June 25, 2010

Eine Woche in Santiago de Chile

Filed under: Chile,Praktikum — Tags: , , , , , , — Marco @ 7:26 PM

Wir kamen nicht in an in Chile, wir wurden hineingesogen; in die Stadt, das Leben, die Gemeinde. Nach unserer um einen Tag verspäteten Ankunft in Chile wegen Schneefalls auf dem Grenzpass stiegen wir am darauffolgenden Tag gleich mit einem Abend mit den Jugendleitern ein

Gott wirkt im Gehen

Nico- mein Kompanion und ich teilten uns auf; ich erzählte Zeugnisartig (weil das das einzige ist was ich bis jetzt auf Spanisch kann) und er unterlegte einen kurzen Bibelteil. Die Jugendleiter waren sichtlich berührt, irgendwas von Gott war im Raum spürbar.
Das verstärkte sich, als wir zwei Tage später zum gemeinsamen Gebet zusammenkamen. Gott war spürbar unter uns und einige erlebten zum ersten Mal eine tiefe Begegnung und Berührung durch den lebendigen Gott, die sich bei jedem anders ausdrückte.

Lobpreis beim Jugendgottesdienst

Es war wunderbar zu erleben wie Gott uns seine Gegenwart und Liebe spüren ließ und ich lernte wie kraftvoll es ist wenn wir den Namen Jesus proklamieren.
Auch durfte ich am Jugendgottesdienst Einblicke in das Geben, was hier „das wahre Lebens eines Missionars“ nennen, geben. Auch wenn ich mich nicht als solcher fühle, konnte ich ihnen doch ein paar Erlebnisse davon weitergeben, wie Gott mich den ganzen Weg bis nach Argentinien und Chile geführt hat und das auf Gottes natürlich- übernatürliche Art.

Aufs Dach gestiegen- Ausblick auf die Anden hinter unserem Haus

Ich lernte auch eine Missionsfamilie aus Deutschland kennen, die seit vielen Jahren hier als im Missions- und Gemeindedienst tätig sind und sie konnten mir einige wertvolle Tipps zu meinem Aufenthalt in Chile geben.
Leider habe ich ausser beim aus dem Fenster sehen nicht viel von den Anden oder auch dem Zentrum Santiagos mitbekommen, ausser durch einen Kurzbesuch in einer touristen-berühmten Gaststätte „Die Läusebude“.  Das Essen war typisch chilenisch, mit einer doppelten Portion Schweinesteak. Parallel konnten den dieswöchigen deutschen Fussballsieg genießen.

Mehr ein halbes Schwein als ein Eisbein in der "Läusebude"

Auch das gehört hier zur Kultur- Fussball über alles. Wenn Chile spielt, steht alles still. Leute hören auf zu arbeiten, die Schüler bekommen frei, oder einen Fernseher ins Klassenzimmer.
Soviel Fussball wie hier habe ich noch nie geschaut. Dieses Land verändert einen wirklich :)

El Mercado- alles vom Meer

Der Höhepunkt der Woche war für mich der Bandworkshop, den ich gestern abend für die Jugendband gegeben habe. Hat mich zwar viel überwindung und zwei Tage Vorbereitung gekostet, ist dann aber doch besser gelaufen als erwartet. Ich denke die Jugendlichen haben das meiste  nicht nur verstanden sondern auch aufgenommen. Dadurch fällt es mir sehr schwer die Leute hier wieder zu verlassen und mich auf den Weg nach Coquimbo/ La Serena einer Stadt im Norden und somit meinem eigentlichen Praktikumsort zu machen. Ich bete, dass Gott die Jugendlichen weiter so persönlich berührt und leitet, so dass sie auch Auswirkungen auf Menschen ausserhalb der Gemeinde haben. Ein Jugendlicher hat voller Begeisterung die Mutter seiner Freundin zum Gottesdienst eingeladen, die sonst immer freundlich abgelehnt hat. Wenn Gott den Mut schenkt und Herzen berührt, wer kann da widerstehen.

Hier ist irgendwo die Gemeinde versteckt

Sonnenuntergang über Santiago

June 19, 2010

Zweiter Versuch über die Anden

Filed under: Argentinien,Chile — Tags: , , , , — Marco @ 2:22 AM

Dienstagmorgen um 8 erfuhren wir auf Anruf, dass wieder erwarten der Pass schon frei sei und der Bus in 1 1/2 Stunden fahren würde. Wir machten uns so schnell wie möglich auf den eiskalten Weg und um 9 waren wir an der Bushaltestelle.

