April 27, 2010

Kein Unterricht…

Filed under: Argentinien,EMPI,Homepage — Tags: , , — Marco @ 10:28 PM

…und so gab uns Marcelo eine Aufgabe- bis morgen 50 Seiten unseres 170-Seiten Kursheftes „Einführung ins neue Testament“ durcharbeiten. Wenn das die Einführung ist, wie wird dann der Hauptteil? 20 Seiten habe ich in 4 Stunden geschafft, dann war Sabbat in meinem Kopf.
In der Mittagspause sprach ich mit Charlene- unserer Chilenin. Sie erzählte mir, wenn ich zum Praktikum nach Chile gehe, sollte ich mich besonders vor einem hüten: Kritik zu äußern und ganz besonders nicht von „Weitgereisten“. Kritisieren tun sie dort eigentlich nicht und wenn dann nur um 5 Ecken. Das trifft sich ja gut mit meiner zurückhaltenden Art. Aber immerhin mögen sie Deutsche, sagt sie.

Studium in den letzten warmen Sonnenstrahlen

Wir tauschten uns auch darüber aus, dass wir uns immer wieder fremd fühlen und sogar sie Sprachschwierigkeiten hat, weil es hier sprachliche Eigenarten gibt, die sie nicht kennt und so muss sie manchmal genauso nachfragen, was ein Wort bedeutet, wie ich. Einige „Eingeborene“ wollten ihr daher schon ein Spanisch-Deutsch Wörterbuch schenken :)
Sie verweigerte sich auch unseren Test, den wir am Freitag schrieben, zu bewerten, da sie keinen Anhaltspunkt hat, wie sie das tun sollte und nach welchem Maßstab (wir sollten uns selbst benoten). Ich habs mir leicht gemacht und mir meinen eigenen Maßstab angelegt. Das Ergebnis steht noch aus.

April 25, 2010

Obdachlosenspeisung und Kinderattacke

Filed under: Argentinien,EMPI,marco schnell,Praktikum — Tags: , , , — Marco @ 8:41 PM

Morgens um 8 gings mit Hugitos Auto Richtung „1. Bautistas“, meiner neuen Praktikumsgemeinde , die seit 10 Jahren Samstag Frühstück und Mittag für Obdachlose anbietet.
Ich war sehr gespannt und hatte mir in meiner Vorstellung schon die wildesten Typen ausgemalt. So war ich sehr erstaunt, dass ich relativ normal gekleidete, gut rasierte und frisierte „Penner“ antraf. Kein Fuselgeruch o.ä. Das ist dort auch verboten.
Interessant war zu sehen, dass einige sich gleich mit anderen zusammenfanden und schwatzten, andere bis zum Ende solo am Tisch blieben. Es waren fast alle Altersgruppen vertreten vom ca. 18 Jährigen bis zum 60 jährigen. Die Mehrzahl unserer Gesamt ca. 65 Gästen (etwa 90%) war männlich. Frage mich warum? Keiner hat mich um Kohle oder ähnliches angebettelt, was normalerweise zum Standardprogramm gehört, ganze besonders weil ich als neuer „Helfer aus Deutschland“ angesagt wurde.
Wir verteilten an jeden 3 Stücken Weißbrot und jede Menge Mate Tee. Im Anschluss an die Nahrung für den Körper kam die für den Geiste. Es gab eine kurze Andacht und Gebet im Anschluss, was unser Koch leitete. Die meisten beteten mit, einige unter ihnen sind auch Christen. Das ganze Küchenteam besteht fast nur aus Peruanern und einigen ehemaligen Obdachlosen, die jetzt mithelfen. Das Team ist echt familiär und warmherzig und ich kam schnell rein.
Ich konnte auch mit einem Mann sprechen, der vor 6 Jahren seine Frau und Kinder durch einen Sturm der ihr Haus zerstörte und sie begrub, verlor. Er meinte, dass es auf der Strasse nur Egoisten und keine „Brüderschaft“ o.ä. gäbe, weil jeder um sein eigenes Überleben kämpft. Das macht es sehr schwer jmd. zu vertrauen. Nächste Herausforderung ist, einen Job zu finden. Die meisten Arbeitgeber lehnen dich ab, wenn du keinen festen Wohnsitz hast, weil sie denken, dass du als Obdachloser auch eine kriminelle Vergangenheit haben musst. So kommt man aus diesem Kreislauf der Strasse nur sehr schwer wieder heraus. Aber es lässt sich auch gut über-leben, denn in der Woche bekommen sie in der katholischen Kirche essen und dort können sie wohl auch übernachten.
Facu-meine zweite Teamhälfte (und kein Schimpfwort, wie der eine oder andere denke möchte) war zwischenzeitlich immer mal wieder verschwunden, was mich sehr nervte weil ich mich sehr unsicher fühlte, was als nächstes folgte, an wen ich mich wende, was ich tun soll. Unser Koch ist wohl mehr oder minder der direkte Leiter und sehr sympathisch und so konnte ich wenigstens durch nachfragen herausfinden ob und wo ich helfen kann.

