
ne Menge Theater gemacht...
Samstag gabs nur Arbeit. Um 10 Uhr morgens mit Lucas zum Üben der GD-Lieder und Planung des GDs, weil der Pastor nicht da war und wir uns um die Leitung kümmern sollten. Danach gings ans Mittagessen machen, 2 Stunden lang. Ein Mittagsschlaf wäre schön gewesen, ging aber nicht weil ich um halb 6 schon mit der Theaterprobe mit den Jugendlichen anfangen wollte. Die Reisedauer beträgt ca. 2 Std. (für einen Autoweg von 15 Minuten:). Also wie immer auf unseren Sandweg zur Hauptstrasse. Als ich dort ankam, hätte ich dank der vorbeifahrenden Autos schon wieder duschen können. An der Bushaltestelle fuhren erstmal drei meiner Busse vorbei (sie luden nur Leute ab nahmen aber keine auf), bis endlich mal einer hielt.
In der Stadt machte ich schnellstens meine Einkäufe und eilte zum Terminal, wo bald auch mein Bus abfuhr der mich zum Praktikumsort dem Viertel „Malvinas“, ausserhalb Cordobas brachte, ca.3/4 Stunde vom Zentrum. Kam saupünktlich an und stiess auf 4 Jugendliche (es sollten 8 sein), von denen sich zwei auch gleich wieder verabschiedeten, um „kurz“ nach Hause zu gehen um zu duschen.

eine einladende Kirche
So war ich gleich von Anfang an frustriert, denn wir hatten einen engen Zeitplan: 1. Theaterprobe, 2. Gemeinsames Essen, 3. Jugendabend, 4. Bandprobe. Und das alles sollte vor 22 Uhr geschafft sein. Wie naiv von mir.
So überlegte ich die ganze Zeit, wie ich mit den paar Leuten (zuerst mal zwei Mädchen) die Zeit sinnvoll nutzen könnte. So fingen wir an, das Stück zu proben- zu dritt. Nach einer Stunde kamen dann die Frischgeduschten. So übte ich mit ihnen weiter. Als das geschafft war, zog ich die Bandprobe vor und übte zumindest ansatzweise ein paar Stücke mit ihnen, denn, die beiden Brüder die heute dran waren mit Thema vorbereiten, verspäteten sich nicht nur, sie schienen gar nicht mehr zu kommen. Das brachte uns in die Breduille „Was tun wir wenn sie nicht kommen“?

Der späte Abend bringt die guten Gäste
In dem ganzen Chaos schenkte mir Gott aber ein paar gute Gespräch mit den beiden Teenieschwestern und einem Jugendlichen, der sich gerade durch eine Glaubenskrise kämpft. Und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass Gottes Schwerpunkt für unsere Zeit dort genau das ist: Einzelgespräche mitten im Warten, Mate trinken und Theaterstück üben. Ich merke wie ich immernoch eine viel zu eingeschränkte oder vorgefertigte Erwartung von dem habe, in welchem Rahmen Gott arbeiten sollte (in der Veranstaltung oder in einem Workshop- möglichst von mir kontrolliert). Anscheinend will Gott da grad etwas in mir verändern.
Eine Mutti der Gemeinde hatte ein Einsehen und machte uns Pizza und Sandwiches, so kam schon mal eine gute Atmosphäre auf und so langsam füllte sich auch der Raum und unsere Mägen, bis endlich um 21.30 unsere beiden Hauptredner kamen. „Ihr Auto war kaputt und das mussten sie erst noch reparieren“. Wärs nach mir gegangen wären wir nach dem Essen nach Hause- ohne Thema, denn der ganze Tag war schon aufreibend genug, nach dem Motto „wer zu spät kommt darf auch kein Thema mehr halten“. Aber zum Glück arbeiten wir ja im Team und so meinte Lucas, dass sie es ja kurz machen und wir das Thema damit abschliessen könnten (und nicht noch eine Woche unserer begrenzten Zeit hier verlieren- letzte Woche fiel wegen Regen aus). So begann der Jugendabend offiziell um 22.30. Die Jungs hatten sich gut vorbereitet und erklärten ihr Thema „Versuchung“ gut, aber man merkte, wie sie selbst sehr kirchlich geprägt sind. Gute Recherche, aber kaum praktische Anwendung. Hauptsache alle „haben verstanden worum es geht.“ So bohrten Lucas und ich noch etwas nach, um das Thema etwas greifbarer für sie zu machen.

mit Ringen unter den Augen, aber singen
Auch die Mädels die eigentlich dringend um 21 Uhr schon haetten gehen muessen waren irgendwie um Mitternacht immer noch da, obwohl doch ein dringender Familienbesuch anstand… Also auch hier wird alles nicht so heiss gegessen wies gekocht wird. Gegen 23.30 schlossen wir dann den Abend und gegen Mitternacht waren dann auch alle verschwunden. Wir verschoben die Bandprobe auf náchsten Morgen 8.45 und fielen ins Bett. Immerhin wurde es nicht wieder 2 Uhr wie die letzten Wochenenden.
Im Nachhinein wurde mir bewusst dass ich fast „kulturunsensibel“ verhalten hätte. Ich hätte am liebsten die Jungs ob ihrer Säumigkeit vor allen zur Rechenschaft gezogen, mit dem erhobenen Zeigefinger: „dass mir das nicht noch einmal vorkommt“. Und obwohl die meisten dt. Abstammung sind, ist Argentinien doch eher von Schamkultur geprägt, dass heisst man tut alles, damit der Gegenüber nicht sein Gesicht verliert, man spricht indirekt auf Probleme an, oder drückt es allgemein aus. So machte ich ausnahmsweise vom Gebot der Nächstenliebe gebrauch und sprach nur am Ende unter 4 Augen kurz mit ihnen, aber stark ermutigend.