Es war der letzte Tag und die letzte Möglichkeit um die Christusstatue zu sehen. Der Himmel war immer noch bewölkt, aber die Sonne brach dann und wann durch. Ich war diesmal auf mich allein gestellt, fand aber zufällig den richtigen Bus, so war ich eine Stunde später am Fusse des Berges.
Die Ticketschlange war lang aber es ging relativ schnell. Erst danach erfuhr ich dass meine Wartezeit 2 Stunden beträgt und zwar für die Fahrt mit der Seilbahn die mich auf die Spitze brachte. Also vertrat ich mir etwas die Beine, entdeckte noch einen schmucken Altbau in einem Hinterhof und setzte mich in eine von aussen riesig erscheinende Kirche
Sylvester an der Copacabana in Rio de Janeiro
1 Woche Rio de Janeiro in 2 Minuten
Nach den 2 Stunden ging es endlich mit der Bahn hoch, man hatte teilweise Blick über die Stadt, aber meistens war alles mit Urwald verhangen. Doch als wir oben ankamen, zahlte sich die Wartezeit echt aus. Die Christusstatue war so gross, dass die meisten obwohl aus einiger Entfernung nur auf dem Rücken liegend ihn ganz auf ihr Foto bekamen.
Je nach Himmelsrichtung der Stadt hatte man verschiedene Aussichtsplattformen, die über und über mit Menschen angefüllt waren. Und alle wollten ein Foto von sich mit ausgstreckten Armen vor dem ausgestreckten Christus, was den ganzen Verkehrsfluss erheblich verlangsamte. Gott sei Dank hingen zwar ein paar Wolken über uns aber wir hatten freie Sicht auf die unendlich erscheinende Stadt und ich konnte endlich mir ein Bild machen, wo ich war an der Copacabana und wie sich das ins ganze Stadtbild eingliederte.

Blick auf Zuckerhut und Copacabana rechts
Nach ner Stunde war dann aber auch alles gesehen und etliche Touri-Stände abgegrast und es ging diesmal schneller wieder runter. Dort kam auch gleich mein Bus und ich war ½ Stunde später zu Hause. So hatte ich noch genug Zeit um zum Strand zu gehen. Der dunkelblaue wolkenverhangene Himmel riss sogar für 10 Minuten auf und strahlte die großen Wellen herrlich an. Ich liess mich von ihnen noch ein paar mal überrollen und auf den Meeresboden pressen, bevor ich wieder ins Hostel zurückkehrte um die Sachen zu packen, denn Gabi wollte um 18 Uhr kommen um mich abzuholen, zu einem GD in einer „Surfer-Church“ „Bola de nieve“ direkt am Strand. Sie kam um kurz vor acht und ich konnte so noch in Ruhe Abendbrot essen am Hosteleigenen Buffet.
Als wir am Stand von Praya Tijuca ankamen war der GD auch schon halb vorbei, was ok war, denn trotz Klimaanlage, die in jeder Kirche standard ist, war es mörderisch schwül. Den predigenden Pastor verstand ich besser als den letzten, wohl auch weil er aus einer anderen Stadt kam, denn die Cariocas, die Einwohner Rio´s, sind dafür bekannt viel zu zischen und „dsch“ zu benutzen so dass ihr portugiesisch noch weicher und verwaschener wird.
Beeindruckend fand ich dass der Altersdurchschnitt zwischen 20-30 Jahren lag und in der Mehrheit junge Männer die Reihen füllten, was ja eher kirchuntypisch ist. Aber wenn statt Predigerpult ein Surfbrett herhalten muss und anstatt sakralen Bemalungen Meereswelten und Surfwellen auf den Wänden erscheinen, zieht das schon eine sehr bestimmte Klientel an.
Danach gingen Gabi und ich noch am beleuchteten Strand spazieren und genossen die echten Riesenwellen.
Wir sprachen noch über brasilianisch- argentinische Unterschiede. ZB dass mir die Brasilianer viel natürlich selbstbewusster vorkommen weil sie sich nicht ständig beweisen oder vergleichen müssen wie ich es oft in Argentinien erlebt habe. Auch sah ich viele mit Argentinienshirt, was umgekehrt ich fast nie sah, weil es ja „der Fussballfeind“ ist. Auch hörte ich in Brasilien kaum mal einen über USA oder EU sprechen, was in Argentinien oder Chile sehr schnell thematisiert und auch verglichen wird. Sie scheinen sich dort selbst zu genügen auf gute Art und Weise. Auch sind die ersten Fragen hier nicht: Name-Freundin-Vorfahren? Sondern eher andere Fragen, wie bei uns.
Aber sie sind auch reservierter, z.B. die Begrüßung findet auf gut deutsche Weise statt-per trockenem Handschlag, nicht herzliche Umarmung wie in Arg. Aber die Cariocas, sind sehr entspannt, egal ob bei der Arbeit, am Strand oder Strassenverkehr, man sieht kaum mal jemanden rennen. Vor einigen Jahren waren alle zwar noch auf dem Fahrrad unterwegs aber auch diese Rolle hat hier das Auto übernommen. Gabi meinte, alle die am wenigsten arbeiten wollen, wohnen hier. Ich kann es ihnen nicht verdenken.
Ausserdem gibt es hier die größte Favela ganz Südamerikas mit 2 Mio Einwohnern. Gabi erzählte, dass viele durchaus eine gute Arbeit und genügend Geld hätten um auch woanders in beisseren Lagen in Rio zu wohnen, aber die meisten bauen dann in der Favela an oder aus. Einige Häuser seien richtig hübsch.





