
"KIndertag" mit der ganzen Familie- Inselkinder zu Besuch in der La Lucila-Gemeinde
Am Sonntag wurde der Kindertag gross in der La Lucila Gemeinde gefeiert. Besonderer Gast waren unsere Inselkids die dafür extra den weiten Weg auf sich nahmen.
Am vorhergehenden Samsta hatte ich wohl meinen letzten Inseleinsatz und wie immer im Anschluss beim gemeinsamen Abwasch kam ich mit dem Leiterehepaar Galerza auf ein Thema zu sprechen. Diesmal: die praktische Umsetzbarkeit von „Mision Integral“ .(=ganzheitliche Mission- Sie hat das Ziel missionarische Arbeit mit sozialer Verantwortlichkeit zu paaren). Die Idee ist, sich in das Leben der jeweiligen Gemeinschaft (Familie, Dorf, Viertel, Stadt) so zu integrieren, dass sie die Menschen nicht nur theologisch oder geistlich erreichen sondern ganzheitlich. Das ist sehr zu begrüssen, aber es stellt sich die Frage: Bis zu welchem Punkt geht diese Integration? Was ist möglich und was nötig?
Sie sind sehr kritisch ggü. der ganzer Theorie, und nicht weil sie nicht gut wäre, sondern weil viele Theologen sie nie lebten und daher auch die Grenzen ihrer Umsetzbarkeit nicht kennnenlernten, wobei sie mit ihrer Inselarbeit direkt an der Quelle sind.

Jesus ruft:Lasset die Kindlein zu mir kommen! Und sie kamen...
Sie haben z.B. erlebt, dass die Kontextualisierung eines Missionars in sein neues Umfeld nur bis zu einem bestimmten Punkt gehen kann. Die Shannons (meine Gastfamilie hier) haben 12 Jahre lang in einem Armenviertel gewohnt, bis sie von den der Gemeinde „gebeten“ wurden, aus Sicherheitsgründen von dort wegzugehen. Der Grund war: sie wurden ständig ausgeraubt und zwar von den selben Menschen, denen sie halfen, denn diese wussten, dass sie etwas besser lebten als sie und anscheinend war ihnen die Anpassung ihres Mitlebens im selben armen Viertel nicht genug, die Leute davon zu überzeugen, sie seien einer von ihnen. So wurden sie, die immer noch zu reichen, immer wieder zu Überfallzielen und das war irgendwann auch für ihre 4 Kinder unzumutbar. Anscheinend gibt es Grenzen der Anpassung?

"Pancho" wollte doch mal so gerne während des Gottesdienstes Klavier spielen
Die Galerzas haben dagegen auf der Insel haben nach 8 Jahren kontinuierlicher Arbeit, Beziehungsbau und vor einigen Jahren sogar dortigem Zweithausbau (bei dem die halbe Insel half) ein gutes Vertrauensverhältnis erreicht. Die Kinder und ihre Eltern haben Vertrauen zu ihnen, sie rufen sie sogar an, wenn sie nicht auf der Insel sind und bitten sie um Rat oder Hilfe, aber es geht nur bis zu einem gewissen Punkt. Die Galerzas würden sich selber nie als Insulaner bezeichnen und würden so auch nie von den Insulanern betituliert werden. Warum? Weil sie im Gegensatz zu den wahren Insulanern jederzeit die Insel verlassen können, wenn es regnet, Überschwemmungen gibt oder zu kalt ist. Sie selber nicht. Sie sind darauf gefangen. Selbst wenn dei Galerzas ihr Haus auf dem Festland verkaufen würden, würde das auch nicht als Opfer genügen um endlich GANZ von den Insulanern als einer der ihrigen anerkannt zu werden.