Diesmal schaffen wir es wirklich da hinten hinüber

Durch die vielen Um und neubuchungen der vergangenen Tage kamen wir erst um 11 los. Dafür kamen wir gut durch bis zum Pass. Um 14 Uhr dort angekommen, mussten wir erstmal aus Arg. auschecken. Das kostete mich erstmal 60 Euro, weil mein Visum schon abgelaufen war. Das wusste ich auch vorher, aber ein neues in Cordoba zu beantragen, wär mindestens genauso teuer gewesen wenn nicht mehr. Für die Argentinier ist dass auch kein Drama. Man bezahlt halt eine “Multa” was aber mehr als Ausreisegebühr gesehen wird und damit hat sichs.

Oben angekommen

Vom Geld erleichtert, aber auch, dass mir nichts schlimmeres wiederfuhr, stempelten sie uns in Chile ein. Wir stiegen wir in den Bus und stiegen 2 m weiter wieder aus mit all unseren Taschen und Koffern um sie zu verzollen. Nachdem nach 2 Stunden wieder alle im Bus waren, warteten wir erneut 20 Minuten, fuhren im Kreis und wieder in die Zollstation. Warum, das erfuhren wir erst später. Wir mussten alle erneut raus und unsere Gepäcke bestätigen, weil eine Frau mehr einführte als erlaubt und wahrscheinlich halb illegal versuchen wollte ihre Sachen in Chile zu verkaufen. Das brachte mit sich, dass wir weitere 3 Stunden warteten. Mittlerweile war 18.30 und ein Ende ist nicht abzusehen. Angefangen zu schneien hatte es auch schon wieder.
Gegen 19 Uhr entschied sich der Busfahrer die Frau mit ihrem Mann dort zu lassen und zu fahren, wenn wir eine Aussage bei seinem Arbeitgeber für ihn machen, dass er richtig gehandelt hat (da alle auf ihn eindrangen, endlich zu fahren) da die Frau gegen ihn klagen könnte, weil sie ihn dort zurück ließ.

Santiago, an die Anden angelehnt.

Um 21 Uhr kamen wir endlich in Santiago de Chile am Busterminal an, wo unser Pastor Juan mit seiner Frau Ruth auf uns wartete
Im Haus warteten ausser seinen 2 fast erwachsenen Kindern noch zwei andere Jugendliche, die schon fast zum Inventar gehören. Die Philosophie des Pastors ist, so viel Zeit mit den Leitern der Jugendgruppe zu verbringen, wie möglich. So fanden seit dem ersten Tag auch fast täglich Planungstreffen, Vorbereitungstreffen oder einfach- so- Treffen statt.
Abends aßen wir dann gegen Mitternacht (wie seitdem fast jeden Abend) Abendbrot und ich versuchte mich an den für mich neuen Akzent zu gewöhnen, andere ihre hohe Sprachgeschwindigkeit und komische Sprachmelodie.
Ach ja: und hier zieht man, wenn man ins Haus kommt, die Jacke an, nicht aus, weil es eiskalt ist. Es gibt zwar auch hier kleine Gastheizlüfter aber die decken ungefähr 2 m ab, dahinter ist Winter.

Kaum frieren dank dicker Winterjacke und einigen Decken

Überfahrt nach Chile fällt ins Wasser oder in den Schnee

Filed under: Argentinien,Chile,EMPI — Tags: , , , , , , , , — Marco @ 2:07 AM

Am vergangenen WE waren wir in einem MegaDöner-Laden Dürüm essen. Der Eigentümer ist ein Deutscher und ein Deutsch-Türke. Er meinte es sei schwierig denn Cordobaern neues Essen einzuführen, besonders weil Fastfood eher was für Mittag ist und die Bar abends auf hat.
Er lud uns auch für das Deutschlandspiel am nächsten Tag ein, aber das verbrachten wir doch bei Julia und ich entdeckte erstmals eine Art Leidenschaft in mir für Fussball und Begeisterung bei den 4 deutschen Toren. Wahrscheinlich weil die anderen beim Argentinienspiel so ausgeflippt sind, dachte ich dass ein bisschen Nationalstolz kann nicht schaden.

Jugend-GD mit über 1000 Leuten am Abend des Fussballsieges Argentiniens

Das lernte ich auch von Gottesdienst in besagter Gemeinde wo der GD mit zig Vuvuzelas eingestimmt wurde un ein ehem. Nationsspieler predigte. Die Stimmung im GD liess sich wirklich mit dem in einem Stadium messen, aber Fussballer, der mit seiner Natürlichkeit begeisterte, wies uns schnell darauf hin: Fussballsieg ist gut, Jesus Sieg am Kreuz ist besser. Amen dazu.
Da wir lange ausgeschlafen haben und anschließend selbstgemachte Nudeln und Salsa dazu machten, blieb nicht mehr all zu viel vom Tag übrig.

