Samstag wurden wir um 16 Uhr vom Gemeindepastor abgeholt. Seit ca. 7 Jahren gibt es eine Kinderarbeit von der Muttergemeinde in einem Armenviertel. Daraus hat sich vor knapp zwei Jahren mit mittlerweile 11 Familien oder Paaren eine Tochtergemeinde vor Ort gegründet. Stärkste Arbeit ist dort nun die „Scouts-Arbeit“ also wie bei uns Royal Rangers. Jeden Samstag werden alle Kinder vereint und dann wird kräftig gespielt, gegessen und eine Botschaft unters Volk gebracht, verbunden mit Moral und Werten, auf die die einzelnen Stämme im Wettbewerb gedrillt werden. Wäre das nicht mit Liebe und Zuneigung der Mitarbeiter (also der 11 Paare) verbunden, brächte das alles wohl nix. Aber dadurch lernen die Kinder anderen Umgang miteinander, sich gegenseitig schätzen und respektieren. sonst halten sie sich nur auf der Strasse auf, haben Eltern denen es egal ist wo sie sind, kommen aus Missbrauchssituationen und haben im Durchschnitt 9-11 Geschwister.
Wir hatten das Glück dass just dieses Wochenende ein Sonderprogramm auf dem Plan stand. Einmal im Monat gibt’s das besondere Wochenende wo der halbe Samstag, die Nacht und der Sonntagmorgen zusammen verbracht wird und die Kids in der lokalen Schule schlafen, bzw. eher die Nacht verbringen.
Wir kamen dazu als langsam alle kamen und hatten keine Ahnung von nichts. Das unterschied uns nicht wirklich von den leitern, denn auch die wirkten irgendwie unorganisiert aber das stört keinen. Unsere Aufgabe war erstmal nur: Beobachten. In Altergruppen aufgeteilt fingen sie bei Bombenwetter draussen an zu spielen. Die Jungs Fussball, die Mädels sowas wie Abwerfball. Die kleinsten eine Mischung aus beidem. Eine Gruppe von ihnen war immer mit etwas beschäftigt was mich stark an „Schulgarten“-Unterricht zu DDR-Zeiten erinnerte.
Am Rande des Spielfelds gabs ein kleines Gärtchen mit zu beackerndem Boden. Den versuchten sie (so gut dass ein 7 jähriger kann)umzugraben, zu jäten und dann auszusäen. Warum sie Rasen aussäten weiss ich nicht, aber es ist ein Anfang. Alle halbe Stunde rotierten die Gruppen. Nun waren die Fussballer dran, am Ende die Mädels. Gegen 19 Uhr gabs eine „Brotzeit“ – Weissbrot mit „Dulce de Leche“ (Karamelcreme)- der Standard hier. Dann musste die Zeit überrbrückt werden bis eine Theatergruppe um halb 9 kommen sollte (die dann um halb 10 da waren). Also wurde weiter gespielt und merkte meine sprachlichen Barrieren. Abgesehen dass mir sämtliche Schulgartenterminologien fehlten, verstand ich auch den nuschel-Akzent der Kinder nicht und kam mir ziemlich dämlich vor. So war es ein sehr langsame Annäherung, aber wir haben ja das ganze Jahr.
Die 50 Kids in der Halle auf einen (Spiel-) nenner zu bringen gleicht dem Versuch einer Flohbändigung, das Dezibel-Level übersteigt die eines startenden Jumbos bei weitem. Irgendwann waren sie dann aufgereiht und um sich in ein paar Gruppenspielen zu messen. Ich verstand meist den Sinn der Spiele nicht- zB zwei banden ihre Schnürsenkel zusammen, umrundeten eine Stuhl und wenn sie langsamer als die gegenmannschaft waren, mussten zwei weitere ihre Schnürsenkel mit den ersten zweien verknüpfen. Dabei kommt man Bewegungstechnisch (und schrei-technisch) bald an seine Grenzen und so war dieses Spiel auch bald beendet.
