January 25, 2011

Unsere Lebensumstände in Saenz Peña

Filed under: Argentinien,Chaco,Persönliches,Praktikum,Saenz Peña — Marco @ 9:25 PM

Die Gemeinde hat einen großen GD-Raum, daneben eine Küche, die wir benutzen dürfen. Das Wasser was wir zum Abwaschen und Duschen verwenden, wird per Pumpe aus einem Brunnen hochgepumpt, ist also nicht zum Trinken geeignet. Unser Trinkwassertank steht vor der Tür und fasst ca. 1000 Liter. Er hält also etwas vor. Schade nur dass der Zuflussdeckel nicht ganz dicht ist und dadurch zumindest theoretisch jede Menge Krabbelkäfer reinfallen können. Bis jetzt hatte ich aber noch keine Fleischbeilage im Wasser. Unser Trinkwasser ist übrigens Regenwasser.

Unsere Dusche hängt auch am Brunnen. Der 20l Duschtank ist aber immer wieder aufzufüllen. Dadurch dass die Dusche mehr pieselt als einen Wasserstrahl gibt, kommt man mit ca 8 Litern zum Duschen aus. Das erfrischt zwar wenig, zumal das Wasser aus dem Vorratstank sich auch tagsüber auf 30-40 Grad aufheizt, aber es säubert.

Abgestürzte Chichare- Spezialriesengrille

Wenns dunkel wird, kommen jede Menge riesiger Käfer, Grillen, großen Spinnen (die aber nicht alle giftig sind) und Riesenkröten zum Vorschein. Es findet sich alles ausser Kakerlaken, wofür ich extrem dankbar bin. Dafür haben wir aber immer mal nachts IN unserem Zimmer ein Grillenkonzert. Hinzu kommt eine Extragrosse Grillenart, die Chichara, die eher wie ein Käfer aussieht und ein Geräusch machen, wie eine sich nähernde Propellermaschine im Tiefflug. Sie hört man besonders stark auch Tagsüber wenn der Tag besonders heiß wird. Aber das ist er ohnehin meistens, ob mit oder ohne Grillen. Diese Woche durchstiessen wir die 40 Gradbarriere. Unser Zimmer ist einfach und (meistens) trocken, was man vom Rest der Kirche nach einem ordentlichen Regenguss wie aus Eimern, der meist 2-3 Stunden andauert, nicht sagen kann. Teilweise sind dann die Gänge überschwemmt, weil das Wasser so stark durch die kaum dichthaltende Holzeingangstür reindrückt.

Damit wir nicht Nachts Blut und Wasser schwitzen (denn die 30 Grad halten sich auch nachts konstant als Zimmertemperatur, haben wir einen Riesenventilator gestellt bekommen. Er ist so kräftig, dass er regelmässig Nicos Bettzeug an die Wand wehte, so dass wir nach ein paar Nächten die Ausrichtung etwas korrigierten. Ansonsten haben wir 5 treulose Promenadenmischungen auf dem Hof herumlaufen, von denen sich immer einer im Kircheninneren „verläuft“ weils dort kühler ist. Ein anderer „verläuft“ sich immer in der Küche und zerreisst unseren Müllbeutel, so dass er auf dem ganzen Fussboden verteilt ist. Am Anfang passierte das durchaus pro Tag 3-4 Mal. Wir versuchen jetzt die Küchentür geschlossen zu halten. Im Gegenzug hat er mir heute meine Käsestulle vom Frühstücksteller geklaut als ich kurz in der Küche war. Wir setzen körperliche Züchtung als Hilfsmassnahme ein.

Alle Veranstaltungen beginnen in der Regel gegen 21 Uhr. Zum einen, weil da die meisten fertig gearbeitet haben und zum anderen, weil die größte Tageshitze gewöhnlich abgezogen ist. Gestern war es jedoch so heiß, dass wir während des Leitertrainings sogar draussen unseren Riesenventilator aufstellen mussten um es halbwegs aushalten zu können. Die Leute sind eher zurückhaltend und ruhig aber nach kurzem doch schnell zugänglich. Letzte Woche lud uns einer der Teenies, zu dem ich recht schnell nen Draht bekam zu seiner Familie zum Mittag ein. Sie haben 5 Kinder, die meisten Jugendliche. Viele haben mindestens ein Jahr Schule wiederholt, andere mehrere. Obwohl sie die Möglichkeit haben zu studieren, tun sie sich schwer das auch zu wollen, allgemeine Unlust, easy-life und das sich nicht trennen wollen von der Familie, sind ähnliche Gründe wie bei uns.

