Liebe Freunde fern und nah
das war wieder mal ein Jahr.
Doch nun ist es schon vorbei,
es kommt ein Neues- einerlei.
Freue mich, dass ihr verweiltet,
das ein und andere mit mir teiltet,
leichtes, schweres, ein ganzes Jahr.
Freunde zu haben -wunderbar.
Darum auch aus der Distanz
freu ich mich an eurem Glanz,
den ihr bringt so in mein Leben,
denn so bleibt auch etwas kleben
von Gottes Liebe, die ist und war
uns ganz sicher – auch im neuen Jahr.
Ich wünsche euch, auch von ganz weit,
dass seine Herrlichkeit euch beschneit
und ihr euch fühlt bei ihm daheim-
und startet fröhlich- ins neue Jahr hinein!
Während meinem enthusiastischem Rasenmähen bei runden 40 Grad, kam ich mit Rica, Marcelos Sohn ins Gespräch darüber ob wir nicht mal ins Kino gehen wollen. 1 Stunde später kam er zurück und berichtete mir, dass ich bei ihm und seiner Frau zum Mittagessen eingeladen bin und wir uns abends “2012″ anschauen können (englisch mit Spanischen Untertiteln). Pablo kam auch mit.
Der Abfahrtszeitraum verschob sich dann von „jetzt gleich um 12.30“ auf „aber jetzt um 13.40“ . Gut, dass ich die Zeit genutzt habe um zu duschen, ein Buch zu lesen und nen Pulli zu stricken.
Die Luftfeuchtigkeit gab mir heute den Rest (muss bei 90% gelegen haben). Nur wenn ich von draussen in mein Zimmer kam, schlug sich schon die Feuchtigkeit nieder auf meiner Haut. Und mein Kreislauf spielte wild.
Bei Rica zu Hause gings dann besser. Wir sprachen über die Wirtschaftskrise und dass sie Argentinien gut getan hat, weil viele europ. und amerik. Firmen nach Arg. outgesourct haben und die Lebensmittelpreise schon wieder gestiegen sind, was gut für die Arg,. Landwirtschaft ist. Hätte ich nicht gedacht. Auch die Arbeitslosenquote sei nur um 2 % gestiegen. Sie liegt jetzt bei 22% und damit etwa so hoch wie in Rostock noch vor ein paar Jahren.
Versuch des Garagendachbaus
Vor Ricas Haus- Wasserstrasse
Eigentlich wollten wir Rica dabei helfen, sein Garagendach zu decken, aber dann fing es plötzlich leicht an zu regnen, so dass wir aufgeben mussten.
Das auf dem Bild ist die Strasse vor dem Haus. Wir tauschten dann noch Musik aus und Rica spielte auf seinem Arg. Instrument – ähnlich der Gitarre (siehe Video) und machten dann noch etwas Lobpreismusik zusammen. Endlich hatte ich hier mal wieder ein Instrument zur Hand. Auf dem ganzen Gelände gibts leider kein Klavier oder Gitarre o.ä.
Iglesia de los Capuchinos- ohne Kaffee leider
sehr Fabenfreudig von den Capuchino-Mönchen gestaltet
Iglesia de los Capuchinos- gläsernes Studentcafé
Dann führten sie mich noch im Studentenviertel der Innenstadt herum in eine sehr schöne Kathedrale und ein ehem. Frauengefängnis was nun ein schönes Museum/ Kapelle ist, drum herum ein gläsernes Café drangebaut.
Sieht gut aus. Nur die Hochhäuser links und rechts, die hauptsächlich von Stundenten bewohnt sind stören das Stadtbild. Auch gibts in Cordoba leider kein Altstadtzentrum, nur einzeln verstreute recht alte Häuser. Nicht weit davon ist der Campus auf dem sich alle Fakultäten antreffen lassen, weit verteilt auf 20 ha Land.
Die Häuser strahlen einen nicht gerade an, aber dafür steht alles in erreichbarer Nähe.
Dann gings ins Kino zu . Fand ich gut, sehr effektvoll und mega-übertrieben. Er war englisch mit spanischen Untertiteln. Es erwischte mich wie ich am Ende des Films wieder kurze Zeit brauchte um umzuschalten und mich zu lokalisieren. Für einen Moment saß ich in nem deutschen Kino. Als ich dann wieder spanisch angesprochen wurde, hatte mein Gehirn für heute schon abgeschaltet und ich konnte kaum noch entsprechend auf meine Mitmenschen reagieren. Dafür waren die Nachmittagsgespräche aber sehr ausgeprägt und hatten sehr viel Konzentration erfordert. Ich merke wie ich dann wenn es mir zuviel wird, innerlich wünsche „lasst mich einfach in Ruhe hier sitzen und sprecht mich nicht an“ was meistens nicht passiert. Ich bringe als Antwort dann oft nur Kauderwelsch heraus, aber manchmal gelingt mit auch ein kleiner Witz- der sogar verstanden wird.
