Der Kongress war für mich wirklich dienlich einen Einblick in die aktuelle “christliche Welt” Lateinamerikas zu bekommen. Ich konnte teilnehmen an Workshops, die sich mit den Schwierigkeiten der aktuellen sehr dominanten Leiterstruktur in den Gemeinden beschäftigte und ihrer Folge; nämlich der Abwanderung der Jugendlichen selbst aus sog. “lebendigen, modernen Gemeinden”, die lieber Interaktion statt “Frontalpredigt” wollen und nach geistlichen Eltern suchen statt nach Oberlehrern (wohl ähnlich wie bei uns). Dieses Umzudenken ist die momentane Herausforderung vieler Gemeinden.
Der Kongress setzte genau dort an: Viel Gemeinschaft mit vielen Menschen (über 2000 Teilnehmer), geniale Multimediashow, vielfältige Arten der Motivierung der Jugend zu Mission (wer hiernach nicht in die Mission gehen will, riecht schon etwas nach Rebel), lebensechte Zeugnisse von echten Missionaren die echte Preise bezahlen (Verfolgung, Knast) und dies auch der Jugend zu bedenken geben. Das fand ich super. Hier ein paar Videoeinblicke.
Auch war viel Raum zum Kontaktmachen. Und auch da führte mich Gott zu interessanten Menschen, aus verschiedenen Ländern, mit denen ich trotz Spanisch tiefer ins Gespräch kam. Hervorzuheben ist hier Edgar ein sehr junger Pastor aus Bolivien der, wie die meisten Pastoren sich mit einem “normalen Job” über Wasser hält und “in seiner Freizeit eine Gemeinde” betreut. Aber ich rannte auch in Leute dich ich aus einer Latinogemeinde in Mannheim kannte, in eine Darmstädter Missionarin, die auch die OJC kennt und viele weitere ähnliche Begebenheiten.
Klar wurde auch sehr viel über Musik und Massenbewegung auf der emotionalen Schiene gearbeitet, um direkt danach mit einem tiefbewegenden Clip über einen weit entfernten Udmurtos-Stamm in Weissrussland. Wenn man diese im schneeverwehten Dorf vor sich hinleidenden Menschen sah, musste man sich einfach ein Flugticket kaufen und helfen.Oder am Themenabend “China” kamen sie mit riesigen Plastik-Gittern herein und bauten so überzeugnende Gefängnisse um gruppen von Jugendliche, dann fuhr ein Militärjeep ein mit bewaffneter Besatzung, dahinter maschierten Weissgesichtige Schergen die das Publikum bedrohten. Hier sah man nicht nur, hier war man direkt Teil des Missionserlebnisses. (mehr zum Mitgucken auf meiner Videoseite)
Wir Leiter waren luxuriöser untergebracht als der Rest (der sich mit Isomatten begnügen musste, nebeneinander wie Heringe). Wir dagegen schliefen n Armeebaracken auf durchgelegenen, siffigen Matrazen, mit Duschen aus denen Strom kam (weswegen wir um Mitternacht im Gänsmarsch 10 Blöcke weiter zur Dusche getrieben wurden) und Toiletten dessen Abfluss direkt auf die Füsse zielte- da sparte man dann die Dusche. Doch das beeindruckendste ist, dass sich keiner der Pastoren oder Leiter auch nur mit einem Wort beschwerten. Ich war wirklich nicht mehr in Deutschland.
Outreach auf der Strasse
Weiterer Höhepunkt war ein Nachmittag mit Einsatz für die Jugendlichen und Leiter entweder im Stadtzentrum, im Krankenhaus oder in einem “Villa” (Armenviertel). Ich war im Stadtteam und wir verteilten hauptsächlich Info- und Einladungsflyer, die die Leute wirklich annahmen (und nicht gleich in nächsten Papierkorb warfen). Einige Teams hatten wohl Probleme mit ihren weiblichen blonden Missionarinnen, denn die arg. Männer waren an mehr interessiert als nur “die gute Botschaft” von ihnen zu hören, das erschwerte so manches Gespräch. Ein weiter Teil bestand im aktiven Säubern der Stadt (Müll aufsammeln). Im Ganzen wars für mich ein fragwürdiger sinnhafter Einsatz, da nach 1 1/2 Stunden schon Schluss war und wir meistens im Pulk auf die Leute zustürmten und wenig Persönliche Gespräche entstanden. Aber auch das scheint normal hier zu sein: man bekommt einen Flyer in die hand gedrückt, freut sich und kommt vielleicht sogar.
So waren wir alle übermotviert für den praktischen Einsatz der auf den Kongress folgte. Ich lernte mein Team am letzten Tag kennen, praktisch als wir schon auf gepackten Koffern saßen. Für die Busreise wurden wir auch gleich wieder getrennt, und sollten uns so schnell nicht mehr zusammen finden. Aber dazu mehr im nächsten Eintrag…





