
Voller Klamotten, Joghurt und anderen Leckereien
Abfahrt
600 kg Joghurt waren verpackt und gekühlt, einige weiter haltbare Nahrungsmittel, Einzelteile wie ein Rollstuhl und ein großer Anhänger voller Kleidung zählt zu unserem Gepäck. Eine Tour von 48 Stunden oder knapp 3000 km liegt vor uns. Ich wollte gerne die erste Etappe fahren, die übernahm Frank- letztendlich zog er die ersten 800 km praktisch ohne Pause in einem Ritt durch, der uns bis zur Slowakischen Grenze brachte.
Wir blieben bewahrt und kamen überall super durch, hatten keinerlei Staus oder Unfälle und das nun ausgetauschte Navi spielte mit. Auch die Grenzübergänge waren kein Problem bis zum ungarischen.

Entspannungsübungen zwischen den Stühlen
Ich hatte gerade mit Frank um 23 Uhr abends vor Bratislava getauscht und Olaf half mir gegen die Müdigkeit anzukämpfen (mit seinem typischen Schweigen, meine Handy-Musik wurde dann mein Wachhalter). Eigentlich gibt es an den Grenzübergängen keine Kontrolle mehr aber dieser Beamte wollte es wohl besonders gut machen und liess sich mit unserer Auskunft „Wir liefern Hilfsgüter“ nicht abspeisen. „Zu viele Sachen für 4 Personen“ sagte er immer wieder. Auch als ich ihm einige Kisten öffnete und ihm die Second-Hand Klamotten zeigte liess er sich nicht überzeigen. Ich weiss nicht ob er einfach auf Probleme aus wahr oder ein Schmiergeld heraushauen wollte. Als er jedenfalls Frank sah (der bis dahin im Heck geschlafen hatte) und der ihm mit der Autoriät seines Rauschebartes sagte „Das sind Güter für die KIRCHE“, gab er sich zufrieden und liess uns ziehen. Gott sei Dank.

An der schönen blauen Donau...
Olaf löste mich nach Budapest gegen 2.30 nachts ab und ich konnte endlich 3 Stunden verdienten Schlafes geniessen. Um 5.30 überfuhren wir die rumänische Grenze, gönnten uns einen Morgenkaffee und ich freute mich dass die freundliche Bedienung sogar meine Termoskanne mit frischem heissen Teewasser füllte (Tee habe ich in Massen dabei). Weiter gings bis nach Timisoara und das auf einer völlig neuen, gut ausgebauten Strecke (ohne die übliche Schlaglochparade), doch kurz danach kamen wir jäh zum stehen.

Fachmännische Hilfe- so gings nach einem Tag Aufenthalt in Südrumänien weiter
Die Servolenkung machte schon seit ein paar Minuten Probleme und nun ging auch noch die Batterie aus, was uns gerade auf die Anfahrt in die Gebirge zum Stehen brachte. Grund: Der Keilriemen war gerissen. Gott sei Dank ist dank Handy-Technik und ADAC selbst im abgelegendsten Tal kein Problem mehr Hilfe zu beschaffen. 2 Stunden später kam unsere Sonntagshilfe in Form von 2 Männern auf einem hoppligen Abschleppwagen, der es selber fast nötig hatte abgeschleppt zu werden. Als sie sahen was kaputt war verbrachten sie erstmal die nächste halbe Stunde telefonierend, bis sie zum Schluss kamen, die beste Lösung sei, ihre Zweitbatterie aus ihrem Auto aus- und bei uns einzubauen, leider hatten sie nicht das passende Werkzeug dabei, war ja Sonntag. Also fuhr einer der beiden wieder los, kam aber noch relativ kurzer Wartezeit wieder und sie schafften es die Batterie zu transplantieren und unserem Motor zu neuem Leben zu verhelfen. Doch war klar; heute hat keine Werkstatt auf und wir müssen bis morgen warten, bis der Keilriemen getauscht würde. Der ADAC beschaffte uns schnell ein kostenloses Hotel und so konnten wir den bitter benötigten Schlafausfall sogar in Betten (nicht nur der Rücksitzbank) nachholen.