Die Aircon im Kino hat mich fast die Hitze des Tages vergessen gemacht, doch schlug sie unaufhaltsam zu, als wir auf die Strasse kamen. Es sind wohl immer noch fast 30 Grad.
Zum Ausklang des tollen gemeinsamen Abends kaufte Marie dann noch Empanadas, was eigentlich eines der National(vor-)speisen ist (Teigtaschen variabel gefüllt mir Hühnchen o. Fleisch, oder Käse-Schinken) und dann brachten sie mich nach hause.
Dort erwarteten mich um 23.30 noch immer die herumspringenden Jungs und Mädels einer Kinderfreizeit, die sich gerade wohl noch auf eine laute Lobpreiszeit einstellen. So hört es sich zumindest von meinem Zimmer aus an, von der Lautstärke der Musik und der Jungen her. Dies wird wieder eine spannende Nacht.
Trotzdem war ich echt dankbar dass ich endlich mal rauskam und den Tag mit so netten Leuten verbringen konnte.
Morgens konnte ich endlich mit Marcelo und Uta zum Weihnachtseinkäufe machen fahren. Sie setzten mich sogar im Maxi-Supermarkt ab und ich hatte richtig ZEIT mir mal den ganzen Laden BEWUSST anzuschauen und nachzudenken welche Kleinigkeiten ich denn eigentlich so brauche. Schwer beladen holten sie mich dann wieder ab, während sie leichtfüssig daher kamen. Keine Geschenke weiter, das ist hier nicht so üblich. Nur was kleines für die Kinder. Stattdessen jede Menge Asado- Fleisch (einen halben Schweinebrustkorb, Rippchen kann man dazu nicht mehr sagen und größere Teile vom Schaf). Zuhause angekommen machte ich Kassensturz um festzustellen, dass in meiner Brieftasche an der Stelle meiner Kreditkarte gähnende Leere war. Es durchzuckte mich wie ein Blitz: Sie steckt noch im Bankautomaten. Ich sendete sämtliche Stossgebete zum Himmel und stürzte mit Uta ins Auto um noch die kleine Möglichkeit einer Chance wahrzunehmen, sie wiederzufinden. Die Karte war natürlich nicht mehr im Automaten. Wir fragten an der Supermarkt-info und sie verwiesen uns auf den Sicherheitsdienst. Zum Glück konnte Uta der Dame alles viel direkter erklären als ich in meiner Aufgeregtheit. Sie lächelte, griff unter ihren Tresen et violá: Die Karte. Ich glaubte sämtliche Engel in meinen inneren Lobgesang miteinsteigen zu hören. So eine Freude war das.
Der Rest meiner Mittagszeit bestand im kompletten Hausputz (kann man hier wegen der Mischung aus Staub und Matsch vor der Tür fast jeden 2. Tag machen) mit anschließendem Hühnersuppe-Restessen. Da ich heute noch „nichts offizielles“ gearbeitet hatte, dachte ich, ich traue mich mal raus um etwas Rasen zu mähen (das geht ja immer). Stattdessen bat mich Jorge „kurz mal“ mitzuhelfen beim aufstellen eines Eisengerüstes für eine „Quincha“ (ne Mischung aus Überdach-Zelt und Gartenhütte). Klar fass ich gerne mal an, wenns schnell gehen soll. 2 Stunden später hatten wir dann die 8 Pfosten mit den 4 Dachträgern aufgestellt, verschweisst und einbetoniert. Ich mochte nun nicht mehr Rasenmähen.
"Noch etwas Rippchen?"
So pausierte ich etwas und bald war es 21 Uhr. Der Zeitpunkt an dem wir eigentlich mit Marcelos Kindern und deren Familien grillen wollten. Ich schaute also mal vorbei und tatsächlich Marcelo warf gerade den Grill an. Da dachte ich, ich kann mich auch noch etwas nützlich machen und sagen wir mal, Rasen mähen vor dem Haus. So ging die Zeit schneller rum und kurz darauf kam auch Marcelos Sohn Rica mit dessen Frau. Ein gar witziger Vogel, der mir half den argentininschen Wortwitz etwas schneller zu begreifen: „Diesen Wein können wir jetzt nicht mehr trinken, denn es ist spät.“ „Warum denn nicht?“ „Wir müssen ihn morgens trinken, denn es ist ein tempranillo (Früher, Fühe Lese)“ haha.
