March 27, 2011

“Familiengefuehle”

Filed under: Argentinien,EMPI — Tags: , — Marco @ 8:16 PM

Die erste Kurswoche bei Empi ist nun um und wir stellen uns langsam wieder aufeinander ein. Es sind nun insgesamt 6 Studenten des 1.Jahres und 15 der unsrigen, vielleicht werden es noch ein paar mehr, man kann ja auch mit Verspaetung kommen. Einige haben jetzt schon Heimweh aber da kommen sie schon durch.

Viel Regen und kalt die letzten Tag aber es gibt auch schoenes zu entdecken

Es ist interessant wie viele schon jetzt als “Familie” sprechen. Ich habe gemerkt, dass der Argentinier, sobald er von Zuhause weg ist, in seiner neuen Umgebung sofort nach einer Ersatzfamilie Ausschau haelt, da er es nicht aushaelt alleine zu sein. Und so, obwohl wir uns kaum kennen, sind wir schon eine neue Familie. Unsere aelteste Studentin ist 53 und wurde schon von einigen Frauen als Ersatzmutti bestimmt. So schnell kanns gehen. Innerlich braucht es natuerlich etwas mehr Zeit und Willen zusammen zu wachsen.

voll in Action im Jugendcamp

Ich merke im Gegensatz zum letzten Jahr eine groessere Kapizitaet mich auf die Gemeinschaft einzulassen, weil das Sprachproblem, was mich im letzten Jahr so eingenommen hat, nicht mehr so gravierend ist. Ausserdem merke ich, seit ich keinen Laptop mehr habe, tun sich auch ganz neue Zeitreserven auf- Gott kann halt alles zum Guten verwenden:)

Unser letztes freies Wochenende ist nun auch schon fast aufgebraucht, denn ab naechste Woche gehts wieder ins Wochenendpraktika. Ich weiss noch nicht wohin, nur dass ich nicht mehr in der selben Gemeinde wie verganges Jahr sein werde und auch einen anderen Teamkollegen bekomme, worueber ich dankbar bin. Gestern und heute veranstaltete die Jugendgruppe dieser, meiner Gemeinde noch ein Camp bei uns und so konnte ich alle nochmal wiedersehen und mich quasi von ihnen verabschieden und heute auch bei ihrem Gottesdienst dabei sein.

Das ist das schoene bei EMPI: Wenn du nicht zum Gottesdienst geht, kommt der Gottesdienst auch manchmal zu dir- quasi frei und direkt ins Haus:)

 

March 19, 2011

Im Schlaf ausgeraubt

Filed under: marco schnell — Marco @ 2:55 AM

Versuch einer Rekonstruktion:

Ich kam aus der Stadt gegen gegen 22.00 Uhr zurueck, blieb dann noch in der Kueche kleben mit Lucas und Meli. Lud meine Fruechte aus, liess meinen Rucksack im Zimmer liegen, noch mit neuem Mate-Gefaess, Thermoskanne, Geld, Handy und halbem Einkauf und ging in die Aula wo noch weitere Gespraeche bis tief in die Nacht folgten.

Gegen 1 ging ich ins Bett ohne Licht und ohne nach meinen Sachen zu schauen. Am naechsten Morgen merkte ich im Halbschlaf, dass mein Rucksack nicht da war, aber dachte, dass er irgendwo wohl sein wird. Wir assen Fruehstueck dann gings zu einem Auswertungsgespraech, dann zu weiteren Gespraechen, was meine Praktikumserlebnisse waren.

So wurde mir erst gegen Mittag bewusst, dass mein Laptop nicht mehr ueber meinem Doppelstockbett lag. Mir wurde schlecht, denn ich wusste, dass ich ihn nirgendwo anders gelassen hatte. Trotzdem suchten wir ueberall und mir wurde bewusst, dass auch mein Rucksack samt Inhalt nicht aufzufinden war. Alles war keine ueberraschung, denn unsere Zimmertuer laesst sich nicht mal schliessen und die Eingangstuer schlossen wir nie mit dem Schluessel ab. Ich konnte es nicht glauben und dachte immer noch jemand hat sich einen Scherz erlaubt. Beim Mittag befragte ich nochmal alle mitstudenten danach und es war kein Scherz.