Reise nach Jerusalem auf Spanisch

Mittags gabs Nudelsuppe mit Hühnerhalsstückchen und Leberteilen. Erst für unsere Gäste, dann für uns.
Nachdem das Mittag verdaut, alle Teller, Töpfe und Tassen abgewaschen waren, merkte ich, wie ich ans Ende meiner geistigen Kräfte angekommen war und unbedingt ne Schlafpause brauchte. Da wir nur wussten, dass wir um 15 Uhr zur Kinderstunde abgeholte wurden, blieb mir ca. 1 Std. auf ner harten Bank, die ich aber in vollen Zügen genoss und auch das hin- und hergeschiebe von Bänken, Stühlen und allem anderen der Putzfrau und die lauten Gespräche in der Küche ignorierte.
Noch halb benommen kratzte ich mich kurz vor 3 zusammen, denn Facu war inzwischen auch von seine Stadt-Spaziergang zurück. Irgend ein alter Mann setzte uns in seinen Minitransporter mit noch zwei anderen Mädels und einem jungen Mann- die sich als Pastorenkinder herausstellten und als Kindermitarbeiter.

Neue Kinder-neues Glück?
Nach ner ¾ Stunde Fahrt kamen wir an, in einem Mittelklasse-Stadteil in dem eine Oma ihr Haus für Kinder geöffnet hat. Dort bekammen wir Einladungsflyer in die Hand gedrückt um Kids für die in einer Minute beginnende Kinderstunde einzuladen. Ja wir sind hier spontan in Argentinien! Wir gingen die Strassen ab, aber die Kids waren vom Erdboden verschluckt und an den Häusern an denen wir anklopften gabs fast nie Kinder. Echt komisch. Die Kinder die wir trafen, bzw. deren Mütter waren etwas zurückhaltend, ihre kleinen Kinder mit zwei wildfremden Männern mit gehen zu lassen (verständlicherweise). Trotzdem waren es, als wir anfingen ca. 12 Kids zwischen 5-13 Jahren. Einer der MA fing mit ein paar Liedern und einer biblischen Geschichte an. Die Kinder blieben erstaunlich ruhig (ich stelle mir zum Vergleich immer unsere Toitenwinkler Kids vor). Aber einige waren schon gelangweilt. Danach begann der Pastorssohn mit einer Schitzeljagd, die für Begeisterung sorgte. Da ich NIE einen Plan hatte was als nächstes dran war, noch was von mir erwartet wurde, machte ich so gut mit wie ich konnte. Die Mädels waren in der Zwischenzeit verschwunden und Facu auch und so waren wir mit den suchenden, rasenden Kids allein. Nett.

Irgendwann war auch das geschafft und wir gingen zum Kakao Trinken und Kekse essen über. Mittlerweile war ich mit den Jungs schon warm geworden und sie fragten mich über Deutschland und deutsche Wörter aus. Im Anschluss daran spielten wir weiter einige Spiele und so gingen die zwei Stunden wie im Flug vorbei. Am Ende des Kindertreffs wollten mich zwei Jungs gar nicht mehr gehen lassen, und hingen wie Kletten an mir, das war echt süss und hat mir ein Auftriebsgefühl für den Rest des Tages gegeben.

