September 26, 2011

Superwochenende mit “Hoher Gnade”

JuanPI- mein Zimmernachbar und ich kurz vor dem heftigen Sandsturm

Nachdem wir 3 Geburtstage in dieser Woche, den Freitagabend mit Sturm, heftigem Unwetter, Stromausfall und Kochen ohne Licht durchgestanden hatten, gings Samstag diesmal nicht in unseren neuen Praktikumsort „Malvinas“ sondern nach „Alta Gracia“ („Hohe Gnade“- was vielversprechend klingt) zu einem gemeinsamen Jugendgottesdienst. ABER wir sind in Argentinien und das bedeutet dass alles ganz schnell anders werden kann: So fanden wir statt Jugendgottesdienst eine Freiluftveranstaltung vor mit ganz vielen Kindern.

Bei EMPI kochen- ganzer Körpereinsatz

Wir wurden zwei Stunden vorher vom Pastor gebeten eine kurze Botschaft vorzubereiten und bei der Musik mitzuhelfen. TATSÄCHLICH war niemand anders da um Musik zu machen, weil die Jugendband grad keine Lust hatte.So versuchte ich in windeseile herauszufinden welche Songs die Kinder kennen (und ich auch) und jemanden zu finden der zumindest gesanglich mir mithilft. Das ging dann auch irgendwie, auch wenn ich feststellte, dass die Kids in Wirklichkeit GAR KEINE Lieder kannten und die Teens auch nicht wirklich motiviert waren, im aufkommenden Sandsturm Gott zu preisen. Auch eine anschliessende Clownsanimation (die natuerlich auch improvisiert war) konnte daran nicht viel ändern. Statt gemeinsam zu tanzen wurde immerhin geschubbst.

3 Geburtstage diese Woche- hier unsere jüngste EMPIAnerin-12 Jahre

Schoen war, dass wir mit dem dortigen Leiter ins Gepräch kamen, der verantwortlich für Kinder, Jugend und Teens ist und erst seit zwei Jahren bekehrt, aber ein grosses Herz um Menschen fuer Jesus zu erreichen und dazu noch sichtbar demütig. Danach wurden wir zum Abendessen eingeladen. Der Pastor meinte „haut euch den Wanst voll, denn in Malvinas gibts nichts mehr“. Da standen wir also nun in einem leeren Haus vor einer Pizza und Sandwiches die eine Familie zubereitet haben, die selber nicht viel zu essen zu haben schien. Und dann sollen wir uns auch noch vollschlagen. Eine merkwürdige Situation. Hinzu kam noch unsere hungrige Teeniegruppe und so wurde es mit dem vollschlagen eh nichts.

Jugend spielt für Jugend

Wunder werden wahr
Aber wir erlebten auch ein kleines Wunder. Einer unserer Teens hatte auf dem Busterminal seinen Rucksack vergessen. Er war ziemlich verzweifelt und so betete ich mit ihm auf dem Weg (ehrlich gesagt ohne viel Glauben). Zwei Stunden später rief seine Mutter an, dass sie auf dem Terminal angerufen hatte und dass der Rucksack gefunden und sicher gestellt wurde und das sie ihn abholen könnte. Die Freude des Jungen kann man sich ausmalen.

Jugendgottesdienst spezial
Nach dem Abendessen gabs dann das eigentliche Jugendtreffen, zusammen mit den Jugendlichen des Ortes. Es waren soviel wie wir- 8 und sie spielten alle in der Band mit. Was ein interessantes Verhältnis zwischen Bandmitgliedern und Zuschauern brachte. Ungefähr 1:1. Facundo stellte Lucas und mich vor und wir erzählten kurz was uns zu EMPI brachte, dann hielt Facu eine kurze Andacht.
Gegen 22 Uhr wollten wir eigentlich Richtung Heimat (also Malvinas in diesem Moment), aber die Teens wollten noch die Stadt unsicher machen. Ich liess mich breitschlagen und musste mir immer wieder sagen „wir sind nicht in Deutschland und die Eltern haben kein Problem wenn ihr 15 jähriger Nachwuchs um 2 Uhr morgens nach Hause kommt“. Dennoch protestierte ich anfangs und wurde dann schonunglos überstimmt. Das Zentrum sei auch nur 25 Blöcke entfernt (etwa eine Stunde Fussweg- was ist das schon unter Freunden). Und tatsächlich hat es sich gelohnt, denn auf dem Weg ergaben sich einige gute Gespräche mit verschiedenen Teens, die wir unter normalen Umständen wohl nicht gehabt hätten, die aber nötig waren, damit wir sie auch ein bisschen ausserhalb der Gemeinde kennenlernen (denn wir haben ja nur 2 Monate oder 8 Wochenenden um ihnen IRGENDWAS Gutes mit auf den Weg zu geben). Manchmal entmutigt mich diese kurze Zeitspanne ein wenig…