Durch verschiedene Angaben konnten wir die Einbruchszeit auf zwischen Mitternacht und 3 Uhr morgens fest machen. Jemand muss direkt reingekommen sein, ins Zimmer, sich kurz umgeschaut haben und das der Tuer naechstliegende gegriffen- das waren leider meine Sachen.

Trotzdem habe ich es noch vergleichsweise gut. Denn just gestern machte ich ein Computerbackup meiner gesamten Festplatte. Auch hatte ich fast mein ganzes Geld aus der Brieftasche genommen und es blieben „nur Kreditkarte und Buskarte“ darin. Mein Reisepass war woanders aufgehoben. Das Handy leider nicht. Trotzdem:Gott sei DanK!

Ich fuhr zur Polizei um wenigstens eine Anzeige gegen unbekannt zu machen. Sie notierten sich alles, gaben mir den Bericht und werden jetzt „mal nachforschen“. Das heisst: nichts wird passieren.

Auch wenn ich erstmal nicht weiss woher ein Nachfolger fuer meinen Laptop und Handy kommen soll, bin ich doch ruhig und bin fest ueberzeugt, dass Gott auch damit seinen Plan hat. Auch gingen mir immer wieder die selben Psalmsprueche durch den Kopf, in denen es darum geht, dass Gott einem Recht verschaffen wird und Recht und Gerechtigkeit in Seiner Hand sind.

Bitte betet mit mir dass der Dieb vom Heiligen Geist ueberfuehrt wird und die Sachen wieder zurueck bringt oder Gott eine andere Loesung schenkt.

March 16, 2011

Chaco-Abschied

Filed under: Argentinien,Chaco,Persönliches,Praktikum,Saenz Peña — Marco @ 3:05 AM

An unserem letzten Tag in Saenz Peña kamen zwei unserer Kommolitoninnen an. Die Temperaturen waren über Nacht um mehr als die Hälfte gefallen auf ca.15 Grad und so genossen wir den frischen Sonntag mit leckerem Grillhühnchen was extra für uns zubereitet wurde. Aber auch dieses aßen wir allein, also nicht zusammen mit einer Gemeindefamilie o.ä. Am nachmittag kam noch eine handvoll Teens vorbei um sich von uns zu verabschieden. Ausgerechnet die von denen man es am wenigsten erwartet.
Es fing zwischenzeitlich an zu regnen und so wurde uns klar bei unserem vielen Gepäck ist ein Taxi sinnvoll, denn es hatte sich auch niemand aus der Gemeinde angeboten uns zum Busterminal zu bringen. Ich fragte trotzdem beim Teenie-Leiter an und er willigte ein uns an der Hauptstrasse abzuholen. So mussten wir die schweren Koffer erstmal durch den Sandwegschlamm ziehen nach 10 Min. Weg an dieser Strasse anzukommen.

Ausritt auf Haushund

So hörte unsere Zeit dort auf, wie sie angefangen hat- ohne Pastor. Der hat sich wohl letzte Woche überfressen und hatte etwas Gastritis-ähnliches. So war er weder bei unserer Verabschiedung noch bekamen wir eine Auswertung.
Möglich, aber keine Verpflichtung hatte die Gemeinde uns etwas finanzielles mit auf den Reiseweg zu geben. Das geschah nicht und ich fand es auch nicht schlimm, aber eine kleine Dankeschönkarte wär im Etat vielleicht doch drin gewesen…

Noch 5 Min. vor Abfahrt schnell ein Foto von den "glücklichen Missionaren"

Wir enthielten dafür Entschädigung in Margarita, wo wir in einem eintägigen Zwischenstop eine weitere Mitstudentin, Julia, abholten. Mit Julia zusammen verabschiedeten wir uns den ganzen Tag, begleitet von vielen kleinen und großen Mahlzeiten, von gerade kennengelernten Gemeindegliedern und erhielten so wenigstens eine indirekte Verabschiedung die uns in Saenz Peña vorbehalten wurde. Margarita ist ein sehr schönes Dörflein, das hauptsächlich aus Menschen ukrainischer Abstammung sind und es hier durch Landwirtschaft zu viel gebracht haben.
Ich genoss einen ausgedehnten Spaziergang bei mal nicht zu heissen Temperaturen auf den Strassen, die alle gepflastert sind, was für ein arg. Dorf kein Standard ist. Die Gehsteige sind gefegt und die Rasen vor den Häusern besser in Schuss gehalten als in Deutschland.

