Am Samstag nachmittag fuhren Leo (ein junger Erwachsener der Gemeinde) und ich zu einer riesen großen Zusammenkunft von 1000-2000 Zugehörigen des Stammes der Toba aus dem ganzen Land. Ich dachte es wäre eine dreitägige Konferenz, aber eigentlich war es ein dreitägiger musikalischer Talentwettbewerb (ohne Gewinner). Fast alle die kamen hatten auch einen musikalischen Beitrag mitgebracht. Zwischen den Beiträgen sorgte ein ca. 70 jähriger „Motivator“ wie er sich selbst nannte für Stimmung und verband die Beiträge. Was immer geht ist “Gloria a Dios” zu sagen und die Leute zu erinnern, doch bitte vor und jedem Beitrag zu klatschen (sonst hätten sie es wohl nicht getan)

"Gloria a Dios... und jetzt alle mal Klatschen für den guten Beitrag"
Gegen 19 Uhr kamen wir mit dem Toba-Pastor unseres Viertels, den ich einen Tag vorher kennenglernt habe und noch vielen anderen hauptsächlich Tobas, in einem gecharterten Bus ein paar km ausserhalb Quitilipis, ca 40 km von Saenz Peña entfernt an.
Bis das Programm gegen 20 Uhr begann, mit vielen Danksagungen, die auch während des Abends immer wieder wiederholt wurden, spielte und sang ein Evangelist als Pausenfüller.
Eins lernte ich da: Hauptsache laut und stark. Es schmerzte richtig in den Ohren, selbst als ich mich in die letzte Reihe setzte. Stolz verkündete dann der Motivator, dass man die Veranstaltung auch noch in 4 km Entfernung hören kann. Das glaubte ich ihm.

Die Massen sind eingetroffen
Die ersten 2 Stunden waren auch sehr interessant und gut durchmischt. Erinnerte mich irgendwie an ein deutsches Schlagerfestival vermischt mit bolivanischen Flötenklängen- vom Musikstil her. Aber es gab auch noch ganz andere landestypische Rhythmen, je nachdem woher die Teilnehmer kamen. Doch die enorme Lautstärke nahm einem irgendwie die Freude.

Eine gelungene Tanzeinlage
Auch waren die ganzen Gäste viel weniger tanzfreudig, als ich dass von anderen gehört hatte. Es gab einzig eine 4 köpfige Junge Männergruppe in ganz farbenfroher und geschmückter Tracht, die bei den richtigen Liedern auch richtig loslegten. Aber die Menge blieb in ihren Stühlen hocken und konnten sich auch selten zum mitklatschen aufraffen. Später am Abend hätte ich dann auch selber nichts gegen Tanzen gehabt, denn die Temperaturen fielen mit der Zeit und wir waren sehr sommerlich gekleidet.

