July 24, 2010

Hausbrand- alles zerstört

Filed under: Chile,Homepage,marco schnell,Praktikum — Marco @ 6:50 AM

Als ich gegen 22.30  Uhr gerade von einem Besuch einer Frau der Gemeinde wiederkam, die 20 Jahre als polit. Flüchtling in der Schweiz lebte, kam auch Gustavo, mein Pastor grad zur Tür herein und meinte „wir brechen gleich wieder auf“. Auf mein „wohin“ ging er gar nicht erst ein.

Wir fuhren durch die Nacht und suchten nach einem Haus. Als wir ankamen, verstand ich warum wir danach suchten: Wir standen vor einem weissen Haus dessen Innenraum völlig ausgebrannt war. Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit. Wir reagiert man? Was tut man? Anscheinend ist die Gemeindeverwaltung zuständig, doch wie sind die Wege? Wie kann die Kirchgemeinde mit Unterkunft helfen, wo jeder hier gerade soviel Platz für seine eigene Familie hat?

Unterm Dach sieht man die Rauchschwaden, innen alles verkohlt

Das Dach ist völlig weggeschmolzen, der Eingangsbereich voller Löschwasser und Brandtstücken

Gott sei Dank hat sich die Mutter, die mit ihren  7 Kindern darin lebt, retten können.Wahrscheinlich gabs einen Kabelbrandt, der im Nu das Dach erfasste und sich durch die Räume frass. Wie wir hörten, war die Reaktion der Nachbarn grossartig: nach der Löschung fassten alle mit an und retten die letzten Sachen und stellten sie bei einem Nachbarn unter. Gleich danach kamen einige Nachbarn, die ein paar Sachen oder etwas Essen brachten. Einfach genial.
Wir verrammelten notdürftig eine verbrannte Wand, damit sich nicht Fremde an den übrig gebliebenen noch halbwegs erhaltenen Möbeln bedienen.

Die anderen Kinder sind bei einer Verwandten untergekommen, die alleinstehende Mutter Macarena steht unter Schock- es ist eine Familie dessen Kinder unser Kinderprogramm in der Gemeinde besuchen und die Mutter seid einiger Zeit auch unseren GD. Aber wie lange kann eine 8-köpfige Familie in einem Haus für 3 Personen wohnen (2 kleine Zimmer), inkl. dieser 3 Personen? Sie brauchen alles von neuem Dach, Möbeln, bis Klamotten bis Schulbücher- das neue Schulhalbjahr fängt am Montag an. Wer helfen kann, helfe mit Gebeten oder auch finanziell so schnell wie möglich.

Meine Kontodaten:

Marco Schnell

Kontonummer: 559 410 7717

BLZ: 500 105 17

VWZ: Hausbrandt Macarena

Bank: ING DIBA

Ich leite Überweisungen zu diesem Zwecke direkt an die Familie weiter.

Vielen Dank für alle Unterstützung!

Der Pastor und Nachbarn vor einer ehem. Wand mit verschmogten Möbeln

Einer der Söhne versucht letzte Sachen zu retten

July 16, 2010

Beben, Fussballstadion und Moschee

Nachdem nun endlich die Fussball-WM zu Ende gegangen ist, ist eine gewisse Normalität in den Gemeindealltag eingekehrt.
Sollte man meinen…
Zum Abschluss des letzten Spieltages gabs hier eine partielle Sonnenfinsternis, die aber so partiell war, dass man sie gar nicht wahr genommen hat. Schade.