Strahlender Himmel über Margarita mit arg. und Chaco-Fahne

Leider sieht es dafür mit der Geistlichkeit sehr arm aus. Die Kinder der Einwanderer die heute in den 80gern sind halten die Zügel der Gemeinde starr in der Hand und lassen keine Neuerungen zu, die Jungen und der Pastor werden klein gehalten. Lange wird das nicht mehr gut gehen.
Gegen Mitternacht wurde wir vom Pastor und noch einigen anderen netten Leuten, wo wir vorher noch grosszügig verköstigt wurden, zum Busbahnhof gebracht. Um halb neun am nächsten Morgen kamen wir in Córdoba an. Zu fünft in zwei Taxis (eins für uns, eins für alle Gepäcke) steuerten wir auf EMPI zu und wurden von den schon vor uns angereisten Kumpanen willkommen geheissen.

Hier waren mal Schienen - heute alles parkähnlich

Der Tag war bedeckt und unter 20 Grad warm- eine willkommen Abkühlung. Zu meiner Überraschung sind wir in denselben Zimmern untergebracht wie letztes Jahr (also diesmal wohl nicht 6 mal umziehen) und es werden von den neuen 1.Semestern wohl nur 2 männlich und 6 weiblich sein. Somit sind wir gesamt genauso stark wie letztes Jahr.
Wir verbrachten den Rest des Vormittags mit (einem) Schrank unter uns 3n im Zimmer aufteilen und Klamotten zusammen suchen. Ein paar Sachen liess ich hier, ein paar bei einer Freundin und ein paar hatte ich ja mit. Schnell stand fest: der Schrank reicht nicht aber da müssen wir halt improvisieren wie immer.

Typische "criollo-Jungs" sind das nicht, sondern Ukrainer-Abkömmlinge

Nach und nach fanden wir uns vor dem Haus zum Matetrinken zusammen und zum Geschichten erzählen, wie es uns ergangen ist. Ich wartete immer auf eine ermutigende Geschichte von einem dem es richtig gut gegangen ist, aber es blieb leider aus. 2 Mädels mussten den Praktikumsort wechseln, weil sich eine Pastorin nicht unter Kontrolle hatte und mal richtig ausflippte und dann auch noch zu unrecht. Andere kämpften die ganze Zeit gegen die nicht vorhandene Geistlichkeit der Gemeindeglieder an und versuchten die Aufmerksamkeit auf Jesus zu lenken, anstatt auf ihre innergemeindlichen Zwiste. Wieder andere waren in einer Mega-church und hatten da eigentlich nichts zu tun, ausser zuzuhören und zuzuschauen. Und wies mir erging wisst ihr ja schon.

Abschied vom Chaco

Das alles lässt mich im Moment ziemlich deprimiert drein schaun und hat wohl auch noch andere Gründe. Z.B. das Wiedersehen mit einem Studenten der eigentlich dieses Jahr gar nicht mehr da sein sollte und nun doch kam (wir hatten unsere Differenzen), oder in ein Studentenhaus zurück zu kommen, wo man erstmal die Urinflecken von der Klobrille wischen muss und vor Waschbecken steht, das auch schon länger keinen Lappen mehr gesehen hat und zu wissen dass es das ganze Jahr in diesem Stil so weitergeht. So sehr ich mich für das Zusammenleben entschieden habe, so sehr gibt es auch eins was mich stört: Durch das gemeinsame „Alles gehört allen“, gibt es kaum Verantwortungsgefühl achtsam zu sein oder etwas in Schuss zu halten. „Es geht mich ja eigentlich nichts an“ und meistens geht irgendwas nach kurzer Zeit sowieso etwas kaputt, also warum drauf achten? Hat etwas von sozialistischen Zeiten an sich.
Dadurch kommt die Sehnsucht in mir hoch nach etwas Häuslichem, Gepflegtem, was mehr hält als 10 Minuten und wo alle mit drauf achten, es einfach schön zu haben. Aber entweder liegt das am Durchschnittsalter der Studenten hier oder an der Kultur, aber es scheint wenigen wichtig zu sein. Und mir macht es dadurch immer schwerer mich heimisch oder wohl zu fühlen.