Vorne die ganz wichtigen Leute: die Missionare, besonders ein schwedischer
Irgendwie schafften wir es dann bis 1 Uhr nachts durchzuhalten, denn dann sollte der Bus kommen. Die Veranstaltung hörte dann auch gegen 1.15 Uhr auf und der Bus kam nicht. Es wurde erst kurz vor 2 bis er erschien.
Gegen halb 3 waren wir dann wieder in der Gemeinde, wo immer noch eine Gruppe unserer Jugendlichen sass und sich besprach.
Toba-Gottesdienst- ein Erlebnis
Zusammen mit Leo machten wir uns gestern Abend auf den Weg in die 10 Blöcke entfernte Tobagemeinde zu einem indianischen Gottesdienst. Der GD begann gerade auch als gerade mal 5 Leute da waren.
Gleich zu anfang traten wir ins Fettnäpfchen und setzten uns auf die rechte Seite des Saales- die war aber den Frauen bestimmt, denn man sitzt getrennt. Wir wurden freundlich umgelenkt.
Während des Gds wurden wir wenigstens 8 mal begrüßt und willkommen geheissen und wir durften uns daher sogar in die erste Reihe setzen. Das war eine Ehre, aber dank der übergroßen Lautsprecher auch eine Herausforderung. Hinzu kommt, dass die Toba von Natur aus mit einer sehr kräftigen Sprache gesegnet wurden, die auch leicht den Salon ohne Verstärkung beschallen könnte. Ich verhalf mir mit Taschentuchohrstöpseln.
Nach einer kurzen Begrüßung und Einleitung durch den Pastor nahm er auf der Bühne platz, zusammen mit vielen anderen wohl wichtigen Männern und lass die Bibel, während der nächsten Programmpunkte. Auf der rechten Seite saß der Chor und die Musikgruppe. Nun wurde immer abwechselnd gesungen. Mal die Musikgruppe, mal jemand aus dem Chor. Es wurden jeweils Einzelne namentlich aufgerufen.
Da die Gemeinde nicht rein-Toba, sondern gemischt ist, waren alle Lieder und die Mehrzahl der Beiträge in Spanisch. Hat mir zwar geholfen zu verstehen, schade fand ichs trotzdem, dass ich nicht einiges in ihrer Sprache hörte. Der Grund ist, dass auch die Gemeinde,weil Stadtgemeinde, mittlerweile gemischt ist und einige kein Toba sprechen.
Gegen Mitte des GD wurden dann Leo und ich aufgerufen einen Beitrag zu bringen. Gott sei Dank hatte ich das schon erwartet. Diverse Gespräche mit Frank, einem befreundeten Chaco-Missionar hatten mich darauf vorbereitet. Ich begrüßte allen mit „la“- der Pastor hatte mir vorher gesagt, dass dies Guten Tag, Guten Abend und Gute Nacht auf Toba heisst. Daraufhin brach ein spontaner Applaus los. Dann dankte ich erstmal allen für alles, vergass „Gloria a Dios“ zu sagen (was alle immer mindestens zweimal sagen) und erzählte dann ein bisschen davon, wie ich nach Argentinien kam. Der Pastor gab mir dann noch “Danke” mit auf den Weg: „Natsch-e-tec“ (in meiner Schreibform).
Weiter ging es mit einigen Wort-Beiträgen oder Ermutigungen. Mich beeindruckte die Demut eines Pastors aus Buenos Aires der zu Gast war. Seine Art zu Reden und Begeisterung wie Gott aus nichts (aus ihm) etwas Kleines gemacht hat und seine ständige Anbetung Gottes beim Reden, liess mich richtig Gottes Gegenwart spüren.
Die war überhaupt während des ganzen Gottesdienstes wahrnehmbar. Irgendwie ganz anders als ich es gewohnt bin und trotzdem spürte ich, dass Gott da ist.
Wieder wurden einige Lieder präsentiert. Leider sang kaum jemand der Gemeinde mit und das berühmte Tanzen, was eigentlich ihre starke kulturelle Ausdrucksform ist, zeigten sie in dieser Gemeinde auch nicht.
Als die Predigt kam schlug bei mir die Müdigkeit zu und machte es mir schwer bei Bewusstsein zu bleiben. Nach Ende der Predigt, wurde noch ein Extra-Opfer eingesammelt für ein neues Mikro, da das Alte seinen Dienst während der Predigt öfter quitierte. Der Pastor lud zum Geben ein und „er habe glauben, dass Gott ihnen neue Mikrofone und Kabel schenken wird.“ Das steckte wohl den Rest an und so kamen 270 Pesos (55 Euro) in dieser Sammlung zusammen. Das ist beträchtlich, denn am Anfang des GD´s gabs schon einmal eine Sammlung- die normale Spende.
Nach fast 3 Stunden Gottesdienst und sehr deutlicher Einladung des Pastors zum täglichen Gebetstreffen für diese Woche, war Schluss. Jeder einzelne verabschiedete sich von uns per Handschlag. Wir sprachen danach zwar nicht wirklich mit den Leuten und ich weiss nicht warum, aber ich fühlte mich in dieser Gemeinde spontan zu Hause. Vielleicht ist es die Demut, die in allem dieser Menschen zu spüren ist oder ihre strahlende Freundlichkeit? Ich weiss nur, dass mir das in anderen Gemeinden, die ich bis jetzt hier (oder in Deutschland) kennengelernt habe, nie so etwas erlebt habe.