Abendmahl für Klein und Gross
Aber genau das versucht die Mision integral zu vermitteln: Man muss mit den Menschen auf ihrem Niveau in ihrem Umfeld leben, sich ganz mit ihnen identifizieren um Teil von ihnen zu sein. Doch das funktioniert nicht. Ein Grund ist der Obige. Ein weiterer ist der persönliche Standard. Die Galerzas brachten z.B. von Anfang an ihr eigenes Trinkwasser mit, denn das Flusswasser das die Insulaner zum trinken, baden und Kochen verwenden (und was schon 4000 km Weg aus Parana hinter sich gebracht hat und in entsprechender Kondition ist) würde sie krank machen, sie würden nicht mehr ihrer Arbeit und der Arbeit auf der Insel nachgehen können. Und wofür? Bloss um zu zeigen, dass „sie nicht besser leben wollen als die armen Armen,um sich mit ihnen zu identfizieren?“ Das ist wohl eine sehr naive und kurzfristige Denkweise.
Das Ziel kann also nicht sein, auf das Niveau der „Armen“ hinabzusteigen, (dafür sehe ich auch keinen Verweis im Leben Jesu), sondern den „Armen“ auf ein höheres Lebensniveau herauf zu helfen mit Hilfe von allem was dafür möglich ist: Schulungen, Training, Familienhilfe, Gesundheitscheck und Medikamentverschaffung, viel Lebensnahe Vermittlung von Werten und Standarten so zB auch beim Essen und natürlich ihnen Jesus näher zu bringen durch Tat UND Wort (letzteres fällt bei der Mision intergral manchmal etwas unter den Tisch). Durch die samstägliche Mittagausgabe, haben die Eltern über die Jahre gelernt, dass den Kindern eine Kost aus Weissbrot und Nudeln nicht gut tut und dass es nötig ist, Chlor ins Wasser zu schütten, damit sie nicht dauern krank werden (so sie die finanziellen Mittel dazu haben). Aber auch Persönlichkeitsentwicklung ist da mit eingeschlossen, den Wert von persönlichem Eigentum zu verstehen zum Beispiel, denn die Kinder kennen das nicht. Was sie zum Spielen haben, gehört auch den Geschwistern. Was sich nach einer tollen sozialistischen Gesellschaftform anhört führt aber dazu, dass sie pers. Eigentum weder schützen noch würdigen lernen, denn natürlich nutzen sie sofort die Gelegenheit und liessen die Spielzeuge der Gemeinde am Anfang mitgehen, wenn sich die Möglichkeit bietet und vorausgesetzt sie kommen ungeschoren davon.
Und so war einer der ersten Schritte jedem einzelnen sein Plasitkgeschirr bereitzuhalten, der in seiner Tüte in der Gemeinde auf ihn wartet. Oder auch, dass sie Spielzeug, womit sie in der Gemeinde spielen eben nicht heimlich mit nach Hause nehmen, denn sonst hat beim nächsten Mal ihr Geschwisterchen oder Freund nichts zum Spielen. Also gleichzeitig auf gute Weise teilen zu lernen, aber auch Abgrenzung zu zeigen: „das ist dein Geschirr, das nimmt kein anderer“- dadurch wird dem Einzelnen Wertschätzung und Würde verliehen.
Eigentlich geht die Vision des Pastorenehepaars aber noch weiter. Gewöhnlich sind die Kinder,bes. die Jungs ab 13 Jahren nicht mehr zu sehen. Sie heuern auf den Besucherfähren an, um zum Familienunterhalt beizutragen (bei 6-10 Kindern pro Familie bitter nötig) und so lassen sie auch die Schule hinter sich. Die Idee ist nun langfristig eine Kombination aus einem Trainingszentrum für praktische Berufe und Bibelschule aufzubauen, was dann das Einzugsgebiet aller umliegenden Inseln haben soll. Das finde ich eine geniale und wirklich integrale Idee, denn es zeigt eine das ganze Leben umfassende Vision, von den Eltern, zu den Kleinkindern und Kindern, zu den Teens, die wiederum schnell Eltern werden.

Und am Ende richtig reinhauen.
Was ich besonders an ihrer Arbeit bewundere aber ist, dass vorgeben, dass diese Arbeit die einzig wahre ist, und das andere Bevölkerungsgruppen, weniger wichtig für eine integrale Missionarbeit wären. Leider gibt es Strömungen der Mision Integral, die sagen, dass alles was nicht Arbeit mit Armen ist, keine Mission ist. Das finde ich sehr kurz gegriffen, denn Jesus ging sowohl zum reichen Zöllner, als auch zur Prosituierten und zur Ehebrecherin am Brunnen.Die Kranken brauchen den Arzt, nicht die Gesunden” (Mat.9,12). Und die finden sich in jeder Bevölkerungsschicht.