Ein ganz normaler Tag

Filed under: Argentinien,Chaco,Praktikum — Tags: — Marco @ 4:57 PM

Was viele wahrscheinlich brennend interessiert, sei hier mal ganz fix komentiert. Was mache ich eigentlich den ganzen Tag?

  • Der Tag fängt, wie bei den Juden so auch hier mit dem Abend an. Meistens kommen wir spät nach 12 oder 1 ins Bett, da die meisten Gemeindegtreffen bis Mitternacht dauern und stehen entsprechend spät zwischen 8 und 10 Uhr auf. Das beschämt mich zwar ein bisschen, ist aber für Nico zB kein Problem, da ja einfach unsere Arbeitszeit verschoben ist.
  • Normalerweise beginne ich meinen Tag mit Frühsport, manchmal sogar joggen, wenns nicht zu heiß ist (das ganze Viertel umrundet man in ca 40 Minuten). Dann kriegen unsere 5 Zecken- und Läuseanlaufstellen (oder auch Wachhunde genannt) ihre trockene Minimahlzeit (ich denke es ist viel zu wenig, aber die sonst Verantwortlichen meinen es reicht). Dann esse ich meistens, während Nico noch schläft. Da ist es oft schon gegen 10 oder später. Dann mache ich meistens eine ausgedehnte Stille Zeit verbunden mit gleichtzeitiger Vorbereitung eines Themas oder Andacht.
  • Bis jetzt konnte ich mich noch ganz gut herausreden aus dem Thema und Predigthalten, wegen meines Sprachdefizits, aber ab nächster Woche werden wir anscheinend die thematische Gestaltung des Teenie,- Jugendtreffs, 3 neuer Hauskreise und des Leitertrainings übernehmen. Also eigentlich alles ausser dem GD und da werde ich die Teeniegruppe und einen Hauskreis übernehmen. Jugend- und Teeniekreis sind jeweils mit Stundenlangem Volleyball vor und nach den Treffen angereichert. Wir arbeiten uns mit Gemeinde durch „40 Tage mit Vision“. Mal sehen wie lange wir brauchen :) Am WE hatte ich schon mal Gelegenheit an einem anderen Ort den Lobpreisteil im GD zu leiten. Ein besonderes Erlebnis. 
  • Diskussion vor Gemeindehaus. Fangen wir an oder warten wir noch ein bisschen?

  • Gegen 13 Uhr opfert sich meistens einer von uns beiden zum Mittagessen zubereiten. Wir bekommen die Basisverpflegung von der Gemeinde und manchmal auch mehr. Letzte Woche zB eine ganze Tüte voll panierter Schnitzel oder ein ganzes Huhn (es ist schon tot).Ansonsten Reis und Nudeln.
  • Offiziell ist das Siestazeit, aber die nehmen wir eher weniger in Anspruch. Manchmal verfangen wir uns in Diskussionen mit Nico, oder es wird noch etwas vorbereitet. Ab 4 kommen oft Jugendliche und manchmal auch Kinder vorbei, einfach so zum Schwatz. Nach einer ½ Stunde ziehen sie dann meist wieder ab. Wenn man Terere vorbereitet (also kalten Mate mit Eis und am besten mit Fruchtsaftpulverwasser angereichert) bleibt man aber auch gerne noch etwas länger. In sehr tiefe Gespräche kam ich dabei bis jetzt noch nicht, weil ja immer 2-3 Leute auf einmal kommen und da legt man private Themen nicht auf den Tisch, das kommt eigentlich nur im Einzelgespräch zu Tage.
  • Volleyballattacke in Gemeindehalle

  • Irgendwie ist es dann meist ziemlich schnell 19 Uhr. Vielleicht war ich noch etwas einkaufen. Dann esse zumindest ich etwas Abendbrot (Nico meist viel Später nach den Treffen, oder gar nicht), nehme eine Dusche und dann wird wieder gewartet. Offiziell fangen wir um halb 9 mit etwaigen Gemeindetreffen an, real wird es meistens 20.45-21.00 Uhr.
  • Gegen 23-24 Uhr ist es dann zu Ende und dann wird meist noch sich unterhalten oder die jungen Erwachsenen laden uns auf einen Tripp in die Stadt oder zu einem nach Hause ein, entweder zum Mate trinken oder Playstation spielen. Manchmal verschwinde ich dann aber auch klammheimlich ins Bett.