Das Einzige was hier finster ist, ist Miguel im Vordergrund

Ferien auf Chilenisch
Seit Montag sind hier aber die Ferien ausgebrochen und das bedeutet: der ganz normale andere Wahnsinn. Wir haben jeden zweiten Tag eine Veranstaltung für die Teens: von Fussball am Strand, über einen Essensverteileinsatz auf der Strasse  bis X-tra-Spezial-Party in der Gemeinde. Doch Gussy, unser Pastor hat sich noch einige Spezialaufgaben für mich ausgedacht. So darf ich den Jugendleitern “in ihrer Organisations- und Arbeitsform helfend dienen.” Heisst auf gut deutsch: Mentoring.
Das ist ein sehr großer Vertrauensvorschuss von allen Seiten und ich fühle mich sehr geehrt, gerade weil ich so etwas NOCH NIE GEMACHT HABE! Sie anzuleiten (ohne Leiter zu sein sondern Monitor) gleichzeitig selber meinen Ansprüchen, was sie betrifft gerecht zu werden (Pünktlichkeit, Ideen, Orga, Planeinhaltung), gleichzeitig immer einen objektiven Überblick über die ganze Sache/ Veranstaltung zu haben, sie im Blick zu behalten, um sie zu evaluieren, trotzdem mittendrin und gleichzeitig Verbesserungen im Hinterkopf zu speichern, und das ganze auf Spanisch, verlangt doch mehr mentale Konzentration als ich mir eingestehen wollte. So bin ich regelmässig um 21 Uhr abends schon fix und alle.

Moschee-Ausblick über Coquimbo und dahinter La Serena

Ich merke wie mich Gott gerade in einen beschleunigten Reifeprozess hineinstösst. Zum Glück habe ich den Pastor immer an der Seite zum Nachfragen, Aussprechen und Klagen. Das ist echt eine Idealsituation. Und immer wieder Geduld üben mit Menschen und Situationen, “ein jedes hat seine Zeit”. Und gerade Zeit oder viel mehr Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ist hier ein großer Thema. Ein Bollwerk einer ganzen Kultur gegen das man kämpft. z.B kann es passieren, dass du eine mdl. Uniprüfung hast um 10 Uhr morgens und sie dir am Abend vorher sagen, dass die prüfung auf Nachmittags um 3 verschoben ist. Schade wenn man da schon was vor hätte.
Wenn also Zeitverzögerung schon vom Staat vorgegeben ist, was soll man da noch ausrichten?
Einiges, denn als Christen sind wir ja dazu aufgerufen, Veränderung zu bringen. Und wenn man mit Einzelnen redet sind sie mit diesem part ihrer Kultur auch unzufrieden. Also sehen wie der Heilige Geist in ihnen arbeitet.

Erleucheter Guille in der Moschee

Fussballstadion und Moschee
Aber ich hatte auch eine kurze Gelegenheit etwas mehr von Coquimbo kennenzulernen: Das Stadium habe ich zusammen mit Gussys fussballbegeistertem Sohn Guille kennengelernt. Im Anschluss gingen wir auf den zweithöchsten Punkt der Stadt, eine Moschee, die eine von den 5 (geplanten) religiösen Punkten der Stadt bildet, von denen aber nur zwei, eine Moschee und ein riesen Kreuz baulich umgesetzt wurden.
Die Moschee ist ein reiner Touristenanzieher. Ich versuchte meine geistlichen Lauscher aufzustellen, empfand aber gar nix. Wir kamen auch nur in den Vorraum, der an die Alhambra in Spanien baulich erinnert- selbe Verzierungen. War nett aber nix herausragendes.
Auch habe ich mit Miguel, einem der Jugendleiter einen Gebetsspaziergang durchs Viertel gemacht. Es ist ein sehr armes Viertel das zum Teil aus besetzten und dann bebauten sehr einfachen Häusern besteht und zur anderen Hälfte aus vom Staat

Pelikane- für die Fischer unwillkommene Gäste

Und es bebte…
Vorgestern, gegen 12 Uhr nachts wurde es sehr laut. Ich dachte erst an einen vorbeitfahrenden ICE, bis mir einfiel, dass es hier gar keine Züge gibt. Ein para Sekunden später fing mein Bett an zu wakeln. Ich überlegte ob ich schreiend rausrenne, aber da mein zimmer nur 10 Grad Zimmertemperatur hatte und ich im Halbschlaf war, entschloss ich mich das Beben im Bett abzuwarten. Nach 10 Sekunden war es auch vorbei. Aber meine Matraze wakelte immer noch einige Sekunden nach. Danach schlief ich endlich ein.
Nichtfühlbare Erdstöße gibts mehr mals die Woche, im Süden mehr als im Norden. Aber auch im Norden gibts mehrjährig kräftig fühlbare Beben, aber zum Glück nicht so stark, dass das Haus einstürzt.