Endlich im Zentrum angekommen, die ganze Jugendgruppe

Gegen halb 12 waren wir dann auch endlich im Zentrum und gegen 1.30 zurück in Malvinas, wo in einer Art Abstellraum schon unsere dünnen Matrazen und zu dünnen Decken auf uns warteten (gerade zur richtigen Zeit ist das Termometer in den letzten zwei Tagen von 30 auf 10 Grad gefallen.)

Der Morgen danach
Vorbildlich wie ich bin, wachte ich 2 Minuten VOR dem Wecker auf (wohl wegen Frosterscheinungen, um halb 9. Der Tag begann mit dem schon üblichen Sonntags-Fasten (uns wurden um halb zehn ein paar süsse Stückchen gebracht allerdings war ich da schon in der Bandprobe und den hatte Mund grad nicht frei). Die Gemeinde ist eher traditionell und daher spielten wir alte Hymnen und Chöre (dich ich vorher noch nie gehört habe) aber auch einige modernere Lieder. Leider fiel spontan unsere Hauptstimme aus weil sie Halskratzen hat. Tragisch. So quälte ich mich zusammen mit meinem 15 jährigen Companion-Keyboardspieler durch die Lieder (er war tapfer und hielt durch).

Missionsgerechtes Schlafdomizil- dünne Matrazen auf zugigem Betonboden

Gut war auch, dass uns der Pastor nach hause, diesmal EMPI, brachte. Endlich hatten wir (eher ich) mal Zeit ein paar eindringliche und grundsätzliche Fragen zu stellen zur Gemeinde, Jugend, Band und all dem was vorhanden sein sollte aber nicht da ist (z.B. Leiter). Er antwortete auch tapfer mit viel Ernüchterung was mich wiederum auf den Boden der Tatsache zurückholte. Wie können wir in 2 Monaten die Jugendlichen darauf vorbereiten dass sie sich in zukunft selbst anleiten, ein Theaterstück mit ihnen für die gemeinde vorbereiten und dem Pastor dabei helfen aus dem nichts eine Leitergruppe zu formen???

September 21, 2011

Sich definierende Pläne für nächstes Jahr

Filed under: Argentinien,EMPI,Praktikum — Marco @ 12:34 PM

In der letzten Woche riefen mich ganz spontan Marcelo in sein Büro und unterbreiteten mir den Vorschlag für EMPI als Promoter zu arbeiten, nach und nach mit einem Team, Jugendkongresse und Konferenzen zu bereisen und das Thema Mission und EMPI in aller Munde zu verbreiten. Auch Gemeindebesuche und Jugendgruppe stünden auf dem Besuchsprogramm sowie Predigten und Präsentationen zu halten. Natürlich gibts keine Bezahlung, sondern wie jeder bei EMPI Arbeitende, sucht man sich seinen Unterstützerkreis und vielleicht irgendwann, aufgrund der vielen Gemeindekontakte die ich aufgestellt habe, kann hier oder da vielleicht etwas Geld zu meinen Reiseausgaben dazu kommen.Ich liess mir eine Woche Zeit zum durchdenken und merkte schnell, dass dies nichts mit dem zu tun hat, was ich eigentlich in Argentinien vor habe. Also lehnte dankend ab. Ich glaube es ist wichtiger das grosse Bild nicht aus den Augen zu verlieren, nur weil eine tolle Gelegenheit erscheint. Wahrscheinlich werden wir aber an ein paar WE EMPI in verschiedenen Gemeinden hier in Cordoba präsentieren, noch in diesem Jahr. Und da bin ich dabei.

Stattdessen werde ich 2012 vorraussichtlich bei der Europäischen Missionsgemeinschaft in Penkun (M/V) mitarbeiten. Das freut mich sehr, da ich mit den Menschen dieser Gemeinschaft schon seit Jahren einen sehr freundschaftlichen Kontakt habe und dieser sich in den letzten Jahren vertieft hat. Vielleicht kann ich dort aufgrund ihrer internationalen Kontakte mit meinem Spanisch auch etwas dienlich sein.