January 12, 2011

Freier Tag, angeblich

Filed under: Argentinien,Chaco,Praktikum,Saenz Peña — Tags: — Marco @ 4:54 AM

Heute wurde erstmal ausgeschlafen. Schliesslich ist Dienstag unser gewerkschaftlich verankerter freier Tag. Dann gings eine Runde joggen, denn die Temperaturen waren heute um 10 Uhr noch nicht über 30 Grad. So erkundete ich auch gleich mal die Gegend und verortete mich.
Danach probierte ich unseren „Halbwaschautomaten“ Model 1960 aus. Heisst so, weil er nur wäscht, ausspülen und trocknen muss man selber. So kostete mich das ganze Unterfangen auch 3 Stunden. Der Tag war soweit sonnig, bis ich die Wäsche aufhängen wollte, dann find es an zu regnen. Auch hier gilt das murphysche Gesetz.
Im Anschluss daran lernte ich endlich mal wieder etwas Spanisch Grammatik mit neuem Programm was sehr hilfreich ist und sogar Spass macht.

Hätte von heute sein können, war aber vorgestern, nach dem Jugendtreff wurde erstmal das Zentrum besucht- mit Mopeds natürlich.

Da war nur mit dem Überlebensnotwendigen essensmässig ausgerüstet sind, hungerte es mich nach etwas Obst. Aber: unser nächster Obst- und Gemüseladen liegt ca. 20 Quadranten entfernt (das sind jeweils gleich große Strassenquadrate mit je 100 Hausnummern), also etwa ¾ Stunden Fussweg. Daher war der Sohn einer der Pastoren so nett mich per Moped zu bringen. Das Moped ist ja hier überhaupt Hauptverkehrsmittel und eigentlich jeder ab 13 Jahre kann es fahren, oder tuts zumindest.

Typisches Haus in der Nachbarschaft, mit Toilette vor der Tür.

Als ich zurückkam wollte ich eigentlich noch ein bisschen für einen EMPI Kurs lernen (dafür ist der freie Tag eigentlich gedacht) aber kaum zurück, warteten schon ein paar Jungs aus der Nachbarschaft um mit uns „rumzuhängen und Mate zu trinken (das ist immer ein guter Vorwand)“. Also taten wir das, wir wollen ja Beziehung bauen. Und plötzlich wars 20 Uhr und ich hatte Hunger. Was unsere Essensgewohnheiten angeht, gehen Nicos und meine Vorlieben noch sehr auseinander. Er ist kein Frühstück, dafür ganz spät Abendbrot, was ich zumindest hier, weit weg von EMPI nicht einreissen lassen muss. So machte ich Abendbrot und dann ass er, trotz erstem Widerstand plötzlich doch mit. Manches ist gar nicht so schwer.

January 10, 2011

Ich schlafe neben einem Helikopter

Filed under: Argentinien,Chaco,Praktikum,Saenz Peña — Tags: , , — Marco @ 4:37 PM

Die gute Nachricht: bei der großen Hitze die wir haben ist es echt angenehm einen Ventilator zu haben. Schade, dass es sich dabei anscheinend um das Fronttriebwerk einer alten JU-52 handelt, das quasi recycelt nun in unserem Zimmer seinen letzten Einsatz findet. Zumindest von der Lautstärke kommts ungefähr hin. Das Gute ist, dass man keinerlei anderen Lärm wahrnimmt. Wenn zB einer im Nebenzimmer E Gitarre auf volle Lautstärke spielt oder auch Schlagzeug, bekommen wir das gar nicht mit.