Das unscharfe Bild ist der späten Stunde geschuldet
Gegen 23 war dann das leckere Asado fertig. Die Kinder waren übermüdet, wir halb verhungert, also beste Vorraussetzungen. Plötzlich hörte ich Schüsse! Doch Uta beruhigte mich, dies sei nur ein Feuerwerk und ab 12 geht’s richtig los, denn da knallen die wie in Deutschland zu Sylvester. Und wirklich; eine halbe Stunde später war im Zentrum Cordoba die Partystimmung ausgebrochen und man sah das Spektakel bis zu uns aufsteigen. Wir knallten natürlich nicht, wir sind ja brav. Gegen halb 2 setzten erste Müdigkeitsanzeichen ein, denn das leckere Eis und der vollmundige Fruchtsalat, der unbedingt zum Heilig-Abend dazu gehört und fast schon eine Bowle ist, waren schon halb verdaut. So endete mein erster Heiliger Abend in Argentinien bei angenehmen 18-20 Grad und vollsten Magen.
Gemeinsamer Tag mit Sammy
Eigentlich wollten wir mit unserem Bademeister in irgendnen schönen Naturpark nahe Cordoba, weil Sammy heute noch da war.
Wer nicht da war, war Senior Bademeister.
Hausboote auf dem Weg nach Villa General Belgrado. Sierra de Cordoba im Hintergrund
Seenlandschaft Südlich Cordobas
Und so entschieden wir uns spontan in das deutsche Vorzeige-und Touristendorf zu fahren- Villa General Belrgado. Wir ließen seine Gepäcksachen gleich am Zentralen Busterminal und fuhren dann 2 Stunden durch echt malerische Landschaft in Richtung Sierra de Cordoba , quasi die Voralpen hier. Es wurde immer grüner um uns, sogar ein paar Nadelbäume gabs (sonst kaum zu sehen). Dann erhob sich ein riesiges Seengebiet vor uns, dass anscheinend durch einen riesigen Damm geschaffen wurde. Sehr beeindruckend.
Im Dorf angelegt, hatte grad alles zur Siesta zugemacht (um 4). Wir liefen auf und ab und unser Magen sank immer tiefer. Die Häuser sehen aus, als seien sie grad letztes Jahr fertig gestellt, einige sind noch am bauen. Und so ganz deutscher Stil (Fachwerk) ist das auch nicht. Man sieht die Bemühungen und es ist schon anders als die normalen Häuser hier. Also würden es die meisten Südamerikaner wohl für Deutsch halten.
Auch haben wir ein paar äußerst alte deutschsprachige Herren hier gesehen, die durchaus so aussahen als ob sie schon gute 60 Jahre hier leben…
typisch deutscher Bierkrugladen
"Rathaus" mit Touri-Info und Aussichtsturm und falscher Stundenglocke
Wir gingen also die Hauptstrasse auf und ab. Es hatten ein paar kleine „typisch deutsche“ Läden auf wie Kuckucksuhrenläden oder Läden wo es T-Shirts mit leicht veränderten Reichsadlern drauf gab, oder „mehr als 27 Biersorten“ (wohl 28) oder Bäckereien wie „Köln“, Restaurant „Frankfurt“ u.a.
Wir fanden dann tatsächlich noch einen Ort zum Essen mit Original deutschen Sandwiches (hauchdünne Schinkenscheibe mit verschwindendem Käse drauf). Dafür waren die Pommes gut.
typisch deutsches Fachgeschäft für Uhren aller Art
Rückfahrt hats in sich
Und schon mussten wir um 19 Uhr zurück, weil Sammys Bus um 22 Uhr vom Terminal in Cordoba fuhr. Es waren echt ein paar tolle Tage mit ihm.
Ich nahm vorher schon meinen Bus „La Tirolesa“ nachdem ich ihn 10 Minuten auf dem Terminal gesucht habe. Es gibt fast 40 Haltestellen und keine Infostelle sagt einem genau wo der Bus ankommt, nur so ca. zwischen Halte 26 und 32 etwa und dann muss man weiterfragen. Ach ja und manchmal verspätet er sich auch, aber das wird dann angesagt. Leider versteht man das nicht. Bei mir war beides der Fall.
Trotzdem fand ich ihn, aber der Busfahrer erklärte mir er fahre erst über „Jesus Maria“ (so heisst ein Ort in der Nähe wirklich) und dann auf der Rücktour hält er in „Villa Retiro“ (wo ich raus muss).
Gut, also stellte ich mich auf mehr als die halbe Stunde Fahrt von gestern ein. Versuchte zu erkennen wo wir waren, aber sah nie die große Halle die an meiner Haltestelle sonst immer ist (das eine Mal vorgestern). Nach knapp einer Stunde wurde mir mulmig und ich fragte doch nach.
