Erste Kinderstunde auf einer Tigre Insel
Samstag morgen nahm ich meinen Bus ins Ungewisse und nach ganz viel Busfahrer fragen, ob er auch wirklich sicher ist, dass ich nicht schon hätte aussteigen sollen und beständiger Bestätigung seinerseits, dass nicht, kam ich nach einer halben Stunde am Fährhafen des Tigredeltas an. Ich traf mich mit Daniel, dem Pastor der Lucila-Gemeinde, mit der Kairos verbunden ist, und seiner Familie und es schloss sich noch en Freiwillgenteam einer Jugendgruppe einer andere Gemeinde an. Unsere Mission: eine Kinderstunde halten, Frühstück und Mittag verteilen an Kinder, in sehr sozial schwachen Gebieten in einer der unzähligen Inseln des Deltas.
Der Fluss selber erinnerte mich sehr an den Alten Strom in Warnemünde, selbst die Ausflugdampfer sind ähnlich. Fehlten nur die 1000de Möven.
Ich wunderte mich, warum der Pastor und seine Familie Gummistiefel und alte Trainingshosen trugen. Als wir auf der Insel ankamen, verstand ich. Da sie nur einen halben-1 Meter über Wasserniveau liegt, ist sie, sobald es etwas regnet, zermatscht oder gleich halb überschwemmt. Dabei waren die Wege heute gut begehbar, aber als es ans Fussballspielen mit den Jungs ging, war jede Hoffnung auf saubere Klamotten verloren.
Die vielen Flüsschen die die Insel durchzogen, waren alle braun gefärbt, nicht nur wegen dem aufgewühlten Wasser sondern weil sie dreckig sind. Kaum zu glauben, dass dieses Wasser nicht nur zum Sachen Waschen, sondern auch als Trinkwasser benutzt wird. Wer hat, benutzt Kohletabletten u.a. zum Reinigen, wer nicht, hat Pech, denn es gibt keine Wasserleitungen zur Insel und auch erst seit 4 Jahren Strom.
Die Kinder wussten schon bescheid, da diese Arbeit seit 8 Jahren besteht und kamen während der ersten Stunde nach unserer Ankunft, tröpfchenweise an. Wir hatten am Schluss eine Gruppe von 30 Kids zwischen 1-18 Jahren. Das machte es für das Mädchen, das eine Geschichte erzählen wollte, mit dem Thema Freundschaft verbunden, etwas schwierig auf jede Altersgruppe einzugehen. Ich war froh dass wir ingesamt ca. 8 Helfer waren, denn so konnten einige das Essen vorbereiten, während andere mit den Kindern spielten oder den Raum vorbereiten. Normalweise macht das der Pastor mit seiner Frau solo. Ja ich weiss auch nicht wie sie es schaffen.

Beschmierte Brote und später das Mittag sind für einige Kinder die einzig "nährreiche Nahrung" der Woche
Die Kinder sind schon von Kleinauf ziemlich agressiv in Wort und Tat gegeneinander. Was mich etwas überraschte ist, dass sie auch gegen ihre eigenen Geschwister vorgingen, bis mir am Ende gesagt wurde, das quasi fast alle irgendwie miteinander verwandt sind, denn das Gros der Kids stammen aus 3 Familien mit 6, 8 und 11 Geschwister und einer ärgert ja immer.
Es erstaunte mich, wie schnell die Kleinen, aber auch die Grösseren zutraulich wurden, normalerweise geschieht dass nicht gleich beim ersten Mal, zeigt mir aber wie gross der innere Mangel an Zuwendung ist und wie sehr sie es geniessen wenn sich einer mal nur für sie interessiert (was bei 8 Brüdern ja nicht oft vorkommt).
Ausserdem waren sie für Alter eher kleiner und geistiger weniger weit entwickelt als ihr Altersdurchschnitt. Man merkte das, als einige fast Teenie-Jungs (13,14 Jahre) begeistert anfingen mit Autos zu spielen. Die Pastorenfrau, die auch Pädagogin ist, führt die darauf zurück, dass es in ihrem zu Hause fast keine Spielzeuge gibt, so dass sie bei einigen Spielsachen erst einmal fragten “was macht man denn damit?”
So spielten wir, schrieen (eher sie) und vergnügten uns bis in den späten Nachmittag , so dass ich erschöpft gerade rechtzeitig zum Teeniekreis zurück zu Kairos kam. zum Glück beginnt dieser erst um 19 Uhr beginnt (also effektiv um 20.30) Wir kochen und essen meistens was leckeres zusammen und dann gibt es einen kurzen Input. Dieses Mal war ich nur Beisitzer, denn meinen Einstieg hatte ich am vergangenen WE.So klang der Abend für mich recht entspannt aus.
Und tschüss RIVER
Eine Tragödie nationalen Ausmasses spielte sich gestern nachmittag in Buenos Aires ab. Der gestrige Tag bereitete der Zweitbekanntestes Argentinischen Fussballmannschaft River Plate ein tragisches Gesburtstagsgeschenk. Zum ersten Mal in ihrer fast auf den Tag genauen 100 jährigen Geschichte stiegen sie in die zweite Liga ab. Eigentlich ist mir so was eher egal, aber in Argentinien wo etwa 110% der Männer riesen Fussballfans sind, kann man sich dem nicht entziehen.
Ich fuhr deswegen in die andere Richtung (weg vom Stadium) ins Stadtviertel Tigre, wo es Sonntags immer einen riesigen Markt gibt. Eigentlich als Früchtemarkt begonnen, gibt es dort heute alles ausser Früchte.Viel handgemachtes, Holzkunstwerke, aber auch Kitsch aller Art und direkt am Wasser. Man sah (nicht so überraschend) nur Pärchen (bei denen sich wohl die Frau gegen River durchgesetzt hat), Familien (hier auch), und einzelne Frauen promenieren.
In den Läden hörte man je nach vereinstechnischer Zuordnung entweder Freudenjubel oder Klageschreie. Ich erlebte noch das 1:0 für River per Schrei aus einem Glaswarenladen live mit und bekam es dann per Mundpropaganda von den Fussgängern übersetzt (die Männer trugen alle kleine Radios mit sich- ihre Form der Rebellion gegen den durchgesetzten Willen ihrer Frauen).
Als es zum Ausgleichstor und damit zum Abstiegsgrund für River kam, war ich schon wieder auf der Heimfahrt.