Die Theatergruppe, die mich sehr an Kings-Kids für Teens erinnerte, zeigten ein paar tolle Tänze und 2 Theaterstücke. Am Ende hielt der Leiter eine Kurzpredigt und rief am Ende zur Lebensübergabe auf. Trotzdem er in seiner ganzen Art sehr strikt und streng war und jegliche Störungen sofort unterband kamen nach und nach ein paar Kinder nach vorne. Die „Kings Kids“.-Gruppe die selber kaum älter waren (zwischen 11 und 20) beteten dann für jeden einzelnen und im Anschluss gingen sie auch zum Rest der Kinder im Publikum, redeten mit ihnen und beteten für sie. Ich fands erstaunlich wie stark Gott einige Kinder berührte. Viele weinten, genossen die Umarmungen und verstanden sehr wohl, dass Jesus sie persönlich meint und wollten eine Beziehung mit ihm beginnen. Das sind wohlbemerkt alles Kinder, die keinerlei religösen Background haben und die meisten hier zum ersten Mal irgendetwas von Gottes Liebe hören und erleben.
Zur Freude alle gabs danach Hotdogs gegen 22.30 Uhr. Nun konnten auch wir endlich mit Hand anlegen und schmierten, Füllten und verteilten unzählige Hotdogs.
Ich schwächelte schon den ganzen Abend. Die Kinderaktivität und die Lautstärke gaben mir den Rest so dass ich gegen 11 Uhr dachte, nun können die lieben kleinen eigentlich auch ins Bett bzw. auf die Decke auf dem Fussboden fallen. Weit gefehlt. Sie kommen ja nicht her um zu schlafen, sondern um gemeinsam zu „übernachten“. Also wird jetzt erstmal ein Film geschaut. Für die Kleinen gabs Ice Age 3, für die großen (also ab 11:) Fast & Furious. Das machte mich nun wieder sehr furios denn meine Matraze rief. Als die Filme endlich gegen Mitternacht anfingen, verabschiedete ich mich. Doch die lieben kleinen wollten lieber rein und rausrennen aus dem Zimmer. Aber wie soll man dem einhalt gebieten wenn man „jetzt reichts aber, entscheidet euch, rein oder raus und wenn ihr drinne bleibt dann haltet die Klappe, sonst gibt’s …“ nicht auf Spanisch sagen kann??
Gott aber sei dank für Ohropax! Irgendwann verstanden auch die Mädchen dass dies ein Jungszimmer sei und sie schminkten sich weiter (laut Julia- meinem Teammitglied), die ganze nacht durch in ihrem Zimmer. Die anderen lieben Kleinen kamen dann irgendwann nach unzähligem Türgeknalle, Gang-Geschreie und über-meinen-Schlafsack-gestolpere, zur Ruhe.
Gegen 8 am Sonntagmorgen versuchten wir zu erwachen. Das klappte leidlich. Da man sich keine wirklichen Schlafsachen oder sonstige körperliche Reinigungsmittel mithatte, fiel auch das morgendliche Waschen auf trockenen Boden. Stattdessen gings raus zum Ballspielen, während wir das „Frühstückchen“, Weissbrot mit Dulce de Leche und gekochtem übersüßten Mate-Tee vorbereiteten und schonmal anfingen alles sauber zu machen. So war der ganze Vormittag eine Mischung aus Spielen, Essen, sauber-schmutzig-sauber machen und schließlich gegen 11 sich verabschieden. Leider war keiner der Scout-Stämme diszipliniert genug um eine Kino-Eintrittskarte zu gewinnen. Das fand ich konsquent, denn sie waren es wirklich nicht. Wir konnten uns nur noch mühsam an der Wand aufrecht halten und freuten uns zu hören, dass wir nun nach hause gebracht würden, wo wir uns den Nachmittag ausruhen könnten.
Hier könnte die Geschichte eigentlich ein gutes Ende finden, wenn nicht abends noch ein besonderer Nach-Ostern-Fest Gottesdienst angesetzt wäre. Die Gemeinde hat von irgendwo ein Lamm herbekommen was heute gebraten werden soll. Und so wird mit den Leuten, aus dem Viertel die Geschichte vom Osterlamm, ganz praktisch vorgeführt. Wir fangen aber erst nach 20 Uhr an, so werden wir also wieder zu nachtwandelnder Zeit ankommen. Morgen beginnt eine neue Studienwoche…







Kinderarbeit ist toll, oder?
Liebe Grüße und viel Segen!
Comment by Heike — April 11, 2010 @ 7:23 PM