June 27, 2011

Kinderstunde auf einer Insel und RIVER geht baden

Filed under: Argentinien,Buenos Aires,Centro Kairós,Praktikum — Marco @ 10:31 PM

Das Schild könnte man auch mit "Alter Strom" übersetzen, oder??

Erste Kinderstunde auf einer Tigre Insel
Samstag morgen nahm ich meinen Bus ins Ungewisse und nach ganz viel Busfahrer fragen, ob er auch wirklich sicher ist, dass ich nicht schon hätte aussteigen sollen und beständiger Bestätigung seinerseits, dass nicht, kam ich nach einer halben Stunde am Fährhafen des Tigredeltas an. Ich traf mich mit Daniel, dem Pastor der Lucila-Gemeinde, mit der Kairos verbunden ist, und seiner Familie und es schloss sich noch en Freiwillgenteam einer Jugendgruppe einer andere Gemeinde an. Unsere Mission: eine Kinderstunde halten, Frühstück und Mittag verteilen an Kinder, in sehr sozial schwachen Gebieten in einer der unzähligen Inseln des Deltas.
Der Fluss selber erinnerte mich sehr an den Alten Strom in Warnemünde, selbst die Ausflugdampfer sind ähnlich. Fehlten nur die 1000de Möven.
Ich wunderte mich, warum der Pastor und seine Familie Gummistiefel und alte Trainingshosen trugen. Als wir auf der Insel ankamen, verstand ich. Da sie nur einen halben-1 Meter über Wasserniveau liegt, ist sie, sobald es etwas regnet, zermatscht oder gleich halb überschwemmt. Dabei waren die Wege heute gut begehbar, aber als es ans Fussballspielen mit den Jungs ging, war jede Hoffnung auf saubere Klamotten verloren.

Haus mit Metallrobotern und Fluss vor der Haustür

Die vielen Flüsschen die die Insel durchzogen, waren alle braun gefärbt, nicht nur wegen dem aufgewühlten Wasser sondern weil sie dreckig sind. Kaum zu glauben, dass dieses Wasser nicht nur zum Sachen Waschen, sondern auch als Trinkwasser benutzt wird. Wer hat, benutzt Kohletabletten u.a. zum Reinigen, wer nicht, hat Pech, denn es gibt keine Wasserleitungen zur Insel und auch erst seit 4 Jahren Strom.

Die Kinder wussten schon bescheid, da diese Arbeit seit 8 Jahren besteht und kamen während der ersten Stunde nach unserer Ankunft, tröpfchenweise an. Wir hatten am Schluss eine Gruppe von 30 Kids zwischen 1-18 Jahren. Das machte es für das Mädchen, das eine Geschichte erzählen wollte, mit dem Thema Freundschaft verbunden, etwas schwierig auf jede Altersgruppe einzugehen. Ich war froh dass wir ingesamt ca. 8 Helfer waren, denn so konnten einige das Essen vorbereiten, während andere mit den Kindern spielten oder den Raum vorbereiten. Normalweise macht das der Pastor mit seiner Frau solo. Ja ich weiss auch nicht wie sie es schaffen.

Beschmierte Brote und später das Mittag sind für einige Kinder die einzig "nährreiche Nahrung" der Woche

Die Kinder sind schon von Kleinauf ziemlich agressiv in Wort und Tat gegeneinander. Was mich etwas überraschte ist, dass sie auch gegen ihre eigenen Geschwister vorgingen, bis mir am Ende gesagt wurde, das quasi fast alle irgendwie miteinander verwandt sind, denn das Gros der Kids stammen aus 3 Familien mit 6, 8 und 11 Geschwister und einer ärgert ja immer.

Wir pflanzen Blumensamen. Jeder in seine eigenen (flaschen-)Blumentopf

Es erstaunte mich, wie schnell die Kleinen, aber auch die Grösseren zutraulich wurden, normalerweise geschieht dass nicht gleich beim ersten Mal, zeigt mir aber wie gross der innere Mangel an Zuwendung ist und wie sehr sie es geniessen wenn sich einer mal nur für sie interessiert (was bei 8 Brüdern ja nicht oft vorkommt).
Ausserdem waren sie für Alter eher kleiner und geistiger weniger weit entwickelt als ihr Altersdurchschnitt. Man merkte das, als einige fast Teenie-Jungs (13,14 Jahre) begeistert anfingen mit Autos zu spielen. Die Pastorenfrau, die auch Pädagogin ist, führt die darauf zurück, dass es in ihrem zu Hause fast keine Spielzeuge gibt, so dass sie bei einigen Spielsachen erst einmal fragten “was macht man denn damit?”