July 7, 2010

Kinderpartyvideo

Filed under: Chile,marco schnell,Praktikum — Tags: , , , , — Marco @ 12:14 AM

Hier das Video zu unserer HAPPY AVENTURA- Kinderparty vergangene Woche. Viele Kinder, viel Lärm, viele glückliche Gesichter!

Kinderparty im sozial schwachen Viertel der Gemeinde in La Serena/ Coquimbo

July 6, 2010

Chile raus, Argentinien raus … :)

Filed under: Chile,marco schnell,Praktikum — Tags: , , , , , — Marco @ 10:01 PM

Mittlerweile habe ich mich an einiges gewöhnt zum Beispiel an “11″- ONCE ist eine Mahlzeit die eig. früher um 23 Uhr eingenommen wurde, also spätes Abendbrot, mittlerweile ist es unser Kaffee-und Kuchenäquivalent geworden. Sie essen es um 17-18 Uhr- eine leichte Mahlzeit mit Kuchenartigem Brot und wenn man will etwas Aufstrich. Dann gibts eigentlich noch das richtige Abendbrot um 22 oder 23 Uhr, aber das lassen viele wegfallen. Da ich in einer arg. Familie lebe ist aber alles anders. Wie schonmal erwähnt essen wir wann auch immer. Freundlicherweise haben sie mir zu liebe aber manchmal schon das offizielle Abendbrot auf 19 uhr gelegt. Sie sind eine echt tolle Familie:)

Am Samstag fand unser von langer Hand (also ab Mittwoch) geplanter JugendGD statt. Er war wirklich aus einem Guß mit viel Multimedia, was dem Pastor sehr gefällt. Es waren einige Jgdl. der Gemeinde da aber auch einige eingeladene. Am Ende des Abends “ich will abhauen (aus meiner Situation)” trafen 10 Jugendliche eine Entscheidung. Dies sollte ein Pilot werden und bei Erfolg mit gleichem Konzept in Schulen und anderen Gemeinden durchgeführt werden.

Vorher freute ich mich natürlich ganz leise für mich über den Deutschland -Sieg gegen Argentinien. Meine Gastfamilie fand das gar nicht so erfreulich und so blieb ich, um nicht auf der Strasse schlafen zu müssen, verhalten :)


Chiles letzter Sieg in der WM noch groß auf den Strassen Santiagos gefeiert

Sonntag war ich zum ersten mal bei einer echten La Serena- Familie eingeladen. Sie sind wie viele ursprünglich katholisch aber haben irgendwann in einer freien Brüdergemeinde etwas entdeckt was ihnen von der katholischen Kirche unbekannt war: eine direkte Beziehung mit Jesus. Seit dem sind sie in unserer Gemeinde. Sie erzählten mir viel von der chilenischen Kultur, zB dass die nördlichen Bewohner naturgemäss kühler und weniger herzlich sind als die Südlichen und das hier zwischen den Nachbar ungefähr soviel an Beziehung läuft wie in einem Rostocker Plattenbau.

eines der beiden Wahrzeichen Coquimbos

Eine Casino darf natürlich in einer Hafenstadt nicht fehlen

Gestern ist es mir endlich gelungen mal zum Strand vorzudringen und ich habe mich spontan in La Serena verliebt! Schon auf der Fahrt stricht mir die frische Meeresluft um die Nase- wie zu Hause. Die Bucht ist traumhaft, mit leichten Hügeln, aber nicht zu steil zum Fahrrad fahren. Es ist gibt den La Serena Teil, der zwar ziemlich voll von Hotels ist, aber daneben, der Hafenbereich (der sich inzwischen zu einer eigenen Stadt entwickelt hat) heisst Coquimbo und ist einem Fischerdorf gleich. Die Häuschen sind herrlich verschlafen und mir eröffnete sich die Vision was hier für ein touristisches Potential liegt. Direkt am Strand kann man grad gefangene Muscheln kaufen (auf die ich jedoch aus Geschmacksgründen verzichtete). Abends zum Sonnenuntergang habe ich mich nochmal auf den Weg gemacht, da der Strand mit dem Fahrrad nur etwa 10 Minuten entfernt liegt. Und das ist dabei herausgekommen.

