Nachdem nun endlich die Fussball-WM zu Ende gegangen ist, ist eine gewisse Normalität in den Gemeindealltag eingekehrt.
Sollte man meinen…
Zum Abschluss des letzten Spieltages gabs hier eine partielle Sonnenfinsternis, die aber so partiell war, dass man sie gar nicht wahr genommen hat. Schade.

Das Einzige was hier finster ist, ist Miguel im Vordergrund
Ferien auf Chilenisch
Seit Montag sind hier aber die Ferien ausgebrochen und das bedeutet: der ganz normale andere Wahnsinn. Wir haben jeden zweiten Tag eine Veranstaltung für die Teens: von Fussball am Strand, über einen Essensverteileinsatz auf der Strasse bis X-tra-Spezial-Party in der Gemeinde. Doch Gussy, unser Pastor hat sich noch einige Spezialaufgaben für mich ausgedacht. So darf ich den Jugendleitern “in ihrer Organisations- und Arbeitsform helfend dienen.” Heisst auf gut deutsch: Mentoring.
Das ist ein sehr großer Vertrauensvorschuss von allen Seiten und ich fühle mich sehr geehrt, gerade weil ich so etwas NOCH NIE GEMACHT HABE! Sie anzuleiten (ohne Leiter zu sein sondern Monitor) gleichzeitig selber meinen Ansprüchen, was sie betrifft gerecht zu werden (Pünktlichkeit, Ideen, Orga, Planeinhaltung), gleichzeitig immer einen objektiven Überblick über die ganze Sache/ Veranstaltung zu haben, sie im Blick zu behalten, um sie zu evaluieren, trotzdem mittendrin und gleichzeitig Verbesserungen im Hinterkopf zu speichern, und das ganze auf Spanisch, verlangt doch mehr mentale Konzentration als ich mir eingestehen wollte. So bin ich regelmässig um 21 Uhr abends schon fix und alle.

Moschee-Ausblick über Coquimbo und dahinter La Serena
Ich merke wie mich Gott gerade in einen beschleunigten Reifeprozess hineinstösst. Zum Glück habe ich den Pastor immer an der Seite zum Nachfragen, Aussprechen und Klagen. Das ist echt eine Idealsituation. Und immer wieder Geduld üben mit Menschen und Situationen, “ein jedes hat seine Zeit”. Und gerade Zeit oder viel mehr Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ist hier ein großer Thema. Ein Bollwerk einer ganzen Kultur gegen das man kämpft. z.B kann es passieren, dass du eine mdl. Uniprüfung hast um 10 Uhr morgens und sie dir am Abend vorher sagen, dass die prüfung auf Nachmittags um 3 verschoben ist. Schade wenn man da schon was vor hätte.
Wenn also Zeitverzögerung schon vom Staat vorgegeben ist, was soll man da noch ausrichten?
Einiges, denn als Christen sind wir ja dazu aufgerufen, Veränderung zu bringen. Und wenn man mit Einzelnen redet sind sie mit diesem part ihrer Kultur auch unzufrieden. Also sehen wie der Heilige Geist in ihnen arbeitet.

Erleucheter Guille in der Moschee
Fussballstadion und Moschee
Aber ich hatte auch eine kurze Gelegenheit etwas mehr von Coquimbo kennenzulernen: Das Stadium habe ich zusammen mit Gussys fussballbegeistertem Sohn Guille kennengelernt. Im Anschluss gingen wir auf den zweithöchsten Punkt der Stadt, eine Moschee, die eine von den 5 (geplanten) religiösen Punkten der Stadt bildet, von denen aber nur zwei, eine Moschee und ein riesen Kreuz baulich umgesetzt wurden.
Die Moschee ist ein reiner Touristenanzieher. Ich versuchte meine geistlichen Lauscher aufzustellen, empfand aber gar nix. Wir kamen auch nur in den Vorraum, der an die Alhambra in Spanien baulich erinnert- selbe Verzierungen. War nett aber nix herausragendes.
Auch habe ich mit Miguel, einem der Jugendleiter einen Gebetsspaziergang durchs Viertel gemacht. Es ist ein sehr armes Viertel das zum Teil aus besetzten und dann bebauten sehr einfachen Häusern besteht und zur anderen Hälfte aus vom Staat

Pelikane- für die Fischer unwillkommene Gäste
Und es bebte…
Vorgestern, gegen 12 Uhr nachts wurde es sehr laut. Ich dachte erst an einen vorbeitfahrenden ICE, bis mir einfiel, dass es hier gar keine Züge gibt. Ein para Sekunden später fing mein Bett an zu wakeln. Ich überlegte ob ich schreiend rausrenne, aber da mein zimmer nur 10 Grad Zimmertemperatur hatte und ich im Halbschlaf war, entschloss ich mich das Beben im Bett abzuwarten. Nach 10 Sekunden war es auch vorbei. Aber meine Matraze wakelte immer noch einige Sekunden nach. Danach schlief ich endlich ein.
Nichtfühlbare Erdstöße gibts mehr mals die Woche, im Süden mehr als im Norden. Aber auch im Norden gibts mehrjährig kräftig fühlbare Beben, aber zum Glück nicht so stark, dass das Haus einstürzt.