So spielten wir, schrieen (eher sie) und vergnügten uns bis in den späten Nachmittag , so dass ich erschöpft gerade rechtzeitig zum Teeniekreis zurück zu Kairos kam. zum Glück beginnt dieser erst um 19 Uhr beginnt (also effektiv um 20.30)  Wir kochen und essen meistens was leckeres zusammen und dann gibt es einen kurzen Input. Dieses Mal war ich nur Beisitzer, denn meinen Einstieg hatte ich am vergangenen WE.So klang der Abend für mich recht entspannt aus.

Und tschüss RIVER
Eine Tragödie nationalen Ausmasses spielte sich gestern nachmittag in Buenos Aires ab. Der gestrige Tag bereitete der Zweitbekanntestes Argentinischen Fussballmannschaft River Plate ein tragisches Gesburtstagsgeschenk. Zum ersten Mal in ihrer fast auf den Tag genauen 100 jährigen Geschichte stiegen sie in die zweite Liga ab. Eigentlich ist mir so was eher egal, aber in Argentinien wo etwa 110% der Männer riesen Fussballfans sind, kann man sich dem nicht entziehen.

Abschied für Argentiniens Top-Team aus der Ersten Liga

Ich fuhr deswegen in die andere Richtung (weg vom Stadium) ins Stadtviertel Tigre, wo es Sonntags immer einen riesigen Markt gibt. Eigentlich als Früchtemarkt begonnen, gibt es dort heute alles ausser Früchte.Viel handgemachtes, Holzkunstwerke, aber auch Kitsch aller Art und direkt am Wasser. Man sah (nicht so überraschend) nur Pärchen (bei denen sich wohl die Frau gegen River durchgesetzt hat), Familien (hier auch), und einzelne Frauen promenieren.

Eine Gallerie verschiedener Geschäfte. Nur ein kleiner Auschnitt des riesiegen Marktes

In den Läden hörte man je nach vereinstechnischer Zuordnung entweder Freudenjubel oder Klageschreie. Ich erlebte noch das 1:0 für River per Schrei aus einem Glaswarenladen live mit und bekam es dann per Mundpropaganda von den Fussgängern übersetzt (die Männer trugen alle kleine Radios mit sich- ihre Form der Rebellion gegen den durchgesetzten Willen ihrer Frauen).
Als es zum Ausgleichstor und damit zum Abstiegsgrund für River kam, war ich schon wieder auf der Heimfahrt.

June 20, 2011

Erste Woche in Buenos Aires mit Sonntagsspecial

Wochenrückblick

Mein Zuhause zumindest für diese Woche

Dies ist der Praktikumsort an dem ich mich bis jetzt am schnellsten hereingefunden und heimisch gefühlt habe. Es kommt mir vor, als wäre ich schon einen Monat hier oder länger. Vielleicht liegts daran dass ich von allem ein bisschen mache, mir was zugetraut wird und ich selbstständig Dinge anpacken und umsetzen kann, aber trotzdem, wenns nötig bin einen Ansprechpartner habe und nicht “für mich alleine verloren gehe”. Bis Dienstag habe ich mit René Padilla zusammen im obigen Haus gewohnt, bevor er auf Reisen ging.
Meiner neuer Hausgefährte ist Pedro, ein 25 jähriger Student der bei Kairos mitarbeitet und mitwohnt. So hüten wir das Haus gemeinsam.

Kayla (eine Tochter meiner Gastfamilie), Pédro et moi

Von Anfang an finde ich die Atmosphäre sehr ehrlich und offen. Die Menschen die ich kennenlerne zeigen sich so wie sie sind (errinnert etwas an OJC). Das gibt mir einen recht objektiven Einblick in alles was hier gut läuft und dass was schlecht läuft, und das ist ja auch die Idee des Praktikums, damit sich am Schluss herausstellen kann, ob dies ein zukünftiger Platz für mich werden kann oder nicht.

"Müll abladen VERBOTEN!"

Die grösste Herausforderung besteht in der Spontaneität. Es kann sein, dass Abends um 19 Uhr Elisa (meine Leiterin) anruft und dringend etwas erledigt haben muss, so dass Pedro und ich aufspringen und erledigen. Das macht mir Spass, denn hier mal abends wegzukommen ist schwierig, da wir im Speckgürtel von Buenos Aires liegen (eig. war “Pachecho” mal eine eigene Stadt) und somit sind wir weit vom Zentrum entfernt. Aber somit fühle ich mich auch gebraucht, denn manchmal war der Tag nicht so produktiv. (5 Stunden von A nach B gefahren um etwas zu besorgen).