Auch fing am letzten WE unser neues Praktikum an- diesmal in einer deutschstämmigen eher konservativen Gemeinde. Die Jugendgruppe wurde mir als eher “gelangweilt” beschrieben. Um so erfreulicher war es zu erleben, dass wir mit einem eher ungeplanten Programm aus Liedern und sich daraus ergebendem Gespräch doch zu ihnen durchdringen konnten und es am Ende doch ein toller Abend gemeinsam wurde. Die Zeiten sind etwas gewöhungsbedürftig: Wir machten gegen 23.30 Schluss, dann machten wir noch bei der Bandprobe mit und assen dann um 0.30 endlich Abendbrot, so dass wir gegen 2 Uhr ins Bett kamen. Bis heute ist es mir ein Rätsel wie wir rechtzeitig in den frühen Gottesdienst gelangt sind.

September 10, 2011

Eine Woche Mar del Plata-neue Perspektiven

Filed under: Argentinien,marco schnell,Persönliches — Tags: , , , — Marco @ 5:18 AM

Die Lieben Kleinen der Familie

Eine Woche bei der netten Familie Alaguibe in Mar del Plata und ihren beiden kleinen Kindern und es scheint, das Gott hier wirklich eine Gemeinschaft aufbauen will. Nur was kann mein Anteil daran sein?
Wir verstehen uns super, aber sind uns auch klar, dass der Hauptfokus am Anfang kurz und schmerzlos “gemeinsames Leben” ist. Sie merken hier, dass ihr Haus zu einem Anlaufpunkt für Freunde mit verschiedensten Gemeindehintergünden geworden ist, alle mit einer ähnlichen Geschichte: jahrelang haben sie in ihrer Gemeinde mit gearbeitet und alles gegeben, bis sie irgendwann ausgebrannt und desillusioniert waren. Nun sind sie- ausserhalb der Gemeinde- auf der Suche, wie sie ihren Glauben ganzheitlicher Leben können.

Mar del Plata- das Palma de Mallorca von Argentinien

Und so lernte ich im laufe der Tage fast 20 ihrer Freunde kennen, die mal eben auf einen Mate oder ein Schwätzchen vorbei kamen. Da hat sich so manches tiefgründige Gespräch ergeben. Ein Grillnachmittag tat sein übriges.
Nun stellt sich für mich und für sie die Frage, ob und wo mein Platz in dieser Art Weges-Gemeinschaft sein könnte. Es gibt kein kirchenübliches Programm, keine festen Zeiten, sondern einfach Menschen die sich gemeinsam auf einem Weg befinden und sich gegenseitig unterstützen. Gott kann viel daraus machen. Es gibt zB. Anfragen von Kirchennahen Gruppen die das schöne grosse Wohnzimmer im Haus für Workshops und Gespräche nutzen wollen, die sonst in der Gemeinde keinen Raum finden. Das würde zum von der Familie erträumten Charakter des Hauses beitragen, ein Begegnungshaus zu werden.

"Casa del ciruelo"- Pflaumenhaus, heisst so weil es 2 alte Pflaumenbäume im Garten stehen hat

Die Familie mit ihren Freunden sind mir dabei sehr schnell ans Herz gewachsen und ich kann mir gut vorstellen, mitzugehen auf diesem Weg. Allerdings wird es am Anfang immer schwer erklärbar sein für Leute von ausserhalb, die wissen wollen “was wir denn nun eigentlich machen?” Aber manche Spannung muss man erstmal aushalten. Auch das nicht genau wissen, wo es manchmal hingeht.

Freundestisch mit Asado

Im Dezember, wenn EMPI beendet ist, werde ich erstmal für 1-2 Wochen dorthin zurück gehen um ein bisschen mehr von ihrer Realität wahrzunehmen.Darauf freue ich mich schon.
Doch nun bin ich erstmal wieder in Córdoba. Der Studienalltag fängt langsam, aber sicher mit Auswertungsgesprächen und unseren normalen praktischen Aufgaben an.

Hier hilft Feuer, bei trockenem Gras eher nicht

Es ist schon eigenartig, aus dem Winter scheinbar ohne Übergang hier auf den Frühling mit fast 30 Grad am Tag und dann wieder 4 C Nachts zu treffen. Hinzu kommt hier eine Trockenheit, die schon 1000de von Hektar Land in Flammen gesetzt hat. Wir sind dankbar, dass wir hier mittlerweile einen Brunnen haben, aus dem wir Trinkwasser und Bewässerungswasser ziehen können, das macht uns unabhängiger von Wasserrationalisierungen.