Einige kommen auch an :)

Wir wurden zurück zur Kirche gebracht (¾ Stunde Fahrtzeit, die ich im Halbschlaf verbrachte) und dort warteten wir,bis endlich der Pastor kam um uns zu sagen wie es weiterging. Wir wussten, dass die Jugendstunde auf dem Programm stand, aber es war immer noch offen wo wir danach schlafen würden. 10 Minuten vor dem Treff,  kam  dann der Pastor und eröffnete uns, dass er keine Übernachtungsmöglichkeit für uns habe und wir wählen können, ob wir gleich mit dem Bus nach Hause fahren oder erst nach dem Jugendabend. Nicht, dass wir uns drauf eingestellt hätten, zu übernachten und morgen an zwei Gds Teilzunehmen und was noch viel schwerer wiegt: Ich hatte ein Mentorengespräch mit Pastor und seiner Frau morgen geplant, weil das ja der einzige Tag ist wo beide können und jetzt sagte er lax, das können wir ja dann auch Montag oder Dienstag bei EMPI machen. Häh??? Ja, wir sind hier wirklich SEHR flexibel in Argentinien
Nach einem vollen Tag also, wo ich mich von einer Minute auf die nächste auf ständig wechselnde Ansagen eingestellt hatte, waren wir endlich gegen 21.30 zu Hause.

EMPI-Gesichter

Filed under: Argentinien,EMPI,marco schnell — Tags: , , — Marco @ 5:52 PM

Zu meinen tollen fast täglichen Geschichten, die das EMPI Leben schreibt, gibts jetzt endlich auch ein paar Gesichter unserer Heldinnen und Helden (auf Spanisch: Heroes und Heroina- also hat nix mit dem zu tun was ihr denkt):

April 23, 2010

Prüfung ohne Vision

Filed under: Argentinien,EMPI,marco schnell — Tags: , , — Marco @ 8:01 PM

Gestern gabs zum ersten Mal richtiges Lernen für „Kirche mit Vision“. So merkte ich, wie schwer mir richtiges Büffeln von Definitionen und Tabellen in Spanisch schwer fiel, insbesondere wenn m.E. dieselben Sachen immer nur mit anderen Worten ausgedrückt wurden. Es blieb kaum was hängen. In der darauf folgenden Prüfung merkte ich dann auch, dass ich mich noch weiter hätte bilden sollen, und nicht nur auf Definitionen stützen, da unser Prof auch Inhalte von Lückentexten die wir im Unterricht füllten, abfragte. So schlug ich mich mehr schlecht als recht. Der Witz aber war, dass wir unseren Test selber im Anschluss bewerten sollten mithilfe unseres Heftes und auch eine Note geben. Dabei gab er keinerlei Vorgaben für Bepunktungen der Fragen was das ganze für mich etwas irre machte. Aber immerhin schaut er nochmal drüber. Bis jetzt bin ich mit 66% nach meiner eigenen Einschätzung durchgekommen. Mal sehen, ob er es auch so sieht.

Meine Matraze, mein Bett UND mein Heizlüfter!

Nebenbei habe ich auch unser neues Keyboard endlich mal ausprobiert (neu bezieht sich auf- „wir habens neu“, es ist ein altes Casio) und auch gleich hassen gelernt. Von beiden Lautsprechern funktioniert einer und Anschlagdynamik kennt es leider auch nicht. Aber es reicht um in unserer gemeinsamen Morgenandacht Lärm zu machen und so wurde ich auch gleich darum gebeten. Durch die Liederherausfind- und Probezeit, konnte ich gleich mal eine Stunde von meiner Lernzeit abziehen. Das hätt ich mir auch schenken können, denn 5 Minuten vor Start der Andacht heute morgen, sagte unser Gitarrenspieler er werde wohl doch nicht spielen (kein Problem!), und ich einigte mich mit Nuchi unserer Leadsängerin, dass sie doch lieber ein Lied für mich am Keyboard übernimmt, weil unser neuer Gitarrist (er kam grad zur Tür rein), das Lied nur in einer anderen Dur kennt. Das nenn ich Flexibilität wie ein Kaugummi. Trotzdem klappte alles recht und wider erwarten gut- das ist ja das schlimme, deswegen lernen sie auch nie aus ihrer Planungslosigkeit. Vielleicht sollte ich planloser werden?