Warten vor dem Gasheizer (das rote) aufs Tor von Argentinien

Abends um 9 saßen wir schon im Bus nach Santiago. Leider kamen wir nur bis an den Fuß der Anden, dann stoppte uns die Polizei- der Pass sei verschneit. Wir warteten noch 2 Stunden und beteten für ein Durchkommen, aber gegen 12 traten wir doch die Rückreise an. Zurück in Mendoza könnten es bis zu 3 Tagen Zwischenstop werden und wir haben noch keine Unterkunft.
Nach Ankunft in Mendoza haben wir eine Stunde gebraucht, um eine Übernachtungsttelle aufzutun. Zur Auswahl standen die Eltern unseres chilenischen Pastors, das lokale JMEM Haus (dessen Leiter ich vom Missionarstreffen im Januar kenne) und ein halbwegs teures Hostel. Den Zuschlag bekamen, wegen schneller Verfügbarkeit, die Eltern von unserem Pastor. Auch da zeigte sich Gottes Freundlichkeit, denn anfangs hatten wir keine Ahnung wo wir bleiben sollten.
Als wir auf den Zubringerbus warteten bot uns jemand an, uns mit seinem Auto hinzubringen. Das sind sogenannte illegale Taxis, weil sie offiziell keine Taxizulassung oder Versicherung haben und keinem Taxinetz angehören. Die Fahrer machen das meist nebenberuflich. Da er nur 6 Peso pro Person haben wollte, ließen wir uns nicht lumpen. Natürlich meinte er, als wir ankamen, dass ja eigentlich unser Gepäck Übergepäck wäre und 6 Peso sowieso ein Geschenk, also wenn wir ihm ein bisschen mehr geben wollten, hätte er nichts dagegen. Da wir auf Manipulation generell allergisch reagieren, lehnten wir seine freundliche Einladung ab und ließen ihn vergnazt seines Weges ziehen.

Morgenröte auf die Anden

Wir wurden im Elternhaus des Pastors freundlich willkommen geheissen und verbrachten den Rest des Nachmittags mit vor- sich- hindösen und Fussball schauen (soviel Fussball wie in den letzten 4 tagen habe ich die letzten 4 Jahre nicht geschaut) und mit Gesprächen. Ich erkundete dann noch die Nachbarschaft, was wenig ereignisreich verlief.
Ich fragte Nico (mein Teamkollegen) wie man sich hier für (von uns aufgedrängte Gastfreundschaft) bedankt. Aber er meinte, es gibt keine Formel, jede Familie oder Freund ist anders. Einigen hilft man bei den Alltäglichkeiten, andere lädt man zu Essen ein, einem anderen kann man was hinterlassen oder einfach auch gar nichts. Na da können wir uns ja was aussuchen. Der Vater baut grade Teile des Hauses um… Nachtigall ick hör dir trapsen.
Wir stellten uns darauf ein 1-5 Tage zu bleiben, je nach Schneefall auf dem Pass. Das wäre nicht so tragisch, denn Mendoza ist eine wunderschöne Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. So plante ich schon mal den morgigen Tag mit Besuch eines der größtes Parks Argentiniens, doch es sollte anders kommen.

June 11, 2010

Letzte Tage in Córdoba

Filed under: Argentinien,EMPI,Persönliches — Tags: , , , , , , — Marco @ 2:12 AM

Wir haben eine lustige Woche “Recreacion con proposito”= Erholung mit Ziel, erfolgreich hinter uns gebracht und sind jetzt sehr erholt.In Wirklichkeit gings darum spielerisch mit viel Kreativität Botschaften zu vermitteln z.B. Teamplay ist besser als ein Gewinner und viele Verlierer, integrieren statt ausschließen usw.

Wir entwickeln ein neues Wort und stellen es tänzerisch da...


