandeln. Wer von uns seine Aufgabe im Begleiten der jungen Leute hat, kann eben nicht noch 8 Stunden im Büro arbeiten oder draussen, es sei denn, es findet zusammen mit einem jungen Menschen statt. Dabei wird dann aber selten der arbeitstechnische Erfolg im Fordergrund stehen, sondern sondern der pädagogische oder therapeutische.
Was meinst du dazu? über gute Ideen und Gedanken freue ich mich!
Hier noch ein Ausschnitt vom sonntäglichen Nachmittag bei Kairos:
Nachmittagsgesprächeuber Kindererziehung bei Kairos from margiano cansado on Vimeo.