Gottesdienst in der La Lucila-Gemeinde

 

Sonntagsspecial
Gestern im Gottesdienst gab es eine besondere überraschung:
Ich wurde im selbigen vorgestellt und direkt darauf kam eine Frau auf mich zu und sprach mich in perfektem Deutsch an. Sie sagte mir, ich kenne ihre Tochter, denn sie sei zu meiner Zeit bei der OJC gewesen. Ich brauchte erst ein paar Momente bis ich schaltete, dass es in meinem Jahr eine deutschstämmige Argentinierin bei der OJC gab, die einen Schulautausch für 6 Monate machte. Aha. Wie schön. Und zur Feier des Sonntags luden sie mich zum Essen ein, denn heute sei auch Vatertag und die ganze Familie käme zusammen. Und so fand ich mich eine Stunde später vor Klössen mit Schweinefleisch, leckerer Sosse und Salat. Alles in original dt. Hausmacherart. Gott meint es wirklich gut mit mir. Ausserdem war die Familie der Renner. Alle sehr locker drauf, sogar der 89 jährige Opa mit Oma. Da er halb englische und halb deutsche Vorfahren hat, ging die Konversation auch quer Beet- englisch, deutsch, spanisch- alles im selben Satz. Und der Hit: Die Oma kommt ursprünglich aus Stralsund. Und so schwärmten wir gemeinsam vom Darss und von der Insel Rügen und die anderen taten als würden sie uns verstehen :)

Ein Stückchen deutsches Zuhause mitten in Argentinien

War auch interessant, eine Familie dt. Abstammung zu sehen, die in der arg. Kutlur zu Hause ist, sich aber eben doch nicht typisch argentinisch verhält, auch wenn sie viele Anzeichen trägt: laute Gespräche, alle durcheinander, einer lauter als der andere. Aber man merkte auch ihre deutsche Verbundenheit und Identifikation mit Deutschland, wohl auch weil sie einige Jahre dort gelebt haben. Alles in allem war es ein sehr glücklicher Nachmittag und der Beleg, dass Gott manchmal (oder oft) ganz andere Pläne hat als wir (ich hatte eigentlich anderes geplant) und das es gut ist, wenn wir seine Pläne zu Ende bringen. Der Familienvater brachte mich zur Bushalte und ohne grössere Verirrungsprobleme war ich nach einer Stunde in “meinem Hause”.

Gefahr in Plastikfaschen – tapped bottles

Filed under: marco schnell — Tags: , , , , — Marco @ 4:29 AM

Heute mal eine kleine Verbraucherinfo: Aus wievielen Gründen es gesundheistsschädlich ist Plastikflaschenwasser zu trinken und für die Umwelt in den nächsten Jahren auf auf eine Katastrophe hinausläuft (besonders für die Ozeane).

Hier ein Vorschauclip, weiteres auf:
Gefahren durch Plastiklaschen (eng.)

June 11, 2011

Bloed, der letzte zu sein

Filed under: Buenos Aires,marco schnell,Praktikum — Marco @ 9:38 PM

Froehliche Pfingsten wuensche ich allen Bloglesern und jeden Tag eine tiefere Erkenntnis des Heiligen Geistes. Mann koennte hier leicht vergessen dass Pfingsten ist, denn es ist Herbst, kalt und in den Kirchen kein Thema. Schade, aber das aendert nichts daran, dass uns dieses Fest erinnert, dass Jesus uns den Heiligen Geist gesandt hat als Ermutiger, als Zurechtweiser und als Ratgeber. Nutzen wir seinen Rat?

Abschied von Cordoba
Der Tag begann um 8 mit Verabschiedungen der ersten Schueler die sich auf die Reise machten, wurde unterbrochen von weiterer Kuechen- und Haussaeuberung und endete mit weiteren Verabschiedungen.
Von unseren Gemeindefreunden wurden wir zum Busterminal gebracht und dort von einer weiteren Gemeindefamilie willkommen geheissen. Die Familie hat 5 Kinder und 4 im Teeniealter und sie sind uns sehr ans Herz gewachsen. So wurde dies zu meinem letzten Traenenreichen Abschied, bevor ich um 21.30 mit dem Bus aufbrach. Nur 10 Stunden spaeter bin ich in Buenos Aires (BsAs).
Im Bus ergab sich noch ein interessantes Gespraech mit einer Dame aus Cordoba, die gerade ihre Kinder besucht hatte. Wir sprachen ueber den Glauben im allgemeinen und Jesus im besonderen. Sie stellte sich als jemand heraus, die auf der Suche ist und selber auch schon Gott erlebt hat. Das reicht ihr aber anscheindend nicht aus, um ihr Leben voll in seine Haende zu geben. “Ja es wichtig an Gott zu glauben, aber schliesslich trifft jeder die Entscheidungen die er fuer richtig haelt.”Und mir wurde bewusst, wie wichtig Details zu klaeren sind. Mit dem ersten Teilsatz bin ich einverstanden, mit dem zweiten nicht. Wenn Jesus mein Lebenszentrum ist, treffe ich eben nicht Entscheidungen nach meinem eigenen Gutduenken, sondern ich warte im hoerenden Gebet auf Indikationen, habe die Bibel als Grundlage und bin mir bewusst dass der Heilige Geist jederzeit meinen Kurs aendern kann und soll, wenn ich nicht mit Gott auf einer Wellenlaenge liege.