Der Fahrer schlug sich an die Stirn und meinte, “da sind wir schon lange vorbei. Steig am besten hier aus und nimm den gegenüberlegenden Bus.” Also stieg ich aus hier und wartete im Nirvarna und völliger Dunkelheit. Nachdem der Bus nach einer ¼ Stunde immer noch nicht gekommen war, wagte ich es, die noch im Vorgarten sitzenden Hausbewohner zu fragen. „Doch er müsste in ca. 10 Minuten kommen.“ Gut dann warte ich (was sollte ich auch sonst machen, als mich zu fragen „und was, wenn nicht?“)
Um 22.30 kam tatsächlich ein Bus. Ich hatte noch etwas über 4 Pesos, als der Busfahrer mir eröffnete das Ticket koste 4,50. Ich erklärte ihm mein Dilemma und er nickte, was ich als „ok du armes Schwein, du brauchst nix bezahlen“ verstand. Tatsächlich wollte er 4,50 Pesos. Ich gab ihm mein letztes Hemd. Er grunzte und ich durfte mitfahren.
Diesmal schaffte ich tatsächlich den Absprung an der richtigen Stelle und musste nun nur noch 20 Minuten bis zu unserem Campo laufen. Der Weg ist eine Sandstrasse, die Stockfinster ist und daher gerne für Überfälle aus dem Gebüsch benutzt wird. Ich war perfekt vorbereitet, denn ich hatte ja kein Geld mehr (nur noch meine ganze Kameraausrüstung). Also betete ich Sturm und Gott war und blieb gut.
Ich kam sicher am Eingangstor an und die Männer des Hauses spielten sogar noch ehrgeizig Tischtennis, so dass sie mir noch öffnen konnten.
So ging (wieder) ein Tag voller Überraschungen zu Ende.
Sammy - eine Minute bevor der Bus Richtung Cordoba fährt
Kurioses 1: Auf dem Grundstück haben wir ein paar Vögel die heissen genauso wie ihr Schreib den sie aussstossen wenn jemand zu nahe an ihr Nest geht. Das Nest befindet sich inmitten unseres Fussballfeldes auf dem Campo und auf meinem Weg zu dem Urwald den ich roden soll (also die Graskanten). Ich nenne die Vögel nur „herzattacken-Vögel“ weil ich noch nie Vögel so aufgeregt und agressiv in Verteidigung ihrer Brut erlebt hat. Diese fliegen einen frontal an und drehen erst kurz vor auftreffen ab und das bei einer Größe kleiner als Tauben, ganz schön mutig. Mannmannmann, jungejungejunge. Als sie mich einmal fast streiften hob ich beim nächsten Mal den Rasenkanntenschneider …
Aber sie waren zu clever und entdeckten meine Falle und drehten früher ab.
Und wenn sie nicht vor Aufregung gestorben sind, brüllen sie mich bestimmt wieder morgen vom Feld an.
Attacke vom Herzattackenvogel
Attacke 2 vom Herzattackenvogel
Attacke 3 - Abdrehen
Kurioses 2: Jeden Abend den wir bis jetzt von irgendwo wiederkamen fuhren wir eine Sicherheitsrunde im ganzen Gelände um etwaige böse Buben zu vertreiben. Seit dem Einbruch und Diebstahl in die Werkstatt vor ca. 2 Monaten sind hier alle Bewohner des Geländes vorsichtiger geworden. Irgenwie ist es geheimnisvoll in nem Auto sitzend mit nem Mega-Strahler das dunkle Gelände ausleuchtend die Runde zu machen. Da machen die Gitter vor meinem Fenster einen ganz neuen sinn.
Kurioses 3:
ich habe grad herausgefunden dass es allein in Cordoba mindestens 5 (FÜNF) christliche Radiosender gibt. Habe da mal kurz überlegt wieviel wir in ganz deutschland haben… nun ja.. dank digitalsendern, sinds doch wahrscheinlich sogar… 3 ?
Eigentlich unterscheiden sie sich kaum von weltlichen. Sie sind genauso hip drauf, richtig lustig, voll laut und echt spassmachend , so dass man nach 10 Minuten Programm sagen möchte: Einfach mal Klappe halten und Musik spielen. Die ist dann auch christlich, es gibt auch christliche Werbung (schonmal ein Christliche Werbung zu einer christlichen Konferenz gehört die sich vom Stil her anhört wie eine Media-Markt Werbung? Da können wir in Deutschland noch was lernen).
Schön sind die Kurzandachten zwischen den Werbe-pausen und inmitten der Lieder, die hat man ja normal nicht…