Ein Traum von Sonnenuntergang

Möven gibts hier auch und Pelikane


Besuch in DER Santiagoer Kaschemme “Die Läusebude” – echt urig und Deutschland gewinnt grad im Hintergrund

July 3, 2010

Schon seit einer Woche in La Serena

… und immer noch nicht am Strand gewesen. Ist ja fast wie in Rostock.
Das schöne ist: die Leute sind auch hier sehr freundlich, wenn auch alles nicht ganz so familiär ist wie in Santiago. Die Leute haben mich hier gleich am dem ersten Tag zu sich eingeladen, mal zum essen oft aber auch gleich zum übernachten. Das freut einen erstmal, aber muss sich dann in der Praxis beweisen was ernst gemeint ist.

Chiles letzter WM-Sieg in Santiago gefeiert

Santiago im Siegestaumel

Noch auf den vorletzten Tag konnten wir den letzten Sieg Chiles im Worldcup miterleben und merken wie ausgelassen man hier so etwas feiert. Ganz im Gegensatz zum letzten Spiel was wir live in der Gemeinde anschauten. Danach durften wir Taschentücher reichen. Wir brachten viel Mitleid auf dafür dass ich Deutscher und der Pastor Argentinier ist :)

Chile verliert jede Hoffnung auf den Worldcup und wir leiden mit

Heute machten wir ein Kinderfest. Mehrere Gruppen bereiteten kleine Stände mit spielen und Preisen vor: Süßes, Schulsachen, Kleinigkeiten, Spielsachen. Sie sammelten das ganze Jahr Punkte und konnten sie nun umtauschen. Ungefähr 3 Stunden lang. So lernte ich die Mehrheit der Gemeinde kennen; Die Erwachsenen und die älteren Jgdl. bereiteten die Stände vor und die Kids kamen um sie zu die genießen. Die Arbeitszeit legt sich hier meist auf Abend und Nacht: die Vorbereitung für das Kinderfest an 2 Abenden so bis Mitternacht, Gebetsabend bis um 10, Kleingruppen bis irgendwann. Dafür gibt’s Tagsüber kaum Aktivitäten. Auch die Kinderaktivitäten  finden von 17 Uhr bis 20 Uhr statt.

Essen tut man hier, wenn grad Zeit ist. Frühstück je nach Tag zwischen 7.30 und 10 Uhr, mittag zwischen 13 und 16 Uhr und Abendbrot zwischen 20 Uhr und Mitternacht. Es ist einfach super, so spar ich mir manchmal einfach das Essen.
Fernseher läuft hier meistens, was aber auf den Fussball zurück zu führen sein kann.

Vorbereitung unseres Standes "Schreibwarenladen"

Alle Mitarbeiter vor dem Kidsansturm

Heute war Pastorentreff sind zwar alle von freien Gemeinden aber weniger charismatisch. Sprachen viel über den Einfluss, den die Kirche auf die Politik nehmen sollte. Sie senden dazu einen aus dem Pastorenrat zum „Bischofstreffen in Santiago“, damit auch der Norden ausreichend respräsentiert wird. Sie versuchen dort eine Konsensstimme zu bestimmten Problemen zu finden, die sie dann der der Politik repräsentieren. Gute Strategie. Gibts sowas auch in Deutschland?

Die Kinder sind DAAAAA

Kurioses: Die Chilenen sind viel ruhiger, bescheidener und zurückhaltender als die Arg. Das merkt man sogar an der Fahrweise. Bei den Arg. Muss man rennen um lebend über die Strasse zu kommen, die Chilenen warten lieber auf den nächsten Fussgänger bevor sie fahren