In Buenos Aires, im Haus des Theologen Rene Padilla angekommen, empfing mich eine andere Welt. Sein Thema ist die “Befreiungstheologie”. Soll knapp umrissen heissen: Wie kann uns die Bibel helfen, heute in eine gerechtere Welt zu schaffen und den Armen zu helfen? Sie bewegt Fragen nach der soz. Gerechtigkeit. Auf dieses Thema ausgerichtet hat er eine ganze Bibliothek, auch mit Buechern gefuellt die er selbst geschrieben hat- und diese Bibliothek ist nun mein Zimmer. Wahrscheinlich werde ich mich dort einschliessen, fuer eine Weile :)

June 3, 2011

Letzte Vorbereitungen vor Buenos Aires

Filed under: Argentinien,EMPI,marco schnell,Praktikum — Tags: — Marco @ 2:47 AM

Abschied vom Alten…
Unser letzter Praktikumseinsatz in unserer Wochenendgemeinde hatte ein bisschen von allem: Wir haben unsere erste eigene Kinderstunde gegeben, mit allem was dazu gehört. Danach waren wir wie tot, aber es ging gleich weiter mit dem Teentreff bei dem Ramiro eine Andacht hielt. Weiter gings auf einen Jugendgottesdienst, in einer stocksteifen Jugendgruppe, wie ich sie hier noch nie gesehen hab und das obwohl von Samba bis Jazz bei der Musik alles zum Tanzen einlud.

Ein Herz für Kinder :)

Danach lud uns der Pastorensohn zu sich nach Hause ein, um mit ein paar Freunden den Abend (bzw. Nacht) ausklingen zu lassen. Selten so viel gelacht und endlich mal ein wenig echte “Cordobeser Kultur” kennengelernt. Gegen 4 Uhr morgens fanden wir dann so etwas ähnliches wie ein Schlafgemach vor, denn eigentlich waren alle Matrazen des Hauses in Gebrauch. Der Sohn des Hauses räumte meintetwegen sogar sein Bett (das ist wohl vorher noch nie vorgekommen, meinte seine Mutter). Am Sonntag wurden von demselben noch auf eine Cordobaer Stadtrundfahrt eingeladen (meine erste hier nach 1 1/2 Jahren hier sein). Und am Abend gabs dann eine schöne Verabschiedung von der Gemeinde, ein kleines Geschenk vom Kinderteam und eine tolle Fotokarte von den Teenagern. Das machte es uns nicht gerade leichter uns zu verabschieden :(

Ein letzter Blick auf unsere Wochenendgemeinde bei Lobpreis

…und auf ins Neuel
Nach einigen Gesprächen mit unserem Praktikumsleiter Hugo und mit den Verantwortlichen vom Centro Kairos in Buenos Aires sind wir uns nun endlich einig geworden: Wir fahren trotz aller widrigen Umstände.D.h. obwohl Ramiro keinen Plan hat, wo sein Essensgeld herkommt, ohne dass wir wissen wo wir schlafen noch wo wir kochen (wenns denn Essen gibt:() und was wir so zu tun haben. Alles steht noch offen, bestenfalls in den Sternen. Da ist es tröstlich, dass wenigstens Gott Bescheid weiss und sich um uns kümmern wird.

Nichts für Dünnbrettbohrer

Diese Woche wurden wir noch mal mit dem „Evangelisations-Gen“ geimpft, damit wir auch wissen, was wir zu tun haben, wenn wir unterbeschäftigt sind. Dazu haben wir gleich einen Plan bekommen, wie man mit den frisch Bekehrten eine gut strukturierte und wachsende Gemeinde gründet. Das kann vielleicht wirklich hilfreich sein, denn ich habe gehört, dass unsere Gastgemeinde eher schrumpft als wächst. Das kann spannend werden und ein gutes Lernfeld sein, um von Gott abhängiger zu werden.

Manchmal arbeiten wir eben auch, bis die Dachschindeln fliegen

Habe auch seit langem mal wieder mit Freunden aus der Heimat telefonieren können. Schweres miteinander zu teilen gehört dabei zwar dazu, macht es mir aber schmerzlich bewusst wie WEIT ich weg bin von ihnen :( und wie wenig ich tun kann. Falls ihr das lest fühlt euch ganz doll gedrückt. Auch in meiner Hausgemeinde in Rostock wird immer noch ein Pastor gesucht. Ein neuer Kandidat soll sich die nächsten Tage vorstellen. Ein echtes Gebetsanliegen.