March 11, 2011

Letzte Chacotage

Filed under: Argentinien,Chaco,marco schnell,Praktikum,Saenz Peña — Tags: , , , , — Marco @ 6:52 PM

Wir liegen in den letzten Tagen unseres Chaco-Praktikums und darüber bin ich sehr froh. Zeitweise fragte ich mich in den letzten Wochen, wofür unser Hier-Sein gut gewesen war, denn wir sahen sprichwörtlich wenig Frucht oder Veränderungen.

"Riskieren zu Träumen" war das Teenthema

Das vergangene Wochenende verbrachten wir in Basail, der anderen Gemeinde unseres Pastors und machten auch dort das, was wir hier immer machten: Teen,- Jugend,- und Leiterarbeit, machten Musik im Gottesdienst und aßen lecker. Letzteres waren wir nicht so gewöhnt und fühlten uns daher dort richtig umsorgt von den Leuten. Es war ein kleines Dorf und so war auch die Atmosphäre dort viel familiärer als in Saenz Peña. Es war wie eine Kurzerholung. Ein leckeres Asado rundete das schöne Wochenende ab.

Riskieren etwas auszuprobieren was man noch nie gemacht hat-Jonglieren

Wieder zurück in Saenz Peña gab Nico gestern sein letztes Leitertraining. Er hakte nach, ob ihnen die Kurse und Gespräche weitergeholfen hatten und es kam heraus, dass sich einige vor unserer Ankunft in einer starken Glaubenskrise befunden haben, die nun überwunden scheint. Andere freuten sich, wieder festen geistlichen Input bekommen zu haben, der sie herausfordert aber auch gleich in die Anwendung führt, zB mit dem Jüngerschaftskurs den sie mit den Teens begannen.

"Jesus liebt dich"- ein Gruss an die Busfahrer in Basail

Wenn ich dann noch den Teenie-Mitgliederkurs nehme, der im allgemeinen sehr gut ankam, auch wenns immer weniger Teilnehmer mit der Zeit wurden, und dann noch ein paar Einzelgespräche, dann seh ich doch, dass etwas passiert ist. Zwar sehr vereinzelt, aber es passierte was.
Der letzte dieser Kurse war vorgestern und oh Wunder alle kamen pünktlich, einige sogar vor der Zeit! Ich hatte vorher den Eindruck, dass dieses Mal Gott etwas anderes tun will, als das wir nur das Arbeitsheft weiter durcharbeiten, aber wusst auch nicht was. Als alle eintrudelten wurde es mir schnell klar. Alle waren in einer Depri-Stimmung aus verschiedensten Gründen, niemand hatte sich vorbereiten oder die vereinbarten Aufgaben erledigt. Da der Kurs Anwendung in ihrem Leben finden soll, stoppten wir hier.

Himmelsgeister oder doch nur einfache Wolken?

Ich fragte sie, ob sie ihre Trauer oder Zorn vor Gott bringen oder sich trauen so zu beten, wie zB… Ps. 86 (kam mir spontan in den Sinn). Bevor wir ihn lasen, betete ich noch schnell, dass Gott dadurch zu uns spricht, wir schlugen auf und Gott war genial. Der Psalm drückt eine Situationen der Verzweiflung, Trauer aber zum Ende auch der Anbetung aus. Einige konnten sich damit identifizieren. Mir stachen einige Verse besonders ins Auge und die besprachen wir. Es war richtig GEISTGEFÜHRT und Gottes Wort fand Anwendung in ihrem Leben- so wünsch ich mir das! Gott spricht genau in unsere Situation hinein und verändert unsere Sicht.
Und das geschah in diesem Moment. Die Atmosphäre wurde lockerer, zwei sagten, dass es ihnen besser ginge (obwohl wir weder ihre Probleme gehört noch gelöst hatten). Beeindruckend- Gott!

Die Wolken und der Himmel im Chaco- unvergleichlich

Nach einer Stunde waren wir bereit mit dem “Stoff” weiterzumachen. Wir schafften zwar gerade das zweite Kapitel zu beenden, aber das war ok so. Und auch in dem Kapitel machten die einzelne Punkte in sich total Sinn und passten gut zu unserem vorher Besprochenen.
Im Anschluss an unseren Treff, nahm mich einer der Teens zur Seite denn er hatte ein persönliche Frage an mich. Er wollte wissen, ob sein kleiner, vor Jahren verstorbener Bruder, der nicht an Jesus geglaubt aber auch nie die Möglichkeit hatte, von Gott zu hören, im Himmel sei. Schön, dass die “wirklich einfachen Fragen” immer bei mir landet. Aber ich hatte Frieden darüber es ihm bejahen zu können, denn Gottes Gnade steht vor und über unserem “Ja” zu Ihm. Er war auf jeden Fall dankbar, dass ich ihm diesen Zweifel ausräumen konnte.