Innerlich wehrte ich mich natürlich extremst Spass zu haben, aber irgendwann überkommt es einen und ein bisschen Freude kommt dann doch auf.
Da wir eine verkürzte Woche hatten, war der Spass jedoch schon am Mittwoch vorbei.
Heute war aufräumen, sauber machen und Abschied nehmen angesagt. Die ersten beiden Dinge gingen noch.
Als sich so ca. die Hälfte verabschiedet hat, wurde mir plötzlich bewusst, dass es hier ganz schön leer ist. An sich ist das ein Vorteil: weniger Lärm, nicht so viele Zusammenstöße mit Leuten auf den Wegen, nicht so viel Hängen-Bleiben mit Leuten, wenn man grad dringend auf die Toilette muss.
Natürlich fiel den meisten 2 Minuten vorm Losfahren ein, dass sie ja noch schnell das EMPI Video von mir haben müssten. Ach ja und dann mussten wir noch schnell dass Missionsopfer, das wir in unseren letzten Gottesdiensten eingesammelt haben, gerecht auf die Teams aufteilen, damit diese es weiterleiten. Natürlich fehlten 3 Peso (50 cent). Und ICH bin Kassenwart. Ich wusste schon warum ich den Bankerjob an der Nagel gehangen habe.

Murga Porteña- Wilde Tanzeinlage nach einem Stil aus Buenos Aires

Nachdem dann nun die Mehrheit zig mal gedrückt und verabschiedet wart, wurde mir klar: “jetzt gehts wirklich auf nach Chile.” Oh je!
Neuer Kultur-Menschen-Gemeinde-Umfeld-Zimmer-Essen-Wetter-Landschaft-Sprachschock!
Mir Josua 1,5 immer wieder vor Augen zu führen, hilft dem mutig entgegen zu sehen: “Ich will dich nicht verlassen, noch von dir weichen.” Und auch zu wissen, dass so viele von euch mitbangen und mitbeten, stärkt mich. Danke euch.

Tanz dich freudig

Noch zwei Tage sind wir in Cordoba, und zwar um Anstoss zu nehmen. Ja, klar am Samstag wenn alle argentinischen Augen gespannt auf Südafrika schauen, weil Argentinien sein erstes Match hat.
Sonntag gehts dann aber wirklich los und Montag kommen wir in Santiago an.

June 9, 2010

Gottesdienst mit Überraschungen

Filed under: Argentinien,Persönliches — Tags: , , — Marco @ 3:43 PM

Nach einem sehr langen Jugendabend (bis 3 Uhr nachts wegen der Gemeinschaft),  erhoben wir uns mehr oder weniger flüssig gegen 9 und waren nach sparsamem Weissbrot mit Marmeladenfrühstück tatsächlich um 10 Uhr in der Gemeinde, zusammen mit 5 anderen Leuten. Heute stand unsere Aussendung an. Sergio, mein Pastor empfing mich freudestrahlend und ich freute mich, dass er sich freute. Dies sollte sich schnell ändern.
Er fragte ob ich nicht Gitarre spiele? „Manchmal schon“. „Ja dann kannst du ja in der Band mitspielen, weil unser Hauptmusiker ist ausgefallen, wir haben nur die Sängerin und den Drummer.“ Mensch wat ne Ehre mag man jetzt denken. Ich fragte nur „klar, wann fängt denn der GD an?“ „Jetzt!“
Das war gelogen, tatsächlich hatten wir noch etwa 10 Min. um alle Lieder durchzusehen und festzustellen dass ich 5 nicht mal vom Hören-Singen kenne und die anderen vom Hören und mal singen. Gute Vorraussetzungen. Aber macht nix, denn die Leiterin gab mir sogar die Tonart. So, dass musste reichen, denn schon fing der LP an, oder der, der es werden sollte.
Er wurde eine Katastrophe, zumindest für mich. Gott kann ja alles zum Guten wenden, aber hierbei dürfte er es schwer gehabt haben. Irgendwie gegen Ende der LP-Zeit fand ich auch sowas ähnliches wie die richtigen Akkorde. Dann kam die Predigt, aller Stress fiel von mir ab und ich schlief fast ein, aber nur solange, bis ich wieder auf die Bühne geschleift wurde, für weitere unbekannte Lieder. Die innerlich lauernde Frage „Warum bin ich bloss schon um 10 gekommen?“ habe ich innerlich schon abgeschrieben.
Schließlich wurden wir offiziell von der Gemeinde ausgesandt und gesegnet. Ich wollte grad auf meinen Platz schleichen, als der Pastor meinte „Nee nee, Marco noch nicht, wir brauchen deinen DIENST doch nochmal“ Ich war nicht sicher ob er nicht eigentlich DEMÜTIGUNG gesagt hatte. Der Schluss klappte dann einigermassen, denn ich kannte die Lieder wenigstens. Halleluja.
Nach vielen Umarmungen, Beküssungen und Verabschiedungen von vielen Gemeindegliedern, die ich vorher noch nie gesehen habe, gelang es mir endlich  zu fliehen.

Next Page »