Meine Zimmernachbarn- was alles auf 2x2m passt?

Zimmer
Mittlerweile habe ich mich in unserem neuen (recht kühlen) Zimmer heimlicher (sagt man das so?) eingerichtet und die öden Wände mit allerlei Bildern, Fotos und Postern verschönert. Fühle jetzt etwas mehr, das es „mein Zu Hause“ ist und die anderen haben auch nix gegen meine Zimmerverschönerung. Seit ein paar Tagen haben wir auch einen gemeinsamen Heizlüfter den wir jetzt nur auf zwei Zimmer gleichmässig aufteilen müssen, aber ich profitier jetzt schon mal davon.

Unser "Einbauschrank", daneben Minibüro (eigentlich ein Bad)

Einkauf mit Biss

Filed under: Argentinien,EMPI,marco schnell — Tags: , , — Marco @ 7:49 PM

Was tut man, wenn man nachmittag mal zufällig eine ½ Stunde Zeit hat und das Fahrrad für alle zufällig mal zur Verfügung steht? Richtig, man schnappt es sich und fährt zur „Ruta“ (Hauptstrasse) um sich in kleinen überteuerten Lädchen endlich das notwendigste zu kaufen, was man schon seit einer Woche bräuchte, in meinem Falle etwas Honig, Kekse und natürlich: Möhren :)
Als ich all dies nach zweimaligem Fahren endlich zusammen hatte (mein Irrtum war, dass ich dachte die Mittagspause geht nur bis 16 Uhr, stattdessen machen die Läden irgendwann nach 5 auf. So fuhr ich also zweimal), machte ich den Fehler und wollte noch in den kleine „Minilädsche“ fast direkt vor unserer Haustür.

Wie meistens begrüßten mich die Hunde mit wildem (Freuden?)Gebelle. Ich schlug mich aber durch zur Ladentür. Die war… verschlossen. Ungerührt wollte ich mich auf den Heimweg machen, aber diese Hunde… sie hingen einfach an mir. Leider im wahrsten Sinne des Wortes. Entweder mochten sie mein Fahrrad nicht, oder, das ich nichts eingekauft hatte, denn zu dem Bellen kamen nun Beissversuche. Ich dachte immer, Hunde die bellen, beissen nicht. Ein tragischer Irrtum, denn plötzlich hatte mich einer der Schäferhundverschnitte am linken unteren Bein erwischt. Auch wenn er gleich losliess, hatte meine Hose zwei nette Risse als Andenken und mein eine kleine Bisswunde zurück behalten.

Ganz so schlimm isses bei mir nicht


Daraufhin brüllte ich zu Haus rüber, ob wohl jemand da sei. Eine Oma machte auf und ich näherte mich wieder, denn nun hörten die Hunde auf ihr Komando. Ich zeigte ihr mein Bisszeugnis. Sie war ganz verwundert denn „normalerweise machen die Hunde das nicht“. Klar, ausser bei mir. Ich sagte ihr, sie soll die Hunde festtackern aber sie erwiderte, „das ginge nicht, da doch immer ein paar Burschen rumlungern und da weiss man nie… wegen dem Laden.“ Als ich ihr sagte, dann könne sie mir ja die Hose ersetzen für 30 Euro (das war noch nett geschätzt), zuckte sie zusammen. Und weil ich keine alten Frauen um ihren Spargroschen bringen kann und inskonsquent bin, liess ich es bei ein paar aufgeregten Gesten beruhen und meinte, ich werde dann halt Werbung auf mein Campus machen, für alle die, die schon immer mal „mit Biss“ einkaufen wollten
Zurück gekommen wies mich erstmal eine Mitstudentin darauf hin, ob ichs wenigstens desinfiziert hätte? Hab ich dann auch gleich. Zum Glück hab ich noch eine alte Tetanusimpfung im Körper, so dass ich hoffe mit einem Schrecken davon gekommen zu sein.

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