March 1, 2011

Aborigines-Festival und Gottesdienst

Filed under: Argentinien,Chaco,Saenz Peña — Tags: , , — Marco @ 10:11 PM

Am Samstag nachmittag fuhren Leo (ein junger Erwachsener der Gemeinde) und ich zu einer riesen großen Zusammenkunft von 1000-2000 Zugehörigen des Stammes der Toba aus dem ganzen Land. Ich dachte es wäre eine dreitägige Konferenz, aber eigentlich war es ein dreitägiger musikalischer Talentwettbewerb (ohne Gewinner). Fast alle die kamen hatten auch einen musikalischen Beitrag mitgebracht. Zwischen den Beiträgen sorgte ein ca. 70 jähriger „Motivator“ wie er sich selbst nannte für Stimmung und verband die Beiträge. Was immer geht ist “Gloria a Dios” zu sagen und die Leute zu erinnern, doch bitte vor und jedem Beitrag zu klatschen (sonst hätten sie es wohl nicht getan)

"Gloria a Dios... und jetzt alle mal Klatschen für den guten Beitrag"

Gegen 19 Uhr kamen wir mit dem Toba-Pastor unseres Viertels, den ich einen Tag vorher kennenglernt habe und noch vielen anderen hauptsächlich Tobas, in einem gecharterten Bus ein paar km ausserhalb Quitilipis, ca 40 km von Saenz Peña entfernt an.
Bis das Programm gegen 20 Uhr begann, mit vielen Danksagungen, die auch während des Abends immer wieder wiederholt wurden, spielte und sang ein Evangelist als Pausenfüller.
Eins lernte ich da: Hauptsache laut und stark. Es schmerzte richtig in den Ohren, selbst als ich mich in die letzte Reihe setzte. Stolz verkündete dann der Motivator, dass man die Veranstaltung auch noch in 4 km Entfernung hören kann. Das glaubte ich ihm.

Die Massen sind eingetroffen

Die ersten 2 Stunden waren auch sehr interessant und gut durchmischt. Erinnerte mich irgendwie an ein deutsches Schlagerfestival vermischt mit bolivanischen Flötenklängen- vom Musikstil her. Aber es gab auch noch ganz andere landestypische Rhythmen, je nachdem woher die Teilnehmer kamen. Doch die enorme Lautstärke nahm einem irgendwie die Freude.

Eine gelungene Tanzeinlage

Auch waren die ganzen Gäste viel weniger tanzfreudig, als ich dass von anderen gehört hatte. Es gab einzig eine 4 köpfige Junge Männergruppe in ganz farbenfroher und geschmückter Tracht, die bei den richtigen Liedern auch richtig loslegten. Aber die Menge blieb in ihren Stühlen hocken und konnten sich auch selten zum mitklatschen aufraffen. Später am Abend hätte ich dann auch selber nichts gegen Tanzen gehabt, denn die Temperaturen fielen mit der Zeit und wir waren sehr sommerlich gekleidet.

Vorne die ganz wichtigen Leute: die Missionare, besonders ein schwedischer

Irgendwie schafften wir es dann bis 1 Uhr nachts durchzuhalten, denn dann sollte der Bus kommen. Die Veranstaltung hörte dann auch gegen 1.15 Uhr auf und der Bus kam nicht. Es wurde erst kurz vor 2 bis er erschien.
Gegen halb 3 waren wir dann wieder in der Gemeinde, wo immer noch eine Gruppe unserer Jugendlichen sass und sich besprach.