2-Sterne Hotel vom ADAC spendiert. Wir waren die einzigen Gäste
Ich machte mich am frühen Abend noch auf den Spaziergang um ein wenig an der schönen blauen Donau entlang zu flanieren. Leider hatte sich die „Stadt-der-3-Namen“ (ihr richtiger Name wollte uns nie ganz so einfach von der Zunge rollen, Dobre…irgendwas) gegen mich verschworen und mir gelang es auch nach 1 ½ Stündiger Suche keinen Zugang zur schönen, weit entfernten Donau zu finden. Ich war frustriert. So flanierte ich also nur die breite Hauptverkehrsstrasse entlang und atmete statt frischer Flussluft abgestandene Autoabgase. Aber unsere Weiterfahrt morgen, die uns ein Stück an der Donau entlang führt, wird uns entschädigen.

"Haus mit leichten Sturmschäden günstig unterzuvermieten"
Autoreparatur
morgens früh um 9 wurden wir nach einem leckeren Frühstück als einzige Gäste im Hotelrestaurant vom ADAC Kontaktmann abgeholt. Kurz danach war der Bus auf der Hebebühne und es wurde ausser dem verschlissenen Keilriemen auch noch eine völlig defekte Spannrolle und ein Stossdämpfer in der Unterbodenschürze gefunden, der sich gelöst hatte. Wir sind, seit wer weiss wie lang ohne Stossdämpfer gefahren! Welche Bewahrung dass nicht viel mehr gefunden wurde und Franks Adlerauge nebenbei diesen Schaden entdeckt hat. Ausserdem sind die Mechaniker echt fit und konnten alle nötigen Ersatzteil im Nu beschaffen. Gott seis gedankt!
Auch wenn die Weiterfahrt sich nun verzögerte merken wir wie Gott in der Zeit arbeitet.Unser Kontaktmann in Griechenland hat heute erst die Kontakte knüpfen können die wir unbedingt brauchen, also hätten wir, wären wir früher gekommen gar nichts erreicht. Es ist Gottes Timing.

Im Hintergrund die noch nicht ganz zu ende gebaute Brücke- leider
Überfahrt nach Bulgarien
Um 13 Uhr gings dann endlich los. Wir fuhren erstmal bis zur Donau um über die einzige Fährverbindung in 500 km Entfernung überzusetzen. So können sie auch gepfefferte Preise fordern: 66 Euro für Bus und Mitfahrer plus zwei verschiedenen Steuern oder Zuschlägen, insgesamt also 76 Euro. Dafür mussten wir aber auch eine Stunde auf die Fähre warten und letztendliche Überfahrt war in 20 Minuten schon gelaufen. 2 km entfernt sahen Sie dann wie sie eine riesige Brücke konstruirten – und das war genau ihr Fehler- dass sie noch in der Konstruktion war und nicht schon fertig.

Die Karpaten oben noch mit Schnee- leider zu weit weg
Dafür lohnte sich das andere Ufer- Bulgarien zeigte (wie eigentlich die ganze Fahrt) von seiner schönsten Seite, mit strahlendem Sonnenschein und märchenhaften Kumuluswolken. In der Ferne konnten wir die schneebedeckten Spitzen der Karpaten ausmachen. Wunderschön aber leider zu weit weg um sie uns näher anzusehen. Für die Autofahrer besonders wichtig- die Strassen waren sehr gut erneuert, bis ungefähr nach 50km die altbekannte Schlaglochsuchparade anfing und meistens fanden wir sie mit dem einen oder anderen Rad. Danach führte uns das Navi bergauf- bergab und sorgte so für langsames vorankommen und heisslaufende Räder. Hits waren in Rumänen z.B. die Unfallautos die zur Abschreckung am Wegesrand wie Monumente aufgebaut waren, die auf den schnellstraßen plötzlich auftauchenden Zigeunerpferdewagen oder auch ein Kuhherde, die gerade in dem Moment die Strasse überqueren musste, als wir kamen. Typisch!