Motoräder sind Fortbewegungsmittel Nummer 1

Ich erlebte gestern abend einen wunderschönen Sonnenuntergang bevor der GD anfing und machte bei der Gelegenheit gleich mal ein Stadtviertelspaziergang. Die meisten Häuser bestehen aus einem Ein-Zimmer-Gebäude und direkt daneben ohne Verbindung ein weiteres, was das Klo ist. Die Häuser sind alle ziemlich ähnlich, weil von der städtischen Gemeinde gebaut. Das Klo liegt deshalb draussen, liess ich mir sagen, weil die meisten davon ausgehen, anzubauen, so dass es irgendwann mal an die Hauserweiterung andockt.
Die Leute sind sehr nett und grüßen zurück. Abends sollte man zwar draussen nicht alleine herumgehen, aber bis jetzt macht es auf mich noch nicht so einen gefährlichen Eindruck. Vorgestern abend nach dem Jugendtreffen warteten wir auch am Strassenrand eine Stunde auf den Bus ohne das uns jemand überfiel. Geht doch.

Um 20 Uhr nahe der Gemeinde

Danach hatten wir unseren ersten „culto“ Gottesdienst und durften gleich mit ran. Nico übernahm die Lobpreisband und ich den Gebetsteil. Die Gemeinde ist recht klein, kaum Erwachsene, es waren einmal viele Jugendliche, die sind jetzt nicht mehr da, dafür mehr Teenies, aber die kommen meist nur zu ihren Treffen. Gegen 24 Uhr waren dann auch die letzten gegangen und wir konnten endlich Abendbrot essen, bzw. ich liess es dann bleiben.

Test läuft für neuen Trend-Sport: Krötenweitwurf. Je weiter weg vom Haus desto besser

Nett sind auch die niedlichen, etwa 2-Handtellergroßen Kröten, die sich allnächtlich vor unserer Hausaussenbeleuchtung versammeln. Sie müssen auch so gross sein, weil die Käfer ja schon so gross wie eine halbe Hand sind. Schön ist auch das Grillengezirpe mit dem wir morgens lautschallend geweckt werden, denn natürlich sitzen die Grillen vor unserer Tür IM Haus.

January 8, 2011

Transition: Rio-Cordoba-Saenz Peña

Filed under: Argentinien,Chaco,marco schnell,Praktikum — Marco @ 10:27 PM

Eine echte Carioca, die mir die Zeit in Rio so schön gemacht hat. Danke!

Trotz übergewicht (im Gepäck) wurde ich durch alle Flughäfen gelassen und kam nach 8 Stunden Reise vorgestern wohlbehalten in Cordoba an. Dort blieb ich einen Tag bei einer mir sehr lieben Person:) und dann gings gestern abend schon wieder auf eine 13 Stündige Busreise nach Saenz Peña, Chaco, im Norden Argentiniens, wo ich die nächsten 3 Monate mein Praktikum in einer Baptistengemeinde machen werde.

Good Bye Rio und Corodoba. Bienvenido im Chaco.

Mein Kumpane Nico und ich sind in sehr einfach in einem Zimmer der Gemeinde untergebracht, haben aber eine Dusche, die mit Hand zu befüllen ist, einen großen Trinkwassertank vor der Tür, 5 Wachhunde und Grundnahrungsmittel (Nudeln, Brot, Zucker, Mate) im Haus. Internet gibts nur in Ausnahmefällen und nur im Zentrum. Also nicht wundern wenn ich diesmal weniger schreibe. Ausserdem sollen abends 1.345 verschiedene Sorten von Käfern und Insekten herauskommen, in einer mir unbekannten riesigen Größe (ein paar Leichen habe ich schon im Keller gesehen).
Wir sind ca. 1/2 Stunde Fussmarsch vom Zentrum entfernt. Die Stadt hat etwa 120.000 Einwohner. Im Moment ist das Wetter noch gnädig. Es ist bedeckt, schwül bei knapp unter 30 Grad. Kommt die Sonne raus, sind es über 40C. So habe ich Zeit zum aufwärmen.

Heute abend beginnen wir mit dem Jugendtreffen und morgen gehts mit dem Gottesdienst weiter. Sonst weiss ich eigentlich noch nichts, ausser das wir nächste Woche bei einem Jugendcamp mithelfen. Es darf gebetet werden. Danke.

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