Toba-Gottesdienst- ein Erlebnis
Zusammen mit Leo machten wir uns gestern Abend auf den Weg in die 10 Blöcke entfernte Tobagemeinde zu einem indianischen Gottesdienst. Der GD begann gerade auch als gerade mal 5 Leute da waren.
Gleich zu anfang traten wir ins Fettnäpfchen und setzten uns auf die rechte Seite des Saales- die war aber den Frauen bestimmt, denn man sitzt getrennt. Wir wurden freundlich umgelenkt.
Während des Gds wurden wir wenigstens 8 mal begrüßt und willkommen geheissen und wir durften uns daher sogar in die erste Reihe setzen. Das war eine Ehre, aber dank der übergroßen Lautsprecher auch eine Herausforderung. Hinzu kommt, dass die Toba von Natur aus mit einer sehr kräftigen Sprache gesegnet wurden, die auch leicht den Salon ohne Verstärkung beschallen könnte. Ich verhalf mir mit Taschentuchohrstöpseln.
Nach einer kurzen Begrüßung und Einleitung durch den Pastor nahm er auf der Bühne platz, zusammen mit vielen anderen wohl wichtigen Männern und lass die Bibel, während der nächsten Programmpunkte. Auf der rechten Seite saß der Chor und die Musikgruppe. Nun wurde immer abwechselnd gesungen. Mal die Musikgruppe, mal jemand aus dem Chor. Es wurden jeweils Einzelne namentlich aufgerufen.

Da die Gemeinde nicht rein-Toba, sondern gemischt ist, waren alle Lieder und die Mehrzahl der Beiträge in Spanisch. Hat mir zwar geholfen zu verstehen, schade fand ichs trotzdem, dass ich nicht einiges in ihrer Sprache hörte. Der Grund ist, dass auch die Gemeinde,weil Stadtgemeinde, mittlerweile gemischt ist und einige kein Toba sprechen.

Gegen Mitte des GD wurden dann Leo und ich aufgerufen einen Beitrag zu bringen. Gott sei Dank hatte ich das schon erwartet. Diverse Gespräche mit Frank, einem befreundeten Chaco-Missionar hatten mich darauf vorbereitet. Ich begrüßte allen mit „la“- der Pastor hatte mir vorher gesagt, dass dies Guten Tag, Guten Abend und Gute Nacht auf Toba heisst. Daraufhin brach ein spontaner Applaus los. Dann dankte ich erstmal allen für alles, vergass „Gloria a Dios“ zu sagen (was alle immer mindestens zweimal sagen) und erzählte dann ein bisschen davon, wie ich nach Argentinien kam. Der Pastor gab mir dann noch “Danke” mit auf den Weg: „Natsch-e-tec“ (in meiner Schreibform).
Weiter ging es mit einigen Wort-Beiträgen oder Ermutigungen. Mich beeindruckte die Demut eines Pastors aus Buenos Aires der zu Gast war. Seine Art zu Reden und Begeisterung wie Gott aus nichts (aus ihm) etwas Kleines gemacht hat und seine ständige Anbetung Gottes beim Reden, liess mich richtig Gottes Gegenwart spüren.
Die war überhaupt während des ganzen Gottesdienstes wahrnehmbar. Irgendwie ganz anders als ich es gewohnt bin und trotzdem spürte ich, dass Gott da ist.
Wieder wurden einige Lieder präsentiert. Leider sang kaum jemand der Gemeinde mit und das berühmte Tanzen, was eigentlich ihre starke kulturelle Ausdrucksform ist, zeigten sie in dieser Gemeinde auch nicht.

Als die Predigt kam schlug bei mir die Müdigkeit zu und machte es mir schwer bei Bewusstsein zu bleiben. Nach Ende der Predigt, wurde noch ein Extra-Opfer eingesammelt für ein neues Mikro, da das Alte seinen Dienst während der Predigt öfter quitierte. Der Pastor lud zum Geben ein und „er habe glauben, dass Gott ihnen neue Mikrofone und Kabel schenken wird.“ Das steckte wohl den Rest an und so kamen 270 Pesos (55 Euro) in dieser Sammlung zusammen. Das ist beträchtlich, denn am Anfang des GD´s gabs schon einmal eine Sammlung- die normale Spende.
Nach fast 3 Stunden Gottesdienst und sehr deutlicher Einladung des Pastors zum täglichen Gebetstreffen für diese Woche, war Schluss. Jeder einzelne verabschiedete sich von uns per Handschlag. Wir sprachen danach zwar nicht wirklich mit den Leuten und ich weiss nicht warum, aber ich fühlte mich in dieser Gemeinde spontan zu Hause. Vielleicht ist es die Demut, die in allem dieser Menschen zu spüren ist oder ihre strahlende Freundlichkeit? Ich weiss nur, dass mir das in anderen Gemeinden, die ich bis jetzt hier (oder in Deutschland) kennengelernt habe, nie so etwas erlebt habe.

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