Pferdewagen am Wegesrand- oder auch mitten auf der Strasse
Eigentlich sollte ich ab 20 Uhr fahren aber Frank wollte dann doch noch die 200km durch Bulgarien wegen der schlechten Strasse selbst beenden. Eigentlich vernünftig; wenn einer sein Auto schrottet sollte er es lieber sein. Ich versuchte etwas vorzuschlafen und obwohl ich die nötige Bettschwere hatte, konnte es nicht einschlafen. Ich weiss nicht ob es an unserer wilden Schlafstellenkonstruktion lag (2Sitze nach vorne bzw. nach hinten geklappt dazwischen zwei Schlafsäcke, die über einem Koffer balancierten) und die fehlende Mitte ersetzten, oder einfach die permanenten Schlaglöcher die mich von links nach rechts schleuderten. Auf jeden Fall habe ich nicht mehr als eine halbe Stunde geschlafen als ich mich gegen 23 Uhr gezwungener Massen wach machte, weil ich dachte, jetzt bin ich gleich dran. Gegen 0 Uhr überquerten wir dann auch die Grenze nach Griechenland, ohne Probleme. Frank wollte „noch schnell eine Tankstelle und was zum Essen suchen“. Das dauerte mehr als eine weitere Stunde, endete aber im nichts, da auf 50km keine geöffnete Tankstellen in Griechenland anzutreffen war und noch wenige ein offenes Restaurant.

Gemeinderaum mit DIESEM Ausblick- die Akropolis!
Also tauschten wir um halb ,2 der schlimmsten Zeit zum Fahren. Ich hatte vorher gebetet und wirklich erlebt wie Gott mir Wachheit schenkte. Ich war recht klar und fühlte keine Müdigkeit. Das hielt sich bis gegen 4. Da aber Olaf mein nächstfolgender Fahrer gerade vorher erst eingeschlafen war, wollte ich ihm so einen schnellen wechsel nicht antun und biss noch bis 5 Uhr durch. Dann war es wirklich höchste Zeit, weil ich merkte, dass weder frische Luft noch laute Musik, noch Gebete halfen, meine Augen wollten einfach nicht mehr. Also tauschten wir und Olaf fuhr in den Sonnenaufgang während ich mit Nackenschmerzen sitzenderweise versuchte etwas Schlaf zu bekommen. 2 Stunden mit zahlreicher Unterbrechung waren es vielleicht, bis wir gegen 9 in Athen ankamen und erstmal eine Kaffeepause machten. Wir merkten dass Griechenland ganz schön teuer und beim Benzin sogar noch teurer als in D.land ist- der Liter super fast 2 Euro.

Der Joghurt will verstaut werden
Die nächste Stunde verbrachten wir damit die richtige Strasse zu suchen, ohne Erfolg, bis Frank auf die geniale Idee kam, ein Taxi vorneweg fahren zu lassen, um uns an die richtige Stelle zu führen. Ich fühlte mich total nutzlos, da die beiden anderen durch ihre kyrillisch-Kenntnisse, die den griechischen Buchstaben nahe kamen, wenigstens noch die Orts- und Strassennamen lesen konnten- ich kann nicht mal das. Aber das machte auch nichts, da durch die Unruhen der vergangenen Monate viele Schilder aus purem Frust abgerissen wurden.

Viele fleissige Händer schafften alle Sachen schnell hoch in den 8.Stock
Das erklärte mir jedenfalls der Taxifahrer und gab mir gleichzeitig eine Nachhilfestunde in europäischer Geschichte. Die Griechen sind verständlicher Weise auf uns Deutsche nicht gut zu sprechen, gelten wir doch als Auslöser und Antreiber für ihre drasten Einscheidungen. Es verspricht also eine spannende Zeit für uns in diesem Land zu werden.